Neu- und Gebrauchtbootmarkt: SR Gespräch mit den Yachtmaklern Nielsen und Pontoppidan

"Kleiner, aber exklusiver!"

Thomas Nielsen von Yachsport Eckernförde und Dines Pontoppidan von Diamond-Yachts aus Laboe sind erfahrene Yachtmakler, die den Markt für Neu- und Gebrauchtboote seit Jahrzehnten beobachten und analysieren. Im Gespräch geben sie Auskunft über neue Trends und alte Schwächen.

SegelReporter: Wie kam es zur Gebrauchtbootschwemme und welche Boote verkaufen sich trotzdem noch? Wie sieht die derzeitige Bootsmarktsituation aus?

Nielsen: Insgesamt läuft der Verkauf von gebrauchten Yachten eher schleppend. Gerade bei kleinen Booten, die älter als 25 Jahre sind, gibt es ein riesiges Angebot. Eine gute Gelegenheit für Einsteiger: Eine familientaugliche Yacht zwischen 7 und 10 Metern ist oft schon für wenige Tausend Euro zu bekommen.

Dines Pontopiddan "bei der Arbeit" © Stumm

Dines Pontopiddan “bei der Arbeit” © Stumm

Pontoppidan: Andrerseits haben viele Eigner übersteigerte Wertvorstellungen. Nur, wer realistisch ist, kann sein „Schätzchen“ verkaufen. Bei Gebrauchten läuft das Segment hochwertiger Qualitätsyachten deutlich besser als das von Großserien-Booten, da diese alle paar Jahre ein neues Modell herausbringen und so die eigenen Vorgänger im Preis stark drücken.

SR: Welche Boote oder Boote welcher Preisklasse lassen sich denn noch ganz gut verkaufen?

Pontoppidan: Wir haben zuletzt im Segment wertiger Yachten zwischen 100.000 und 150.000 Euro ganz gut verkauft. Bei alten Booten ist neben der Ausstattung ein guter Zustand wichtig.

Nielsen: Charakterstarke Yachten gehen besser als beliebige Boote, die austauschbar sind und sich nur über ihren Preis definieren. Der jahrelange Trend, bei dem es nur darum ging, eine möglichst große Yacht für möglichst wenig Geld zu bekommen, ist vorbei.

SR: Ein Trend hin zu kleineren, aber hochwertigeren Yachten also?

Nielsen: Ganz sicher. Viele wollen heute lieber eine kleinere, im Unterhalt günstigere Yacht, die dafür exklusiver und hochwertig ist: Individualität spielt eine große Rolle, genauso gute Segeleigenschaften und Langlebigkeit.

Pontoppidan: Man hat es wieder mehr mit „echten“ Seglern zu tun, die wissen, dass sich mit steigender Größe auch das Handling erschwert. Viele Käufer sind ältere Ehepaare, die ohne Kinder unterwegs sind und keine Lust haben, jedes Mal eine Crew zu organisieren. Die Komfortansprüche an eine Yacht sind gestiegen. Gleichzeitig muss sie aber bedienbar bleiben.

Was ist Eurer Meinung nach der Grund für den seit fünf, sechs Jahren eingebrochenen Absatz bei neuen Yachten?

Thomas Nielsen – beim Gebrauchtboot-Check? © Stumm

Thomas Nielsen – beim Gebrauchtboot-Check? © Stumm

Nielsen: Da gibt es mehrere Ursachen. Die Wirtschaftskrise von 2008 brachte das Fass nur zum Überlaufen. Schon zuvor gab es viel zu große Stückzahlen bei den fünf großen Werften. Der Markt wurde regelrecht überflutet, durch einen Verkauf im Schneeballsystem: Schiff verkaufen, den Eigner nach 2-3 Jahren mit einer günstigen Finanzierung für ein etwas größeres Schiff locken, um das Gebrauchte dann Einsteigern zu verkaufen. Die Endlichkeit war vorhersehbar, irgendwo müssen die Yachten ja auch alle bleiben.

Pontoppidan: Als dann Käufer die Handbremse zogen, in Südeuropa reihenweise Finanzierungen platzten und eine große Gebrauchtbootschwemme einsetzte, bekamen die großen Werften Panik und warfen mit Rabatten um sich, was den Gebrauchtbootmarkt fast zusammenbrechen ließ. Da der Bootsmarkt international geworden ist und sich die Krise global auswirkte, gab es keine Märkte im Ausland, die den Einbruch kompensieren konnten. Aber natürlich spielt auch der demografische Wandel eine Rolle.

SR: Wann hat eine Yacht ihren größten Preisverfall hinter sich und gibt es da markenspezifische Unterschiede?

Pontoppidan (lacht): Den größten Preisverfall hat man, sobald das erste Mal der Schlüssel umgedreht wurde. Bei jungen Gebrauchtbooten ist die psychologische Schmerzgrenze für den Fragepreis immer der Standardpreis der Neubootes. Wenn die voll ausgestattete Gebrauchte also

130.000 kosten soll, der Standardpreis neu aber nur 100.000 beträgt, wird es schwer. Je besser und individueller die Ausstattung, desto größer die Differenz zwischen Standard und Komplettpreis, die man meist nicht mehr bekommt. Später, nach dem ersten Preisverfall, sind Qualitätsyachten preisstabiler: Ob eine Hallberg 34 zwölf oder 15 Jahre alt ist, spielt beim Preis kaum eine Rolle.

Dines Pontoppidan im Gespräch © Stumm

Dines Pontoppidan im Gespräch © Stumm

Nielsen: Je häufiger eine Yacht angeboten ist, umso größer ihr Preisverfall. Für individuellere Yachten ist es zwar oft schwerer Interessenten zu finden. Wenn aber ein Kunde eine Saare oder J-Yacht sucht, hat er eben auch nicht die Auswahl.

SR: Der Markt ist voll von Gebrauchten jeder Größe und Qualität. Warum sollte man überhaupt noch eine Neu-Yacht kaufen?

Pontoppidan: Manch Segler möchte eben eine neue, unbenutzte Yacht, die er sich individuell nach seinen Wünschen aufrüsten kann. Und natürlich gehen Entwicklungen, ob Navigationselektronik oder Trimmeinrichtungen, auch weiter. Zudem sind bestimmte junge Yachten wie eine Saffier 26 oder Najad 331 auch kaum am Markt zu finden.

Nielsen: Umgekehrt können Käufer, die nicht festgelegt sind, zur Zeit durchaus gute Schnäppchen machen. Zumal viele Boote gut ausgestattet sind und teure Nachrüstungen entfallen. Andererseits sind Dieselheizungen, Segel, Stagen und anderes nicht für die Ewigkeit gebaut: Renovierungen setzen früher ein und sind nicht zu unterschätzen. Ein Kauf über einen Yachthändler, die oft eine einjährige Gebrauchtbootgarantie anbieten, minimiert diese Risiken.

SR: Wir danken für das Gespräch!

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Hinnerk Stumm

... segelt seit Kindertagen, von Jolle bis Dickschiff. Sein Motto: „Segeln ist letztlich völlig überbewertet!“ Weiteres ...
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