Olympia-Comeback: Robert Scheidt versucht es noch einmal im Laser – Mit 45

Alter spielt keine Rolle

Im Oktober 2017 hatte Robert Scheidt seinen Rücktritt vom olympischen Segeln verkündet. Nun tritt die brasilianische Segel-Legende doch noch einmal an.

Scheidt bei seinem Comeback-WM-Sieg im Oman © Sailing Energy/World Sailing

“Und los geht ‘s! Noch eine olympische Herausforderung.” So kündigt Robert Scheidt seinen Rücktritt vom Rücktritt an. Der Brasilianer gibt im für olympische Lasersegler biblischen Alter von 45 Jahren noch einmal Gas, um in Japan um die wirklich wichtigen Medaillen segeln zu können.

Es ist etwas mehr als ein Jahr her, dass er seinen Abschied bekannt gab mit den Worten: “Ich fühle mich nicht mehr wettbewerbsfähig.” Nun sagt “Ich fühle mich immer noch wettbewerbsfähig und liebe das Segeln.” Wie ist das möglich?

Robert Scheidt

Robert Scheidt und Gabriel Borges bei der WM 2017. © 49er Worlds

Der Unterschied ist die Klasse, auf die er seinen Fokus gelegt hat. Nach seinem vielbeachteten Laser-Comeback für die Heimspiele in Rio hatte Scheidt noch einmal etwas Neues versuchen wollen und einen Umstieg in den 49er probiert. Er trainierte viel, startete vielversprechend im März 2017 beim ersten wichtigen internationalen Outing in Palma als 11. brach die Kampagne nach dem enttäuschenden 40. WM-Platz aber frustriert ab.

“Das ist die schwierigste Entscheidung, die ich je treffen musste. Ich habe seit 25 Jahren auf höchstem Niveau Wettkämpfe betrieben. Aber ich müsste in den nächsten zwei Jahren zu viel Zeit für das Training aufbringen. Zwei Dinge waren mir immer wichtig: Spaß haben und wettbewerbsfähig sein. Im Moment bin ich das allerdings nicht.”

Rücktritt von der 49er Kampagne

Die Idee mit dem 49er war gut. Die Physis des Steuermanns und damit Scheidts Alter sollte sich nicht so sehr als Nachteil auswirken. Schließlich musste er nicht mehr ausreiten, sondern hing am Trapezdraht. Aber schließlich gestand er ein: “Es ist falsch, dass der 49er körperlich geringere Ansprüche als der Laser erfordert. Sie sind einfach nur anders.” Die Belastung sei nicht so isometrisch mit dauerhafter Anspannung beim Ausreiten, sondern dynamischer und sehr auf die Beinkraft ausgerichtet.

Robert Scheidt war in Rio fit und reif für die nächste Medaille. Es wurde Platz vier. © Sailing Energy/World Sailing

Der Spagat zwischen Laser und dem Gennaker-Gleiter war dann selbst für einen Ausnahmesegler wie den Brasilianer zu groß, als dass er ihn bewältigen konnte. Insofern bezog sich der Rücktritt 2017 auf die Skiff-Klasse.

Aber er hatte zuvor auch eine weitere Laser-Kampagne schon früh ausgeschlossen. Platz vier in Rio war zwar nicht die Erfüllung seiner Träume, aber durchaus ein Erfolg. Sensationell wurde er nach seinem Laser-Comeback 2013 zum neunten Mal Weltmeister, und vor dem Zuckerhut scheiterte er nur um vier Punkte an einer Medaille. Eine Plastiktüte am Schwert hatte ihn das Edelmetall gekostet.

Die Stimme wurde lauter

Nun will er es also doch noch einmal wissen. Etwas mehr als ein Jahr nach der Ankündigung seines Ausscheidens aus dem olympischen Segelsport startet Robert Scheidt im Alter von 45 Jahren eine neue Olympia-Kampagne für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio, Japan. Der Gewinner von fünf Olympiamedaillen, darunter zwei Goldmedaillen, will seine siebten Spiele bestreiten.

“Als ich 2018 am Gardasee mit einigen internationalen Seglern auf dem Laser trainierte, konnte ich gut mithalten und fühlte viel Energie”, erklärt Scheidt seinen neuen Schritt. “Ich begann zu überlegen, dass vielleicht doch noch die Möglichkeit besteht, einen weiteren olympischen Zyklus zu absolvieren. Dann segelte ich die brasilianische Meisterschaft und wurde Zweiter. Das motivierte mich, die wahrscheinlich letzte Olympia-Chance wahrzunehmen. Die Stimme, dieses Ziel zu erreichen, wurde immer lauter.”

Aber der Segel-Promi, der mit seiner Frau Gintare (Olympia Laser-Radial-Silber 2008 für Litauen) und den beiden Kindern am Gardasee lebt, backt erst einmal kleine Brötchen.

Bloß nicht verletzen

“Das erste Ziel ist die Nationen-Qualifikation Brasiliens für die Olympischen Spielen. Das ist jetzt mein Fokus. Heute denke ich nicht an Tokio. Ich denke nur daran, in Form zu kommen, um mich zu qualifizieren.” Die Konkurrenz im eigenen Land ist überschaubar. Bruno Fontes, der beste Brasilianer, segelte bei der vergangenen WM auf Rang 30. 

Rio Olympics

Robert Scheidt, der brasilianische Superstar und Altmeister im Laser. © Renedo/ISAF

Seinen ersten internationalen Auftritt will Scheidt bei der Princess Sofia Trophy Ende März feiern. Im April geht es zum Weltcup nach Hyères, Anfang Juli startet schon die WM in Japan. Scheidt ist spät dran mit seiner Vorbereitung. Aber es geht für ihn weniger um die technische als die körperliche Entwicklung.

Er müsse aufpassen, sich nicht zu verletzen. “Ich werde sehr vorsichtig mit dem Umfang des Trainings sein, mehr Qualität als Quantität anstreben und die längeren Regenerationszeiten respektieren.”

Mit 47 bei Olympia?

2020 wird er 47 Jahre alt sein, und gegen halb so alte Konkurrenten antreten. Das muss beim Segeln kein Problem sein, aber in einer physisch so anspruchsvollen Klasse wie dem Laser wäre es ein echtes Wunder, wenn dieser Coup gelingt. Wenn der Körper tatsächlich mitmacht, kann Scheidt natürlich auf seine Erfahrung vertrauen. “Eine olympische Kampagne ist mit viel Druck verbunden. Und das durchgemacht zu haben, ist ein Faktor, der mir helfen wird.”

Für Robert Scheidt geht es aber auch darum, seinen Job zu machen. Er ist Profi-Segler. Und mit seinem Superstar-Image in Brasilien war es immer relativ einfach für ihn, eine Olympia-Kampagne mit Sponsoren zu finanzieren. Davon lebt er und ernährt seine Familie.

Andere Segelprofis taten nach olympischen Karrieren den logischen Schritt in die Kielboot-Szene. Scheidt zeigte auch mit seinen Starboot-Erfolgen, dass er das kann. Aber seine Ausflüge in die America’s Cup-Welt waren nie so richtig erfolgreich.

Er segelt inzwischen auch in der 52SuperSeries als Taktiker auf “Onda” mit dem zweifachen brasilianischen Olympiateilnehmer Eduardo de Souza Ramos. Aber die erste Saison 2018 verlief auf Platz neun von zehn Booten auch noch nicht so, dass sie die Ansprüche eines Robert Scheidts erfüllen könnten. Nun versucht er es auf die im bekannte Weise. Ein Erfolg würde ihn auf ein nie bestiegenes, neues Podest heben.

 

Größte Erfolge von Robert Scheidt

Olympische Goldmedaille – 1996 und 2004
Olympische Silbermedaille – 2000 und 2008
Olympische Bronzemedaille – 2012
9 Laser-Weltmeisterschaft-Titel – 1995, 1996, 1997, 2000, 2001, 2002, 2004, 2005 und 2013
Starboot-Weltmeister 2007 und 2011 gemeinsam mit Bruno Prada

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Olympia-Comeback: Robert Scheidt versucht es noch einmal im Laser – Mit 45“

  1. avatar ballbreaker sagt:

    @Carsten:
    Was ist denn mit Deiner Laser-Stimme? 2020 Tokio! Gogogo XD

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