Nachruf: Bernd-Michael Schröder gestorben – Gründer von BMS geht auf letzte Reise

Tschüss Micha!

Mit seiner Firma BMS hat er Segeldeutschland verändert, als Mensch war er eine große Bereicherung: Nachruf auf den Unternehmer und Visionär Bernd-Michael Schröder. 

Alles andere als ein Stubenhocker: Bernd-Michael Schröder fühlte sich in der Natur am wohlsten. Foto: BMS

Alles andere als ein Stubenhocker: Bernd-Michael Schröder fühlte sich in der Natur am wohlsten. Foto: BMS

Bernd-Michael Schröder ist tot. Der Geschäftsmann aus Hamburg hat mit der Marke BMS die Segelsport-Bekleidung in Deutschland geprägt wie kaum ein anderer. Schröder hatte stets die Finger am Puls der Zeit, er wusste oft etwas früher als viele Mitbewerber, was im Hafen und auf dem Boot gewünscht wird. Am 15. November ist der gebürtige Walchenseer (Bayern) im Alter von 76 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Agil und lebensfroh war er bis zuletzt in seiner Firma in Hamburg aktiv, war täglich im Büro und plante, das Ruder als Geschäftsführer in den nächsten Jahren an seine Tochter Imke Stock zu übergeben.

Micha (Bernd-Michael hat ihn seine Mutter nur gerufen, wenn er etwas angestellt hatte) Schröder war stets Outdoor-affin und alles andere als ein Stubenhocker. Das spiegelte sich auch in seinen sportlichen Vorlieben wider. Bereits als Sechsjähriger erkundete er mit seinen beiden Schwestern auf einem selbstgebauten Floß den Walchensee. Und mit neun Jahren wurde er Werdenfelser Skisprungmeister der Schüler.

1972 erhielt der Diplom-Kaufmann eine Anstellung bei den Phönix Gummiwerken und entwickelte mit seinen Teamkollegen den ersten 60er-Breitreifen. Schon damals bewies er Talent im Marketing. Der Reifen müsse natürlich qualitativ gut sein, aber er müsse auch so aussehen, als beiße er sich in den Boden, so Schröder. Dem Prinzip von hoher Qualität in Kombination mit intelligenter Verkaufsstrategie blieb der Wahl-Hamburger auch nach seinem Wechsel zu dem norwegischen Segelbekleider Helly Hansen treu, für den er die Hamburger Geschäftsführung übernahm.

1987 folgte der nächste logische Schritt: Bernd-Michael Schröder gründete die BMS Sailing Wear GmbH – sein eigenes Unternehmen unter dem Zeichen seiner eigenen Initialen. Das Ziel: Outdoorbekleidung für die ganze Familie und für alle Größen. Dabei hatte Schröder einen besonders ausgeprägten Blick für Funktionalität. Weite Hosen, damit man auch mit dem Schuh einsteigen kann, natürlich verstärkte Knie- und Sitzflächen, Kragen und Ärmel mit Neo-Manschetten, mit Fleece gefütterte Taschen – und die entscheidenden Stellen reißfest verstärkt. Dazu entwickelte der Hamburger die ersten Trapeze, Surfbretter, Trockenanzüge und Überlebensanzüge.

Ob die Skipperjacke, die Parkas Alaska und Himalaya, die Milano Therm Jacke, Challenge of America, Challenge of Sardinia oder die Match Race-Hose – die BMS-Produkte trafen den Nerv der Wassersportler und mehr und mehr auch den der Nichtsegler im Freizeit-Bereich. Das Wissen um Material, Schnitt und Produkte, ein besonderes Gefühl für Marketing und ein Auge für Partnerschaften zeichneten den Familien-Menschen Bernd-Michael Schröder aus.

In extremen Situationen getestet: Faserpelz und Bootsmannsstuhl – Bernd-Michael Schröder mit Tochter Imke und Sohn Mikko. Foto: BMS

Rückgrat bewies Schröder in besonderem Maße, als er 1991 mit einer Selbstanzeige auf dubiose Machenschaften seines Mehrheitsmitgesellschafters hinwies. Dabei ging es um fragwürdige Rechnungen, mit denen die Einfuhrumsatzsteuer verringert wurde. Eineinhalb Jahre dauerte der Rechtsstreit. Am Ende wurde die taiwanesisch gesteuerte BMS-GmbH aufgelöst, die BMS Sailing Wear GmbH hatte den Prozess gewonnen. Die Familie Schröder hatte gemeinsam mit ihrem treuen Mitarbeiter Thorsten Wycisk, der Schöder bis heute als seinen Mentor bezeichnet, die schwere Zeit überstanden.    

Authentische Anzeigenkampagnen, meist mit Familienmitgliedern und Mitarbeitern als Testimonials, prägten sich ein. Zunächst waren es Ehefrau Hanne, Thorsten Wycisk und die Kinder Wibke, Imke und Mikko sowie Schröder selbst, die die Produkte aus dem Hause BMS präsentierten – in den letzten Jahren waren es verstärkt auch die Enkelkinder. Authentisch spiegeln die Anzeigenmotive den Werbeslogan wider: Von der Familie für die Familie.

Unvergessen ist das Fotomotiv (noch aus Zeiten bei HellyHansen), auf dem Bernd Michael Schröder mit Schlips und Kragen im Trockenanzug mit Sohn Mikko im Survival-Suit ins Wasser steigt, um zu demonstrieren, was wirklich trocken heißt. Eine der letzten großen Erfolgsentwicklungen aus dem Hause BMS ist die sogenannte Buddelhose für Krabbelkinder. Die Hose ist patentiert und hat bei einem Test von Hebammen eine 100-prozentige Kaufempfehlung erhalten. „Freiheit für die Kinder bedeutet auch Freiheit für die Eltern. Wenn die Kinder in Ruhe draußen spielen können, ohne kalt und nass zu werden, können die Eltern auch mal durchatmen. Und Matschen macht schlau“, war Schröders Botschaft hinter dem Produkt.

In der Segler-Zeitung war BMS Anzeigenkunde der ersten Stunde. Und seit 1993, als ich den SVG-Verlag von Horst Schlichting übernommen hatte, war BMS auch einer der ersten Kunden, die statt schwarz-weiß vierfarbig inserierten.

Vielschichtige Partnerschaften als Bekleidungs-Ausrüster beim Baltic Match Race (Segellegenden wie Dennis Conner/USA und Russell Coutts/NZL trugen BMS), World Surf Cup, Tour de France à la Voile, der Kieler Woche bis 2001 und schließlich der Warnemünder Woche machen es nahezu unmöglich, das Label BMS nicht zu kennen. Und die Segler-Boardtasche (in Seglerkreisen bekannt als „One-Night-Bag“) für die Delegierten beim Deutschen-Seglertag in Warnemünde sieht man heute noch an Bord vieler Yachten. Der Kranz aus zwölf Sternen um den Schriftzug BMS ist bis heute das Markenzeichen des Familienunternehmens, das den europäischen Gedanken symbolisiert.

Im Beruf mit dem richtigen Riecher fürs Geschäft und hart in den Verhandlungen war Bernd-Michael Schröder menschlich eine große Bereicherung. Zahlreiche Gespräche gemeinsam mit unseren Ehefrauen im Rahmen der Warnemünder Woche im Hotel Bellevue von Thorsten Hübner waren stets ehrlich, über den Tellerrand schauend, tiefgreifend und humorvoll.

Wir werden Dich nicht vergessen, Micha!

5 Kommentare zu „Nachruf: Bernd-Michael Schröder gestorben – Gründer von BMS geht auf letzte Reise“

  1. avatar Manfred sagt:

    R.I.P. Michael – es war eine tolle Zeit und Du hast viel für den Segelsport getan.

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  2. avatar brahms sagt:

    Habe von BMS noch nie gehört …

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    • avatar Hans sagt:

      BMS hatte Ende der 80er tatsächlich mal einen Lauf, weil er Henry-Lloyd-Jacken nachbaute und günstig verkaufte und dazu günstige Ölhosen anbot. Netter Mann. Das er jedoch “Segeldeutschland verändert hat” ist nicht anders als eine Übertreibung des Nachruf-Autors. Aber dafür kann ja BMS nichts 🙂

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  3. avatar Hans im Glück sagt:

    Ein sehr schöner Nachruf Hermann.
    Ich versuche die Kommentarspalten bei Segelreporter.com immer mit Humor zu nehmen – ungefäht auf dem Niveau wie die SPIEGEL- Zusammenschnittte von Coronademos auf YouTube. Aber hier. kann man sich einfach nur mal wieder fremdschämen, wie krampfhaft Leute versuchen sich selbst darzustellen, indem sie andere Leute blamen. Sorry, aber einen Nachruf öffentliche als “übertrieben” zu bewerten, da fallt mir echt nichts mehr ein.
    Was bedeutet eigentlich das Wort Respekt?

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  4. avatar Marcus sagt:

    Lieber Herrmann,

    vielen Dank für diesen Nachruf, in diesem wurde Micha sehr gut charakterisiert. Ich durfte sieben Jahre lang eng mit ihm zusammenarbeiten und habe viel von ihm gelernt. Unter anderem hat er mir gezeigt, Rückgrat zu beweisen, wenn einem der Wind um die Ohren fegt. Ich möchte der Familie Schröder und Stock mein aufrichtiges Beileid aussprechen.

    Ruhe in Frieden, Micha!

    Marcus Gehrke
    (Helly Hansen Deutschland GmbH)

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