Neuer Segel-Kinofilm: Liebe, Schiffbruch, Drama – Die wahre Geschichte von Tami Oldham?

"Plötzlich sprach da diese Stimme"

Ein neuer Film zeichnet die Odyssee von Tami Oldham nach, die vor 35 Jahren auf einer Segelyacht in einen Hurrikan geriet. Sie verlor ihren Freund und trieb nach einem Mastbruch 41 Tage auf See bis sie unter Notrigg Hawaii erreichte.

“All is lost” mit Robert Redford mag vielen Seglern Kopfzerbrechen bereitet haben wegen der teilweise haarsträubenden fachlichen Fehler. Aber unter dem Strich wird das Schiffbruch-Drama in Hollywood als Erfolg gewertet.

Die Skipperin auf ihrer schwer gebeutelten Yacht. © STXfilms

Jedenfalls scheint es den Boden bereitet zu haben für die filmische Bearbeitung weiterer Segel-Themen. Immer mehr Filmemacher wagen sich auf das Wasser. Jüngstes Beispiel ist die Adaption der wahren Geschichte von Tami Oldham, die im Juni auf den internationalen Leinwänden erscheint.

Die Amerikanerin nahm im Oktober 1983 im Alter von 23 Jahren mit ihrem Freund Richard Sharp den Auftrag an, die 44-Fuß-Yacht “Hazana” von Tahiti nach San Diego zu überführen. Nach einer Woche auf See geraten sie in den Hurrikan Raymond mit 140 Knoten Wind in der Spitze.

Mit dem Sextant kommt die Havaristin doch noch auf Spur. © STXfilms

Eine riesige Welle, die laut Oldham dem Katastrophen-Film “Der Sturm” entsprungen sein könnte und nach späteren Berechnungen gut 12 Meter Höhe erreicht haben dürfte, bringt den Zweimaster zum Durchkentern. Ihr Freund hat sie zuvor unter Deck geschickt. Sie schlägt mit dem Kopf auf und ist 27 Stunden bewusstlos.

Als sie wieder zu sich kommt, ist der Sturm vorbeigezogen und Richard Sharp verschwunden. Die gerissene Lifeline hängt über Bord. Ebenso das Rigg. Der Motor funktioniert genauso wenig wie die Navigations- und Kommunikationsgeräte. Und Hawaii liegt gut 1500 Seemeilen entfernt.

Hauptdarstellerin Shailene Woodley übt das Segeln. © Woodley

Tami Oldhams Lebenswillen erlischt ob des Verlusts ihrer großen Liebe. Aber dann reißt sie sich zusammen, baut ein Notrigg aus dem Spinnakerbaum und der Sturmfock und navigiert per Sextant nach Hawaii. Sie überlebt mit rationiertem Dosenessen und Erdnussbutter. Nach 41 Tagen erreicht sie den Hafen von Hilo auf Big Island.

In einem Interview erzählt sie, wie sie die Kraft zum Überleben gefunden hat. “Ich war vorher kein besonders spiritueller Mensch. Aber diese Erfahrung hat mir beim Verständnis geholfen, dass es da eine übergeordnete Macht gibt, man nenne sie Gott, Universum oder was auch immer.”

Denn nach dem Unglück habe sie Tage lang untätig in ihrer Koje gelegen und nur gehofft, dass sie sterben würde. “Aber dann hat da plötzliche diese Stimme gesprochen.” Sie sei zu ihrem Alter-Ego geworden das ihr half, weiter zu machen, fokussiert zu bleiben und schließlich zu überleben. “Ich diskutierte und schimpfte mit ihr.”

Liebespaar in Nöten an Bord. © STXfilms

Erst 15 Jahre später verarbeitet sie die Erlebnisse in dem Buch “Red Sky in Mourning”, das jetzt die Basis für den Film darstellt. Oldham hat wieder geheiratet und lebt mit Mann und zwei Töchtern in San Juan Island bei Seattle. Erstaunlicherweise hat das Erlebnis ihre Liebe zur See nicht verändert. Sie arbeitete professionelle Kapitänin auf 100-Tonnern und segelt intensiv vor der US-Westküste.

Der Film folgt nicht exakt den realen Verhältnissen, denn nach dem Sturm gelingt es der Skipperin, ihre große Liebe aus dem Wasser zu fischen. Und so ist die Liebesgeschichte ein wichtiger Teil des Plots. Aber der Stoff verspricht jede Menge Spannung. Und die Segelaufnahmen sind nicht wie bei “All is Lost” im Titanic-Film-Wassertank entstanden, sondern nach fünfwöchiger Arbeit auf Hoher See. Das klingt vielversprechend.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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