Niedrige Pegelstände schränken die Schifffahrt ein

Kaum eine Handbreit Wasser unter dem Kiel

Trockenfallen können Sportschipper in diesem Jahr nicht nur in den Tidengewässern bei Ebbe. Die sinkenden Pegelstände auf vielen Seen und Flüssen behindern mittlerweile nicht nur die Frachtschifffahrt, auch die Freizeitschifffahrt wird stark eingeschränkt und ist teilweise schon ganz zum Erliegen gekommen. Denn im Gegensatz zur Nordsee kommt hier das Wasser nicht nach ein paar Stunden wieder zurück und ausreichender Niederschlag ist nicht in Sicht.

Nichts geht mehr auf dem Rhein. Niedrigwasser führt über weite Strecken zur Einstellung der Schifffahrt.
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Besonders betroffen sind Süd- und Westdeutschland und hier besonders der Rhein und der Bodensee. Aber auch an anderen Gewässern verschärft sich die Situation und selbst dort, wo aufgrund von Staustufen kein natürlicher Wasserabfluss stattfindet, muss z.T. mit Einschränkungen gerechnet werden.

Dramatische Situation auf dem Rhein

Gisbert König, Vizepräsident des DMYV und Präsident des Landesverbands Motorbootsport Rheinland-Pfalz schildert, dass sich die Situation je nach Revier aber unterschiedlich darstellt:“ Währen es auf der z.B. auf der Lahn oder auch der Mosel derzeit aufgrund der Staustufen noch keine Probleme gibt, ist es auf dem Rhein, z.B. bei Koblenz bedrohlich. In einigen Clubhäfen gerade in den Altrheinarmen können die Boote wegen fehlenden Wassers nicht mehr auslaufen.“ Als Beispiel wird unter anderem der Yachtclub Rheinlache genannt. König wusste unter anderem zu berichten, dass auch der traditionelle Sportbootkonvoi nach St. Goar anlässlich des Events „Rhein in Flammen“ in diesem Jahr wegen der schmalen Fahrrinne und des geringen Wasserstands abgesagt werden musste.  „Die Fahrrinne hat hier noch eine Maximaltiefe von ca. 1,5 Metern und ist deutlich schmaler als normal. Hier kommen gerade noch zwei Frachtschiffe aneinander vorbei und die fahren auch nur mit halber Beladung“, so König. Unterdessen hat auch die Rheinfähre Nierstein südlich von Mainz Presseberichten zufolge den Betrieb wegen Niedrigwassers einstellen müssen.

Auch bei Köln können Frachschiffe nur noch mit wenig Ladung passieren. Copyright (c) 2022 gerd-harder/Shutterstock.

Konvoischleusungen auf der Lahn

Selbst auf Flüssen, die durch Staustufen geschützt sind, müssen sich Wassersportler und Bootsfahrer auf Einschränkungen gefasst machen. So wusste der Präsident des Landesverbands RLP zu berichten, dass aufgrund einer Anordnung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Koblenz auf der Lahn nur noch im Konvoi geschleust wird und keine Einzelschleusungen mehr durchgeführt werden, um den Wasserverlust durch das Schleusen zu minimieren.

Baden-Württemberg fällt trocken

Da ist es kaum verwunderlich, dass auch der Präsident des Landesverbands Motorbootsport Baden-Württemberg Michael Martini die derzeitige Situation als unerfreulich beschreibt. Auf dem Untersee des Bodensees und am Westufer des Sees haben die Pegelstände mittlerweile die Negativ-Rekorde gebrochen, ganze Häfen sind ganz oder teilweise trockengefallen.

Nichts geht mehr am Untersee des Bodensees. Zahlreiche Häfen (Hier Horn) sind vollständig trockengefallen. Foto: Stefan Stolz

Auch am Rhein ist das Boot fahren in weiten Teilen kaum noch möglich. Das weiß Martini unter anderem aus eigener leidvoller Erfahrung: „Sehr problematisch ist es unterhalb der Schleuse Iffezheim. Das Problem ist zum Teil nicht mal die Fahrwassertiefe, die ist vielleicht noch ausreichend, aber an den Übergängen in die Altrheinarme und Baggerseen bilden sich Ablagerungen, so dass hier die Wassertiefe nicht mehr gegeben ist, oder es sogar schon ganz trockengefallen ist. Die Zufahrten der Häfen sind daher z.T. nicht mehr schiffbar“, so Martini.

Verkrautung als weiteres Problem

Die Situation im Hafen des MCK bei Rheinkilometer 412: Kaum Wasser im Hafen und das total verkrautet. Sportschifffahrt ist hier unmöglich. Foto: Michael Martini

Ein weiteres Problem, macht den Bootsbesatzungen aufgrund des niedrigen Wasserstands außerhalb der Fahrwasser und in den Häfen das Leben schwer: Die zunehmende Verkrautung durch Schlingpflanzen. Martini: „An manchen Stellen sieht es so aus, als müsse man da mal mit dem Rasenmäher drüber gehen. Ich musste in diesem Jahr bereits zwei Mal die Querstrahlruder meines Bootes freischneiden.“

Bayerns Flüsse weiterhin schiffbar

Entspannter stellt sich die Situation den Angaben des Präsidenten des Bayerischen Motoryachtverbands Klaus Weber derzeit noch in Bayern dar. Zwar sind auch hier die Pegelstände niedrig, am Ostufer des Bodensees ist es aber nicht ganz so dramatisch, da hier die Wassertiefen in den Häfen insgesamt größer sind, als am Westufer oder auf dem Untersee.

Auf der Donau sollten Sportschipper sich an das ausgetonnte Fahrwasser halten. Copyright (c) 2022 carolinewirthle/Shutterstock.

Auch auf dem durch Staustufen getrennten bayerischen Teil des Mains und auf der Donau läuft der Verkehr. Allerdings seine Sportbootfahrer beispielsweise auf der Donau angehalten, sich an die bezeichneten Fahrwasser zu halten, da auch hier der Pegelstand niedriger als normal ist, und abseits der Fahrwasser ggf. Untiefen lauern. Eine aktuelle „Wasserstandsmeldung“ im wahrsten Sinne kommt vom Schatzmeister des BMYV, der derzeit auf der Donau in Richtung Wien unterwegs ist: Auch auf dem österreichischen Teil der Donau wird der Sportbootverkehr nicht beeinträchtig.

Seen und Stauseen teilweise eingeschränkt

Auf den bayerischen Seen stellt sich die Situation differenziert dar. Dominik Entzminger, Geschäftsführer der Firma Boat-solutions am Ammersee sieht keine größeren Beeinträchtigungen für Boote mit geringem Tiefgang. Zwar sei der Pegel etwas niedriger als sonst, regelmäßige lokale Gewitter und Niederschläge entschärften die Situation aber.

Niedrige Pegel auch am Ammersee, Bootssport ist aber weiterhin möglich. Copyright (c) 2022 Julia Faerber Summer 23/Shutterstock.

Christoph Zander, Präsident des Segler-Verbands NRW und der H-Boot-Klassenvereinigung, ist gerade aus Bayern zurück und weiß aus Segler-Sicht zu berichten: „Der Starnberger See hat so wenig Wasser, dass es immer häufiger zu Grundberührungen im Hafen kommt und Schiffe deswegen ausgekrant werden müssen. Die Segelboote werden teilweise per Motorboot aus dem Hafen geschleppt, da sie aus eigener Kraft nicht durch den Schlick kommen. Die Bayerische Meisterschaft der H-Boote am 10. Und 11. September ist wegen des niedrigen Wasserstands gefährdet und die anschließende Deutsche Meisterschaft der H-Boote vom 16. bis 22. September ebenfalls“, so Zander.

Volle Stauseen in Nordrhein-Westfalen

Für Nordrhein-Westfalen ergibt sich ebenfalls ein gemischtes Bild. Zander: „An Segeln auf dem Rhein ist wegen des niedrigen Wasserstands nicht zu denken. Die Stauseen Möhnesee, Biggesee und Sorpesee sind hingegen voll. Hier kann ohne Einschränkungen gesegelt werden, da sie nicht abgelassen werden, um Flüsse schiffbar zu halten.“ Anders sieht die Situation am Edersee aus, dem flächenmäßig zweitgrößten Stausee und nach Volumen drittgrößten Stausee Deutschlands. Der See in Nordhessen ist nur noch zu rund 20 Prozent gefüllt, da sein Wasser zur Regulierung von Oberweser und Mittellandkanal dient. Hier ist der Wassersport weitestgehend zum Erliegen gekommen. Der Baldeneysee in Essen, Zanders Heimatrevier, ist seinen Aussagen zufolge auch ohne Probleme für Wassersportler nutzbar. Der größte der Ruhrstauseen führt ca. 15 Zentimeter weniger Wasser als sonst.

Trockenheit in Berlin und Brandenburg

Der Spree hingegen fehlt Wasser. Am Spreewaldausgang in Leibsch werden nur noch 0,79 Kubikmeter pro Sekunde gemessen – Tendenz fallend. Die Umgebung sei ausgedörrt und es gelange kein Wasser mehr in die Spree, meldet das Brandenburger Umweltministerium. Damit der Abfluss am Spreewaldausgang nicht vollständig zum Erliegen komme, werde seit Montag gegengesteuert. Viele Ausleitungen werden geschlossen oder stark eingeschränkt. Die Schleusen Krausnicker Strom und Groß Wasserburg sind außer Betrieb. In Berlin ist die Schleuse Spandau schon seit dem 13. August außer Betrieb, meldet Elwis. Durch die anhaltende Trockenheit im Einzugsgebiet der Havel sinke der Wasserstand in der Stauhaltung um etwa einen Zentimeter pro Tag.

Ein weiteres Absinken in dieser Größenordnung könne absehbar die Trinkwasserversorgung im Land Berlin beeinträchtigen. Die Verkehrsfunktion der Bundeswasserstraßen im Berliner Stadtgebiet bleibe trotz der Betriebseinstellung der Schleuse Spandau erhalten. Güterschiffe können die Verbindung Havel-Oder-Wasserstraße (HOW) – Untere Havel-Wasserstraße (UHW) über den Havelkanal befahren. Für Sportboote steht die Schleuse Plötzensee als kürzeste Umfahrung der Schleuse Spandau zur Verfügung. Der Berliner und Brandenburger Wassersport wird zudem durch die niedrigen Pegelstände der Oder beeinträchtigt. Bis Hohensaaten ist die Oder derzeit nicht mehr schiffbar. Der einzige Weg auf die Ostsee führt durch den Oder-Havel-Kanal. Wer dennoch auf dem Oder-Spree-Kanal unterwegs war, bekommt zudem die Auswirkungen des Fischsterbens auf der Oder zu spüren. “Um zu verhindern beziehungsweise zu begrenzen, dass Oderwasser in andere Gewässer fließt, wurden in Brandenburg alle Zuflüsse, Schleusen oder Entnahmestellen geschlossen, so die Alte Oder, der Zufluss zum Oder-Spree-Kanal und die Schleusen zur Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße in Schwedt sowie Hohensaaten und der Oder-Havel-Kanal,…”so das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg auf seiner Website. Die Maßnahme werde erst wieder aufgehoben, wenn die Ursachen für das Fischsterben geklärt und Gefahren ausgeschlossen werden könnten, meldete die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt laut RBB.

Elbe, Weser und Ems: Unterläufe schiffbar, Oberläufe eingeschränkt

Die Situation ist in Norddeutschland in Richtung der Küsten relativ entspannt. Die Oberläufe von Ems und Weser führen hingegen nur noch wenig Wasser und sind z.T. nicht mehr schiffbar. Auch am Unterlauf der Elbe und Trave läuft der Verkehr normal, im Oberlauf der Elbe oberhalb von Lauenburg behindern niedrige Wasserstände hingegen den Schiffsverkehr massiv und auch die Sportschifffahrt ist nur eingeschränkt möglich. Entsprechend sieht es weiter Elbe aufwärts aus, auch hier muss mit erheblichen Einschränkungen auch der Sportschifffahrt gerechnet werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf unserer Partnerseite www.motorbootonline.de. Segelreporter.com und Motorboot Online erscheinen beide innerhalb der Ebner Media Group.

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