MOB: Deutscher Segler überlebt drei Stunden im Pazifik mit improvisierter „Rettungshose“

Die Hose voll… Luft!

MOB, Rettung, Jeans

Arne Murke zeigt seine “Rettungshose” © murke

Wie überlebt ein über Bord gefallener Segler dreieinhalb Stunden zwischen drei Meter hohen Wellen ohne Schwimmweste oder Rettungsring? Indem er sich an seine Jeans klammert!

Ist das nun Seemannsgarn oder was? Ein Segler fällt bei einem Überführungstörn von Neuseeland nach Brasilien über Bord, treibt stundenlang ohne Schwimmweste zwischen meterhohen Wellen und überlebt das Desaster nur dank eines Survival-Tricks. Als ihn neuseeländische Rettungskräfte finden, umklammert er seine Hose!

Erklär-Video von der US-Navy –– von SR-Tippgeber André Mayer!

Über die folgenden Begebenheiten wurde in diversen neuseeländischen Medien berichtet:

Die beiden Norddeutschen Arne und Helge Murke freuten sich über einen guten Job. Beide wollten die 12-Meter-Yacht „Wahoo“ gegen Honorar von Auckland/Neuseeland nach Brasilien überführen.

Doch schon etwa 20 Seemeilen östlich Tolaga Bay im Osten der Insel, geschah bei aufkommendem rauem Wetter das Unglück. Nachdem sich offenbar die Großschot gelöst hatte, schlägt der Baum wild umher, Arne wird getroffen und fällt über Bord.  

MOB – ohne Schwimmweste!

Wie oft wurde an dieser Stelle nicht schon darüber berichtet: Auch als erfahrener Hochseesegler trägt Arne weder Schwimmweste noch PLB! 

Bruder Helge wirft zwar schon wenige Sekunden später einen Rettungsring ins Wasser, doch Arne ist bereits hinter den nächsten Wellenkämmen verschwunden. 

Trotz rasch eingeleiteter MOB-Manöver findet Helge seinen Bruder in den bis zu drei Meter hohen Wellen nicht wieder und setzt kurze Zeit später einen Notruf ab. Die neuseeländische Küstenwache und die Marine schicken Hubschrauber und Rettungsboote, wohl wissend, dass einem Mann ohne Schwimmweste im rauen Pazifikwasser nur wenig Zeit zum Überleben bleibt. 

Survival-Trick mit Jeans

Das weiß auch Arne. Er wägt fieberhaft seine Überlebenschancen ab und ahnt, dass sie gen Null tendieren, wenn nicht ganz bald Hilfe kommt. Nur mit T-Shirt und Jeans bekleidet, spürt er schon nach wenigen Minuten eine bleierne Müdigkeit im Körper. Wenn er doch nur etwas hätte, an dem er sich festhalten und ausruhen könnte! 

Da fällt dem Norddeutschen ein Survival-Trick ein, der auch von den Navy-Seals Angewandt wird und den er vor vielen Jahren einmal irgendwo aufgeschnappt hatte. Arne zieht seine Jeans aus, macht Knoten in beide Hosenbeine, füllte die Jeans mit Luft und drückte sie dann ruckartig unter Wasser. So entstand eine improvisierte Schwimmweste bzw. eine Art Rettungsboje, an der sich der Mann festhalten und zumindest bis zu einem gewissen Grad ausruhen konnte. 

MOB, Rettung, Jeans

Die Yacht wurde später sichergestellt © murke

Über drei Stunden hält Arne so durch. Drei Stunden, in denen die neuseeländische Küstenwache und die Marine unermüdlich nach ihm suchen. Mehrfach fliegt ein Hubschrauber in unmittelbarer Nähe über ihm hinweg, doch niemand entdeckt ihn. 

Mittlerweile brechen die Wellen über Arne zusammen, er friert erbärmlich, seine Beine zittern, zudem merkt er, dass sein improvisiertes Survival-Paket, an das er sich klammerte, Luft verliert. Es kostet den 30-Jährigen die letzten Kraftreserven, seine „Rettungshose“ nochmals mit Luft zu füllen und unterzutauchen. Doch der Gedanken an seine erst vor Kurzem geborene Tochter, die mit ihrer Mutter auf den Philippinen lebt, lässt ihn irgendwie auch diese ultimative Anstrengung durchstehen.

Nach dreieinhalb Stunden im Wasser überfliegt ein Hubschrauber der Rettungskräfte erneut den Verunglückten und kann den mittlerweile völlig Erschöpften zwischen den Pazifikwellen ausmachen. Ein Retter lässt sich am Seil herab, und birgt Arne und seine „Rettungshose“. 

Gefährlicher Wurm am Rumpf der Yacht

Epilog. Die „Wahoo“ wurde in den den nächstgelegenen Hafen Gisborne geschleppt, nachdem sie während der Suche nach dem Verunglückten offenbar einen Motorschaden hatte. Am Steg fand man bei einer Untersuchung der Yacht den auf der südlichen Erdhalbkugel als gefährlich für die Fauna und Flora eingestuften „mediterranen Fanwurm“. Die Yacht wurde aufs Trockene gekrant und sichergestellt. Arne Murke hat übrigens keineswegs die Lust am Segeln oder am Meer verloren. Er werde allerdings ab sofort sehr, sehr vorsichtig sein – nicht zuletzt seiner Tochter zuliebe! 

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „MOB: Deutscher Segler überlebt drei Stunden im Pazifik mit improvisierter „Rettungshose““

  1. avatar Rolf sagt:

    Wo sind denn da 3 Meter Welle? Oder gehört das GB Video nicht zum MOB?

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  2. avatar Michael Kunst sagt:

    Tja Rolf, sollte sich Arne tatsächlich um 50 Zentimeter verschätzt haben? Oder wissentlich eine falsche Angabe gemacht haben, um unter anderem die SR-Leser zu täuschen??!! Die Crew des Rettungshubschraubers schreibt jedenfalls: “Imagine being stuck in the middle of the ocean for two hours without any idea if you will be saved with 2.5 metre swells pushing you from side to side? Well that is what our Rescue Crew attended yesterday. 20 nm off Tolaga Bay, a man had gone overboard from a yacht and through the quick response from our team and other rescue services, we were able to find him. He is so incredibly lucky to be alive.”

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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