Mikrosegeln: Auf 4-Meter-Boot die Welt umrundet – ist Yann Quenet tatsächlich angekommen?

„Bin ich wirklich schon zurück?“

Mit großem Bahnhof wurde Mikrosegler Yann Quenet im Nebel in der bretonischen Heimat empfangen. Doch so richtig „angekommen“ ist er wohl noch nicht – in Gedanken weilt er immer noch (oder schon wieder?) auf See.

Mikrospeedsailing © quenet

Etwas ganz Großes auf extrem Kleinem ist zu Ende: Yann Quenet, der Mikroweltumsegler, hat auf der vier Meter kurzen „Baluchon“ den Kreis geschlossen und ist in seinem Heimathafen in der Bretagne angekommen. Seitdem stehen (nicht nur) die französischen Medien „kopf“: Alle wollen möglichst alles von ihm wissen, jeder und jede wollten die Ersten sein, das mit ihm sprechen, ihn filmen oder fotografieren. Die großen französischen TV-Sender, Magazine wie Paris Match, die Segler-Fachpresse, die regionalen und überregionalen Tageszeitungen, Radiosender, Blogger… letztendlich wurden bereits die ersten Interviews mit Yann Quenet veröffentlicht, als er noch mehrere Tage von seinem Ziel entfern auf seinem Mikroboot im Atlantik segelte.

Die immer gleichen Fragen gelassen beantwortet

Und was musste Yann Quenet nicht alles über sich ergehen lassen: Zum x-ten Mal erklären, dass er sein Boot für ein paar Euro selbst gebaut hatte, warum ein kurzes Boot auf Hoher See durchaus Vorteile haben kann, dass er sein einziges Segel einfach einrollt, wenn der Wind zu stark weht, dass er in den meisten Häfen bei seinem drei Jahre andauernden Törn sehr herzlich aufgenommen wurde, dass er im Indischen Ozean mehrfach kenterte, sein elektronischer Autopilot schon bald den Geist aufgab und er mit einer selbstgebastelten Anlage zum Preis von 20 Euro für den mit Abstand größten Teil der Reise perfekt zurecht kam. Alles Informationen übrigens, die SegelReporter-Leser im Laufe der dreijährigen Weltumseglung etappenweise längst erfahren haben (SR-Berichte über Quenet).

Sein Zuhause? Baluchon!

Die letzte Etappe seiner Weltumseglung von den Azoren in die Heimat war nach Aussagen des 53-jährigen eine ganz besondere. Nicht, weil sie seemännisch viel von ihm abverlangt hätte – Flauten, ein Tief, starker Strom und eine gewisse Sorge vor Orca-Angriffen lassen Typen mit dem Erfahrungsschatz eines Yann Quenet höchstens milde lächeln – sondern weil die Heimkehr-Emotionen den Mikrosegelhelden schon bald überwältigten.

Bereits kurz nachdem er auf den Azoren ablegte, habe ihn eine gewisse Traurigkeit regelrecht überrascht. Zwar habe er keine Ahnung gehabt, was für ein Trubel ihn zuhause erwarten würde. Aber mit diesem Wort gehe es schon los: Sein Zuhause ist nun mal „Baluchon“ geworden, wenn es sich auch um ein extrem kleines und enges Heim handelt. Was ihn nach der Reise erwarten würde, wollte er sich zunächst gar nicht ausmalen. „Ich segle ja jetzt auf das Ende meines Abenteuers zu,“ schrieb Quenet in den Sozialen Medien. Und da er mit diesem Abenteuer sozusagen „glücklich verheiratet“ sei, könne eine Trennung eben nur schmerzhaft sein!

Alles sei auf den letzten Tausend Seemeilen ein wenig irreel geworden. Sein Traum habe sich nun erfüllt – nur: wie geht’s weiter?

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Michael Kunst

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