Ocean CleanUp: Erste Müllbarriere auf dem Weg zum „Great Pacific Garbage Patch“

Es geht zur Sache

Der charismatische Boyan Slat ist mit seinem Müllsammelprojekt den entscheidenden Schritt weiter gekommen – die Generalprobe im Pazifik ist bestanden. Jetzt wird – hoffentlich – Müll gesammelt! 

Am liebsten hätte man ihm zugerufen: „Mann, geht das nicht etwas schneller?“ Denn alle, die sich für das Müll-Sammel-Projekt des erst 24-jährigen Niederländers Boyan Slat von Beginn an brennend interessierten, kamen die fünf Jahre zwischen der ersten Vorstellung seiner Ideen bis zur heutigen Realisierung quälend lange vor. Nicht zuletzt, weil in der Zwischenzeit immer höhere Belastungen der Ozeane durch treibende Macro-, Micro- und Nanoplastikteile bekannt wurden. Und die mittlerweile in fast allen Weltmeeren beobachteten Müllstrudel stetig anwuchsen (SR-Berichte rund um Ocean CleanUp)

Später sollen die Barrieren noch länger werden © ocean cleanup

Doch es ist bekanntlich ein weiter Weg von der Idee bis zu deren Umsetzung – erst recht, wenn es sich um gigantomanische und manchmal etwas allzu ambitioniert anmutende Projekte handelt. Oder wie könnte man sonst ein Konstrukt bezeichnen, mit dessen Hilfe Millionen Tonnen Plastikmüll aus den Ozeanen gefischt werden sollen?

Auf zum Müll sammeln… endlich!

Im Laufe des letzten Jahres überschlugen sich aber förmlich die positiven Meldungen vom Bau der ersten Müllsammelbarriere in Originalgröße, die das Ocean CleanUp-Team rund um Boyan Slat im Pazifik aussetzen will. Vor einem Monat wurde sie in den Pazifik vor der kalifornischen Küste geschleppt, um eine Generalprobe unter Hochseebedingungen zu bestehen (SR-Bericht). Und seit gestern wird „System 001“ von einem Schlepper in Richtung „Großer Pazifischer Müllstrudel“ gezogen, wo es erstmals „im Brennpunkt“, also in der wohl größten Plastikmüllansammlung aller Sieben Meere ihren Job verrichten soll. Und der lautet: Müll sammeln! Endlich… 

Ocean CleanUp

Die Idee ist simpel: Die Barriere treibt langsamer als der Müll © ocean clean up

Die Techniker und Ingenieure des „System 001“ zeigten sich positiv davon überrascht, wie die Müllsammelbarriere auch in tagelang anhaltendem hohen Seegang ihre U-Form beibehielt (essentiell wichtig, da der Müll in diese Form hinein treiben und so gesammelt werden soll). Zudem wurden erfolgreiche Tests des automatischen AIS-Systems durchgeführt, womit die Schifffahrt vor den treibenden Barrieren gewarnt werden soll.

Nun schleppt die „Maersk Launcher“ die erste Müllbarriere in Richtung Großer Pazifischer Müllstrudel zwischen Hawaii und Kalifornien. Erst dort wird sich letztendlich zeigen, wie effizient und naturfreundlich die treibende Ocean CleanUp-Müllsammelbarriere arbeitet. Bleiben die Makro-Plastkteile tatsächlich im System hängen? Wird die Meeresfauna tatsächlich nicht in Mitleidenschaft gezogen? 

Ocean CleanUp

Das System wird in Stellung gebracht © ocean cleanup

Letztendlich wird der Fortbestand von Ocean CleanUp von den kommenden Monaten abhängen. Top oder Flop: Funktioniert das System, sollen bald schon weitere folgen – Boyan Slat hat mehrfach bekundet, dass er mit seiner Müllbarriere in nur wenigen Jahren mehr als 50 Prozent des Plastikmülls im Pazifik sammeln und an Land recyceln will. Geht das Ganze schief und nur wenig Müll wird so eingesammelt, dürfte das Projekt als solches wohl ad acta gelegt werden. 

Doch bleiben wir optimistisch und halten es mit den Worten des Boyan Slat: „Wir haben alle erdenklichen Szenarien durchgespielt – es muss klappen!“ 

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Michael Kunst

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