Teakdeck: Holzhändler umgingen EU-Richtlinie – Teak aus Myanmar kam über Kroatien

Teakdeck durch die Hintertür?

Während die EU mit Myanmar über den Aufbau eines legalen Importsystems für Teak verhandelt, umgehen offenbar manche Holzhändler das faktische Importverbot.

Teakdeck auf dem Bug einer klassischen Yacht

Teakdeck auf dem Bug einer klassischen Yacht © Jan Maas

Nachdem wir Ende Mai unseren Bericht über die Zukunft des Teakdecks veröffentlicht hatten, erreichte uns ein Brief der in London ansässigen Nichtregierungsorganisation Environmental Investigation Agency (EIA). Darin machte die EIA uns auf ihren zufälligerweise am selben Tag erschienen neuen Bericht aufmerksam. In dem Dossier mit dem Titel “The Croatian Connection” zeigt sie, wie es europäischen Holzhändlern gelingt, mit Teak aus Myanmar zu handeln, das nach der Holzhandelsverordnung der EU (EUTR) derzeit nicht legal in die EU eingeführt werden kann.

Laut ihrem Bericht hat die EIA Dokumente vom kroatischen Landwirtschaftsministerium erhalten, aus denen hervorgeht, dass eine Reihe von europäischen Firmen in den letzten Jahren über ein Unternehmen in Kroatien Teak aus Myanmar bezogen haben. Die Papiere belegen zehn Lieferungen zwischen 2017 und 2019 im Umfang von 144 Tonnen. Jedoch stellen die belegten Lieferungen möglicherweise nur einen Teil des Ganzen dar, denn laut EIA sind allein 2018/19 fast 1000 Tonnen Holz aus Myanmar nach Kroatien ausgeführt worden.

Dem Report zufolge zeigen Zahlen von Eurostat, dass die direkte Einfuhr von Teak aus Myanmar nach Belgien, Deutschland und den Niederlanden inzwischen völlig zum Erliegen gekommen ist. Jedoch hat die Ausfuhr aus Myanmar nach Kroatien, Griechenland und Italien erheblich zugenommen. Zeitpunkt und Dimension dieser Verschiebung wecken bei der EIA den Verdacht, “dass europäische Teakhändler, anstatt den Handel mit risikobehaftetem Holz zu stoppen oder ihre Sorgfaltspflichtregelung zu verbessern, Schlupflöcher bei der Durchsetzung der EUTR ausnutzten”.

Das Regelwerk der EUTR

Die EUTR ist ein kompliziertes Regelwerk, das den Handel mit illegal geschlagenem Holz bekämpfen soll. Weltweit werden Schätzungen zufolge etwa 7 bis 17 Prozent des gesamten Holzes illegal eingeschlagen. Für einige tropische Länder wird der Anteil illegal eingeschlagenen Holzes auf über 50 Prozent geschätzt. Für die Umsetzung der EUTR in den einzelnen Mitgliedsländern sind jeweils nationale Behörden verantwortlich. In Deutschland ist das die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Teakstäbe im Holzlager

Teakstäbe im Holzlager © Jan Maas

Die EUTR regelt das erstmalige “Inverkehrbringen” von Holz und Holzerzeugnissen auf dem EU-Binnenmarkt und verbietet das Inverkehrbringen von illegal eingeschlagenem Holz. Firmen, die Holz und Holzerzeugnisse erstmalig in der EU in den Verkehr bringen (sogenannte “Marktteilnehmer”) müssen die Legalität des importierten Holzes anhand einer Sorgfaltspflicht nachweisen; diese umfasst drei Phasen.

Risiko bei Teak aus Myanmar

Im ersten Schritt ist der Marktteilnehmer dazu verpflichtet, Informationen über die geplante Lieferung einzuholen und diese zu dokumentieren. Im zweiten Schritt ist anhand der gesammelten Informationen das Risiko, dass die Lieferung aus illegalem Holzeinschlag stammen könnte, zu bewerten. Ergibt sich aus der Risikobewertung ein “nicht vernachlässigbares Risiko”, so müssen im dritten Schritt weitere Maßnahmen zur Minderung des Risikos ergriffen werden, wie beispielsweise die Verifizierung oder Zertifizierung durch unabhängige Dritte.

Illegal eingeschlagenes Teakholz in Myanmar

Illegal eingeschlagenes Teakholz in Myanmar © EIA

Ist trotz dieser zusätzlichen Maßnahmen das Risiko, dass das Holz oder die daraus hergestellten Holzerzeugnisse aus illegalem Einschlag stammen könnten, nicht vernachlässigbar, so darf die Ware gemäß EUTR nicht in den Verkehr gebracht werden. Die gemeinsame Position der EU-Mitgliedsländer und der EU-Kommission in Bezug auf das im Bootsbau als Decksholz beliebte Burmateak lautet seit Sommer 2018, dass es nach wie vor nicht möglich sei, im Fall Myanmar hinsichtlich illegal geschlagenen Holzes zu einem vernachlässigbaren Risiko zu kommen.

Schlupflöcher in der EUTR

Dass Teak aus Myanmar dennoch in der EU verkauft werden kann, liegt der EIA zufolge an Schlupflöchern in der EUTR selbst. Nur derjenige Marktteilnehmer, der das Holz zum ersten Mal auf dem EU-Binnenmarkt in Verkehr bringt, muss der vorgeschriebenen Sorgfaltspflicht nachkommen, um sicherzustellen, dass alle nicht vernachlässigbaren Risiken, dass das Holz illegal ist, ausgeschlossen werden. Wer das Holz jedoch als Händler im EU-Binnenmarkt kauft und weiterverkauft, muss nur Quellen und Kunden angeben können.

Frisch gelegtes Teakdeck

Frisch gelegtes Teakdeck © Jan Maas

Zudem ist die Durchsetzung der EUTR laut EIA in den Mitgliedstaaten unterschiedlich ausgeprägt. Wenn ein Marktteilnehmer mit der Einfuhr von risikobehaftetem Holz in seinem Heimatland davonkommt, kann er es innerhalb der EU weiterverkaufen. Das scheint hier der Fall gewesen zu sein. Allerdings hat die zuständige Behörde in Kroatien in vier der zehn Fälle Mängel bei der Sorgfaltspflichtregelung beanstandet. Der Holzhändler hat noch bis August Zeit, seine Dokumentation auf den erforderlichen Stand zu bringen.

Unterschiedliche Auslegungen

Laut EIA-Bericht bezog auch eine deutsche Firma Teak aus Kroatien. Aus den Papieren, in die wir Einblick nehmen konnten, geht der Name WOB Timber hervor. Deren Geschäftsführer Stephan Bührich hatten wir schon im Mai kontaktiert, um uns über den Stand des Teakhandels in Deutschland zu informieren. Auf unsere erneute Nachfrage wegen der Nennung im EIA-Bericht sagte Bührich: “Fakt ist, dass wir seit Erhalt der Anordnung der BLE kein Teak eingeführt haben. Der Handel im Binnenmarkt hat damit allerdings nichts zu tun.”

Teckdeck auf dem Heck einer Yacht

Teckdeck auf dem Heck einer Yacht © Jan Maas

Wir fragten bei der BLE nach. Dort sieht man den Sachverhalt etwas anders. Grundsätzlich stuft man die Glaubwürdigkeit des EIA-Berichts hoch ein. Ein Sprecher kommentierte: “Nach alledem nutzen Marktteilnehmer aus Mitgliedstaaten, in denen die EUTR-Umsetzung mit einem gewissen Nachdruck geschieht, eine weniger strikte Umsetzung in anderen Mitgliedstaaten, um das national bestehende faktische Einfuhrverbot von Teakholz aus Myanmar zu umgehen. Dies bedauern wir sehr, da dadurch nationale Bemühungen ausgehebelt werden.”

Entwicklungen in Myanmar umstritten

Stephan Bührich von WOB Timber verwies uns außerdem auf den Gesamtverband des deutschen Holzhandels (GD Holz). Der GD Holz vertritt eine andere Position in Bezug auf Teak aus Myanmar als die EU. Nils Olaf Petersen vom GD Holz kritisiert, die gemeinsame Position der EU-Mitgliedsländer und der EU-Kommission aus dem Jahr 2018 spiegele den Wandel in Myanmar nicht wider und sei nicht auf der Höhe der Zeit.

Zum ersten arbeite man vor Ort am Aufbau von zertifizierten Lieferketten. Zum zweiten lasse die Forstbehörde MTE anders als früher inzwischen Zertifizierer und Händler zur Überprüfung der Dokumentation und Rückverfolgung der Ware bis zum Stumpf in die Wälder. Auch gibt es mittlerweile Projekte, die sich mit der Rückverfolgbarkeit anhand von DNA-Samples befassen.

Ein neues Teakdeck wird geschliffen

Ein neues Teakdeck wird geschliffen @ Jan Maas

Petersen beruft sich auf einen Bericht der Nichtregierungsorganisation NEPCon (Nature, Economy and People Connected). NEPCon bescheinigt Myanmar laut diesem Bericht “Schritte zu mehr Transparenz und Integrität in der Lieferkette. Aufgrund der festgestellten Lücken und Probleme sollten sie jedoch durch zusätzliche Sammlung von Informationen und Verifizierung vor Ort ergänzt werden, in allen Phasen des Holzeinschlags, des Transports und der Verarbeitung des betreffenden Holzes.”

Legale Holzimporte vereinfachen

Der Bericht von NEPCon kommt zu dem Schluss, dass es grundsätzlich möglich sei, “Holz bis zum Wald zurückzuverfolgen, in dem es geerntet wurde”. Damit sei es auch möglich, seine Legalität zu bewerten. Allerdings empfehlen die Autoren mit Blick auf die Einhaltung der EUTR, die jeweils zuständige Behörde für einen Import in die EU noch vor dem Erwerb von Teak aus Myanmar zu kontaktieren, um die Sorgfaltspflichtregelung zu erläutern. Im Übrigen bleibe Myanmar unabhängig von der Rückverfolgbarkeit ein Hochrisikoland.

Lignia-Deck auf einer Spirit-Yacht

Lignia-Deck auf einer Spirit-Yacht @ Spirit Yachts

Den Bericht von NEPCon kennt man bei der BLE. Er war auch Thema beim Treffen der EUTR/FLEGT Expert Group Mitte Juni. Der FLEGT Aktionsplan der EU soll legale Holzimporte vereinfachen. Partnerländer verpflichten sich zum Aufbau eines Kontrollsystems. Wenn es besteht, darf nur noch mit FLEGT-Genehmigung importiert werden. Die Ausfuhrstelle bestätigt dann die Legalität und der Importeur benötigt keine Sorgfaltspflichtregelung im Sinne der EUTR mehr. Bisher ist Indonesien das einzige FLEGT-Partnerland mit einem anerkannten FLEGT-Genehmigungssystem. Mit Myanmar wird noch verhandelt.

EU bekräftigt Position zu Teak

Ein Sprecher der BLE kommentierte den NEPCon-Bericht: “Auch wenn er erfreulicherweise eine Vielzahl von Verbesserungen im Land aufzeigt, werden dennoch einige grundlegende Schwachstellen beschrieben, die nach wie vor bestehen. Diese Einschätzung deckt sich mit den Erfahrungen einiger Kommissionsmitarbeiter*innen, die Myanmar Ende vergangenen Jahres bereisten, um sich ein Bild von der Lage im Forstsektor zu machen. Folglich wurde in dem Meeting die bereits bestehende gemeinsame Position zu Myanmar bekräftigt, dass derzeit keine EUTR-konformen Teakholzimporte aus Myanmar möglich sind.”

Tesumo-Deck auf einer Lürssen-Yacht

Tesumo-Deck auf einer Lürssen-Yacht © Lürssen/Peter Seyfferth

Es hat sich nichts geändert: Wer ein Interesse daran hat, dass Burmateak auch in Zukunft noch für den Bootsbau zur Verfügung steht, dem bleibt weiterhin nur das, was wir schon im Mai geschrieben haben: Über Alternativen zum Teak nachdenken und alle Versuche unterstützen, dass in Myanmar eine nachhaltige Forstwirtschaft aufgebaut und betrieben wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *