Naturphänomen: Spektakuläre Wasserhose vor Korsika – nur selten gefährlich?

"Bitte nicht hinein segeln!"

Wasserhosen sind Tornados, die über großen Wasserflächen auftreten und dort meist weniger Unheil anrichten als ihre Kollegen an Land. Doch ist dem tatsächlich so? 

Eigentlich sind Wasserhosen auch in Europa nichts Neues – sie werden nur zu Zeiten, in denen jeder sein eigenes Dokumentationswerkzeug permanent bei sich führt, eben viel öfter gefilmt und fotografiert als früher. 

Wasserhosen, Windhosen, besser bekannt als „Tornados“ sind schnell rotierende Luftwirbel mit einem Durchmesser von meist 50 bis 100 Metern. In ihnen können sehr hohe Windgeschwindigkeiten entstehen. In Windhosen über dem Land wurden bereits 500 km/h gemessen – man geht allerdings davon aus, dass in Wasserhosen nur selten Geschwindigkeiten von über 120 km/h erreicht werden.  Der Begriff „Hose“ hat hier übrigens nichts mit unseren gleichnamigen Kleidungsstücken zu tun, sondern basiert auf einer Übersetzungsnachlässigkeit. Denn das im Englischen benutzte Wort „hose“ müsste eigentlich mit „Schlauch“ übersetzt werden.

Meteorologen schätzen, dass in Europa ca. 600 Tornados pro Jahr auftreten. Sie können im Prinzip überall dort entstehen, wo es Gewitter gibt. Verlässliche Statistiken über Häufigkeit und Risikozonen gibt es allerdings noch nicht. Fachleute gehen für Seegebiete wie dem Mittelmeer oder der Ostsee naturgemäß von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.

Anfang der Woche wurde eine besonders spektakuläre Wasserhose vor der korsischen Hafenstadt Bastia gesichtet und gefilmt. Nicht nur wegen ihrer „klaren Linien“ und  „wunderschönen Ausprägung“ (O-Töne aus den Wetterberichten unterschiedlicher TV-Sender) machte diese Wasserhose schnell die Runde durch die französischen Medien, sondern auch wegen zahlreicher besorgter Nachfragen von Wassersportlern.  Nicht zuletzt, weil Wasserhosen mit unterschiedlichsten Geschwindigkeiten unterwegs sind und teils extrem schnell die Richtung wechseln. Andere wiederum – wie diesmal vor Bastia – verharren minutenlang auf ein und der selben Stelle. 

“Was ist also zu tun, wenn so eine Wasserhose beim Segeln am Horizont auftaucht?” lautete die in den Medien oft gestellte Frage an Meteorologen und Küstenwache. Bei den Antworten gab man sich eher bedeckt. Bei größeren Entfernungen zur Wasserhose (2-5 Seemeilen) solle man versuchen, so schnell wie möglich in die entgegengesetzte Richtung zu verschwinden. Egal, ob unter Segeln oder Motor. Sollte eine Wasserhose doch näher kommen: Segel bergen und festlaschen. Möglichst unter Deck im wahrsten Sinne des Wortes in Deckung gehen. 

Allerdings sind bisher nur sehr wenige Fälle bekannt, bei denen ein Wassersportboot tatsächlich von einer Wasserhose getroffen und schwer beschädigt wurde. Allgemein wird davon ausgegangen, dass Wasserhosen erst dann wirklich gefährlich werden, wenn sie auf die Küste treffen, Gegenstände ansaugen und damit Verletzungen verursachen.

Einer der französischen Wetter-Moderatoren brachte seine Verhaltensregeln mit einem milden Lächeln auf den Punkt: „Bitte segeln Sie niemals in solch eine Wasserhose hinein. Auch wenn sie noch so schön aussieht!“ 

Was passieren kann, wenn eine Wasserhose auf einen Strand trifft, wurde kürzlich in Italien deutlich. Da fliegen schnell die Fetzen, zum Glück  wurde niemand verletzt.

 

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