Ocean CleanUp: Zweiter, verbesserter Müllsammelschlauch – jetzt mit Bremsfallschirm

Plan B

Man muss es Boyan Slat lassen: Der niederländische Ozean-Reiniger gibt nicht auf! Nachdem der erste Schwimmschlauch den Müll zwar sammelte, aber gleich wieder in den Pazifik „entließ“, kommt nun System 01B zum Einsatz. Erklär-Videos.

Es ist vielleicht die spektakulärste Aktion beim Kampf gegen den Plastikmüll in den Meeren. Aber ist sie auch wirklich effizient?

Boyan Slat und sein Team sorgen mit ihrem Ocean CleanUp-System nun schon seit einigen Jahren für enorme internationale Medienaufmerksamkeit, millionenfachen Zuspruch in den Sozialen Netzwerken und nicht zuletzt auch für eine gewisse Läuterung bei (manchen) Politikern. Doch über einen ersten, allerdings gescheiterten „Testlauf“ ist Ocean CleanUp noch nicht hinaus gekommen.

Oder sollte man schreiben: Immerhin haben die enthusiastischen Ozean-Reiniger schon einen ersten Versuch hinter sich gebracht, bei dem sie enorm dazu gelernt haben? 

Die Meeres-Reiniger

Nichts anderes als die Säuberung des großen pazifischen Müllstrudels hat sich der junge, charismatische Niederländer vorgenommen. Und zwar mit einem in der Theorie denkbar simplen System: Riesige, U-förmig ausgerichtete Schläuche werden in den Weiten des Pazifik ausgelegt. Dort hinein soll der Makro-Plastikmüll treiben und sich ansammeln. Alle paar Wochen kommen dann Müllschiffe vorbei, die den Abfall abschöpfen und an Land bringen, wo er dann (hoffentlich) fachgerecht entsorgt oder gar wiederverwertet wird. 

Soweit zur Theorie. 

Ocean CleanUp, Plastikmüll, Meeresverschmutzung

Im Prinzip gleich, nur etwas langsamer in der Treibgeschwindigkeit: System 01/B © ocean cleanup

Bei komplexen, wenn nicht sogar monumentalen Aufgabenstellungen wie die deutliche Reduzierung des Plastikmülls in den Meeren (20 Millionen Tonnen werden allein im Pazifik vermutet) ist es jedoch verständlich, dass nicht alles gleich beim ersten Mal funktioniert. Auch dann nicht, wenn Boyan Slat seit Beginn seiner Kampagne von renommierten Wissenschaftlern, Forschungsinstituten, Umweltschutzorganisationen tatkräftig unterstützt und durch höchst erfolgreiches Crowdfunding finanziert wird. (Auswahl Ocean Clean-Up-Artikel auf SR).

Und dennoch war die Enttäuschung groß, als beim ersten groß angelegten Versuch vor Ort im pazifischen Müllstrudel das Ocean CleanUp-System 1 ausgerechnet die wichtigste aller Erwartungen nicht erfüllte: Im Schlauch sammelte sich zwar kurzfristig Plastikmüll an, doch dann trieb er munter weiter in die Weiten des Pazifiks.

An alles hatten die Ocean CleanUp-Teams gedacht: Wie man die Meeresfauna vor dem Barriereschlauch schützen kann, wie tief der Plastikmüll normalerweise treibt (nämlich knapp unter der Wasseroberfläche), welche Risiken für die Schifffahrt entstehen können und wie man diese vermeidet etc. Doch dass der Plastikmüll sich einfach wieder aus dem Schlauchsystem „befreit“ – das war so nun wirklich nicht vorgesehen (SR-Bericht)

Nachdem erste Änderungen vor Ort am Winkel des Schlauches keine nennenswerte Ergebnisse gebracht hatten, brach man im Herbst 2018 den Versuch mit System 01 ab. Um im Winter über neuen Ansätzen zu brüten.

Langsamer treiben mit Bremsfallschirm

Vier Monate tüftelten die Techniker und Wissenschaftler bei Ocean CleanUp. Prämisse: keep it simple. Heraus kam System 01 B, das im Prinzip gleich aufgebaut ist wie der Vorgänger, allerdings ein Anhängsel bekam: Einen Schirm, der vom treibenden Schlauch hinter sich hergezogen wird und ihn so deutlich langsamer macht. (siehe auch Video oben). 

Ocean CleanUp, Plastikmüll, Meeresverschmutzung

Hereinspaziert – aber bitte auch drinbleiben! © ocean cleanup

So soll verhindert werden, dass sich die U-Form des Schlauchsystems weiter öffnet. Der Plastik-Müll bleibt innerhalb des Systems, weil die Strömung stärker sein wird als der Schlauch (aufgrund des Bremsfallschirms) treibt. 

Soweit abermals zur Theorie. 

Wie das in der Praxis funktionieren wird, dürfte sich in den kommenden Wochen rausstellen. Derzeit zieht ein Schlepper im Auftrag von Ocean CleanUp einen Plan B-Prototypen erneut in den Pazifischen Müllstrudel. Ein Team von Wissenschaftlern und Technikern wird einige Zeit neben dem Müllsammel-System auf Hoher See verbringen, um seine Wirksamkeit überprüfen. Zudem wollen Meeresbiologen erneut überprüfen, inwieweit das Ocean CleanUp-System zum Beispiel mit Wal-Wanderrouten buchstäblich kollidieren kann. 

„Wir haben zwar bereits eine Menge gelernt,“ sagte Boyan Slat kürzlich in einem Interview. „Aber irgendwie ahne ich, dass noch einige wichtige Erfahrungen auf uns warten!“ 

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Michael Kunst

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