Navigation: Warum der Nordpol so schnell wandert – Zeigt der Kompass bald nach Süden?

Pol auf dem Weg nach Sibirien

Etwas Seltsames geht vor hoch im Norden. Der magnetische Nordpol rutscht von Kanada nach Sibirien, angetrieben von flüssigem Eisen, das im Kern des Planeten schwappt. Der Pol bewegt sich so schnell, dass er die Geomagnetismus-Experten zu einer schnellen Reaktion veranlasst hat. Schließlich basieren auf dem Magnetfeld des Planeten alle modernen Navigationssysteme. 

Das Erdmagnetfeld und die Sonne: Die Magnetosphäre des Planeten schirmt die Erdoberfläche von den geladenen Partikeln des Sonnenwindes ab. © NASA

Eine gewisse Varianz ist bekannt. Deshalb werden die Modelle regelmäßig angepasst. Das aktuelle Modell besteht seit 2015, und erst für 2020 ist ein Update geplant. Aber nun steigt die Fehlerquote so rasant, dass die Spezialisten früher eingreifen.

Das Fachjournal Nature beschreibt, dass die Probleme zum einen mit dem beweglichen Pol und zum anderen mit Veränderungen im Inneren des Planeten zusammenhängen. Flüssigkeitswirbel im Erdkern erzeugen den größten Teil des Magnetfeldes. Es ändert sich mit der Zeit, wenn die Strömungen andere Verläufe nehmen.

2016 zum Beispiel habe sich zeitweise ein Teil des Magnetfeldes tief unter Nord- und Südamerika sowie dem östlichen Pazifik beschleunigt. Und Anfang 2018 erkannten Forscher, dass das aktuelle Modell im Begriff war, die akzeptable Grenze für Navigationsfehler zu überschreiten.

Der Pol wandert 55 Kilometer im Jahr

Die Bewegung des magnetischen Nordpols verschlimmerte das Problem. Der Pol wandert auf unvorhersehbare Weise. Seit Mitte der 90er Jahre erhöhte sich die Geschwindigkeit von rund 15 Kilometern pro Jahr auf rund 55 Kilometer. 2018 überquerte der Pol die internationale Datumsgrenze zur östlichen Hemisphäre. Er ist derzeit auf dem Weg nach Sibirien.

Um das Weltmagnetmodell zu reparieren, fütterten US-Wissenschaftler es nun mit Daten der vergangenen drei Jahre. Und sie sind zuversichtlich, dass es nun bis zum geplanten Update 2020 funktioniert.

Dabei haben sie ihre Bemühungen verstärkt, die dramatischen Veränderungen zu verstehen. Geomagnetische Impulse, wie derjenige, der 2016 stattfand, könnten auf hydromagnetische Wellen zurückzuführen sein, die aus der Tiefe des Kerns stammen. Und die schnelle Bewegung des magnetischen Nordpols Richtung Sibirien scheint mit einem Strom aus flüssigem Eisen unter Kanada zusammenhängen. Er schwächt offenbar das Magnetfeld unter Kanada.

Komplette Umpolung möglich?

Auch unter Südafrika ist das Magnetfeld gestört. Man kann es beim Navigieren auf dem Kompass sehen. Kompassnadeln tanzen. Die sogenannte Inklination, die zusammen mit der Deklination die Richtung der Feldlinien des Erdmagnetfeldes beschreibt, ist dort gravierenden Veränderungen unterworfen.

Einige Wissenschaftler befürchten schon auf Dauer eine komplette Umpolung, so dass die Kompassnadel nach Süden statt Norden zeigen könnte. Andere sind aber auch der Meinung, dass es solche Verschiebungen schon in der Vergangenheit gab. Das Magnetfeld habe sich dann doch immer wieder erholt.

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