Mini 6.50: Pogo baut Offshore-Prototypen als Kraken-Foiler – Luv-Tragfläche hochgeklappt

Der nächste Überflieger

Erst machte nur ein 3-D-Bild von einem fliegenden Pogo-Mini Furore, nun ist der von Guillaume Verdier gezeichnete Prototyp fertig. Die Anleihen beim America’s Cup sind unverkennbar.

Von wegen Minis und Foils passen nicht zusammen: Pogo Structures will einen Mini-Prototypen mit Foils bauen. Und bald schon auf der Mini Transat einsetzen © Pogo Structures

Pogo Foiler

Tanguy Bouroullec will mit dem Pogo Neubau über den Atlantik. © Pogo Structures

Pogo Foiler

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Pogo Foiler

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Pogo Foiler

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Eine Pogo mit Foils? Das Gerücht kursierte schon länger in der Szene, doch nun hat die Französische Werft Pogo Structure Bilder von einem echten Boot  in Umlauf gebracht. So wird aus dem Backstage-Geflüster ein waschechtes Projekt. 

Von wegen Minis und Foils passen nicht zusammen: Pogo Structures will einen Mini-Prototypen mit Foils bauen. Und bald schon auf der Mini Transat einsetzen © pogo structures

Die boomende Werft, die mit ihren Pogo 1, 2 und insbesondere der aktuellen 3 die Mini 6.50-Klasse prägte, die mit ihren Class 40-Modellen international bekannt wurde und mit ihren Performance-Cruisern (von Pogo 30 bis Pogo 50) Erfolge bei den Fahrtenseglern feiert, setzte damit erneut Akzente. 

Der Neigekiel im Pendeltest:

Dass Pogo dies ausgerechnet bei den Ministen macht, hat praktische wie auch persönliche Gründe.

Zum Einen bietet sich die Classe Mini seit jeher in ihrer Prototypen-Wertung als Spielwiese für Innovationen (fast) aller Art an. Zum Anderen ist die Baunummer 1 dieses Prototypen einem gewissen Tanguy Bourroulec versprochen – der 24-jährige Sohn des Pogo-Structure-Werftbesitzers Christian Bourroullec beendete die letzte Mini Transat auf einem vielversprechenden vierten Gesamtrang in der Serienwertung. Auf einer Pogo 3, versteht sich. 

Eigentlich nichts Neues?

Nun ist ein Mini auf Foils längst nichts Neues mehr. Und gerade deshalb wurde das Gerücht in der Szene bislang „mit Vorsicht genossen“. Denn die bisherigen Erfahrungen mit den „fliegenden“ Minis waren eher gemischter Natur. Zwar ist unumstritten, dass ein Mini sich relativ stabil auf Foils vollständig über die Wasser erheben kann – die Prototypen „SeAir“ und „Arkema“ zeigen dies mehr als deutlich. Der Knackpunkt dabei: Das scheint nur verlässlich bei relativ ruhigem Seegang zu funktionieren. 

Seair Mini

Den SeAir-Foiler -Mini sieht man vor Lorient immer stabiler “fliegen”. Wenn er nicht gerade auf irgendwelchen Ausstellungen in Paris herumgereicht wird © Seair

So kam dann auch die „Arkema“ bei der letzten Mini Transat nur „unter ferner liefen“ ins Ziel – nicht zuletzt, weil Foilen nur auf einem Bruchteil der Strecke möglich war. Aber auch, weil das zusätzliche Flügelrigg noch nicht funktioniert, wie erhofft und außerdem  das Gesamtgewicht deutlich erhöht.

De deutlich stabiler „fliegende“ SeAir wurde noch nicht bei Hochseeregatten eingesetzt, weil sie den Klassenregeln bisher nicht entsprach.

Entsprechend setzten die Mini-Spitzensegler nicht mehr auf Foils. So ließ der Schweizer Simon Koster genauso seine Foils wieder ausbauen wie Jörg Riechers auf “Lilienthal” noch. Eine Entscheidung, die im Hinblick auf seinen starken zweiten Rang beim Mini Transat trotz geringer Vorbereitungszeit nicht so falsch gewesen sein kann.

Knackpunkt: Foils

Umso erstaunlicher, dass sich nun eine renommierte Serienwerft erneut an das Abenteuer „Mini auf Foils“ wagt? „Sowas ist ein ganz normaler Vorgang in einem innovativen Betrieb,“ äußert sich Werftboss Bourroullec. „Wir müssen an allen Trends „dranbleiben“ und unsere eigenen Ideen einbringen.“ Nur so bleibe man zukunftssicher und setze seine Duftmarke auf den Märkten. 

Gezeichnet wurde das Boot derzeit von Guillaume Verdier, der auch schon für die Pogo 3, dem bislang erfolgreichsten Serien-Mini, verantwortlich ist. Verdier gilt mittlerweile als lebende Konstrukteurslegende; nicht zuletzt, weil er maßgeblich im Design-Team der neuseeländischen America’s Cupper wirkte und auch zurzeit für die Kiwis an vorderster Front an den AC75 Monohull-Foilern für den Cup 2021 arbeitet.

Deshalb ist gerade mit dem Namen Verdier die Entscheidung verbunden, sich erneut an das eigentlich eher abgehakte Thema “Mini auf Foils” zu wagen. Denn in der Foil-Technologie erlebt die Segelwelt derzeit wahre Quantensprünge, im monatlichen Rhythmus.

So könnten neue oder modifizierte Foil-Designs auch bei den Minis eine ruhige Flugphase in adäquater Höhe, also über den Wellen, ermöglichen. Für einen Konstrukteur wie Verdier mit Sicherheit kein unlösbares Problem.

Mini Transat, Arkema, Foil

Abheben… aber nur auf kurzen Strecken und wenn wenig Wellengang stört © arkema

Christian Bourroullec gibt sich allerdings noch zurückhaltend. Man solle so eine „Spielerei“ nicht allzu hoch bewerten. Zunächst müsse man klarstellen, dass man einen Prototypen auf Basis der Pogo 3 tatsächlich vollständig aus dem Wasser heben kann. Denn nur so mache Foiling bei einer Bootslänge von 6.50 Metern wirklich Sinn. Und dann habe man immer noch nicht geklärt, ob der Leistungsgewinn etwa bei einer Langstrecke wie der Mini Transat wirklich so herausragend sein kann.

Ein erfolgreicher Werftchef wie Bourroullec dürfte sein Geld aber wohl kaum in Projekte investieren, die keinen Sinn für die Zukunft seines Unternehmens machen. Auch dann nicht, wenn der Sohn als erster Foilender Mini-Transat-Sieger in die Geschichte eingehen will. „Wir müssen einfach am Ball bleiben,“ sagte Christian Bourroullec gegenüber französischen Medien. „Denn eines ist sicher: Foils werden uns alle noch eine ganze Zeit beschäftigen!“ 

Nun tritt der neue Pogo Foiler in die Testphase ein. Die ersten Videos im Flugmodus dürften spannend sein. Wenn es funktioniert, dürfte diese Entwicklung auch die nächste Generation der IMOCA Offshore Boliden maßgeblich beeinflussen.

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Michael Kunst

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