Notfall: Einhandsegler verweigert Rettung – Lange Nacht für Seenotretter

Bloß nicht abschleppen

Ein französischer Einhandsegler ist im englischen Kanal in große Bedrängnis geraten. Aber er wollte sich von den britischen Rettern nicht helfen lassen.

Der französische Einhandsegler weist die britischen Retter ab. © RNLI

Bei der britischen Küstenwache gingen um vier Uhr nachts Berichte ein, dass sich eine Segelyacht ohne Navigationslichter und immer rauher werdenden Wetterbedingungen auf eine der weltweit stärksten frequentierten Schiffahrtsstraßen der Welt zu bewege. Offenbar scheine sich da eine ernste Gefahr für den Schiffsverkehr zu entwickeln.

Die RNLI Seenotrettungsstation in Eastbourne wurde alarmiert und Besatzung des ansässigen Rettungsbootes fing das Signal eines Schleppers auf, der die Yacht tatsächlich in der Nacht per Radar geortet hatte. Sie befand sich 15 Meilen vor der Küste und damit viel näher an der Gefahrenzone als gedacht.

Die Retter fanden schließlich eine zehn Meter Yacht mit zerfetztem Vorsegel, beschädigtem Großbaum und einer gut 100 Meter langen hinterhergeschleppten Leine, die kaum Fahrt machte. Am Steuer saß ein französischer Einhandskipper.

Eskorte durch die Nacht

Er war offenbar mehr als 100 Meilen vom Kurs abgetrieben worden. Eigentlich sei er auf dem Weg von Le Havre nach Cherbourg. Umso freudiger hätte die Begrüßung der RNLI-Besatzung sein sollen. Aber der Franzose war gar nicht gut auf die Rettungsbemühungen der Briten zu sprechen. Er lehnte es vehement ab, in Schlepptau genommen zu werden und bat nur darum, von der langen Leine befreit zu werden, die seine Fahrt verlangsamte.

Die Retter konnten aber auch nicht verantworten, den Havaristen in seiner prekären Lage alleine zu lassen. Also eskortierten sie ihn bis zum Tagesanbruch durch das Verkehrstrennungsgebiet, während die Küstenwache fortlaufend Warnungen über die Position des Hindernisses an die Schifffahrt funkte.

Am Rande der französischen Hoheitsgewässer wurde der Skipper schließlich alleine gelassen. Er traute es sich offenbar zu, sein Ziel aus eigener Kraft zu erreichen. Die Briten begannen eine raue Rückfahrt zu ihrer Station. Ihr Einsatz dauerte neun Stunden.
Warum der Franzose ihr Leiden durch einen schnellen Schlepp nicht verkürzt hat, ist nicht bekannt. Möglicherweise hat die Sprachbarriere zu Kommunikationsproblemen geführt. Der Skipper mochte befürchten, dass er für den Schlepp hätte bezahlen müssen, so wie es in Frankreich der Fall ist.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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