Orcas: 12-m-Yacht 90 Seemeilen vor Bretagne attackiert – verlagern die Rowdys ihre Angriffe?

Von Mama und Papa lernen

Die Yacht eines schwedischen Seglers und seiner Tochter wird eine endlose Viertelstunde lang von Orcas malträtiert: Ruderblatt zum Großteil abgebissen. Erweitern die Orca-Rowdys ihr Aktionsgebiet?

Orcas sind gesellige Tiere und bekannt dafür, neben Booten herzuschwimmen. © NOAA on Unsplash

Eigentlich wollte der Norweger Rolf Storkson den ersten Teil seiner Atlantiküberquerung möglichst rasch, ohne allzuviele Zwischenstopps abhaken. Einmal im Atlantik wollte der Rentner, der mit seiner erwachsenen Tochter Kristina unterwegs ist, gleich runter Richtung Kanarische Inseln, ohne sich allzu sehr um die französischen, spanischen oder portugiesischen Küsten zu kümmern: Hauptsache schnell Richtung Süden..
Heute liegt seine 12-Meter-Yacht im französischen Brest an Land und wartet darauf, dass ein völlig zerstörtes Ruderblatt repariert wird.
Dazwischen ereignete sich ein etwa 15 Minuten andauernder Orca-Angriff auf das Boot der Storksons etwa 90 Seemeilen auf Höhe des westlichsten französischen Zipfels Finistère.

Häufig in der Biskaya und vor der Bretagne

Die ganz offensichtlich gezielte Attacke durch fünf Orcas ist nicht die erste in dieser Region. So hat etwa die „Cruising Association“ und die Grupo Trabajo Orca Atlantica“ eine interaktive Seekarte eingerichtet, auf der (ihnen gemeldete) Orca-Angriffe mit den jeweiligen Status-Berichten versehen eingetragen sind. Auffallend: die Tiere sind mittlerweile durchaus häufig in der Biskaya und in den Seegebieten der nördlichen Bretagne zu beobachten, wenn auch noch eher selten dort aktiv. Bislang wurden allein vor der bretonischen Küste fünf Orca-Angriffe auf Segelboote gemeldet. Bei allen Begegnungen dieser Art wurde den Seglern durch schwere Beschädigungen an ihren Booten klargemacht, dass sie in den Gebieten unerwünscht sind.

Storkson an Bord seiner 12-Meter-Yacht © storkson

Der Norweger Storkson berichtet gegenüber bretonischen Tageszeitungen von seinem Abenteuer:

„Es war frühmorgens. Der Autopilot war eingeschaltet, die See war ruhig, ich entspannte mich gerade ein wenig bei einer Tasse Kaffee als sich plötzlich das Steuerrad um 180 Grad drehte. Zuerst dachte ich, dass ich auf Treibholz oder so gestoßen sei, hatte aber keinen Schlag am Rumpf gehört. Dann drehte sich das Steuerrad um 180 Grad zurück in die andere Richtung. Ich hatte noch kurz überlegt, was für eine enorme Energie wohl nötig sei, um „gegen“ den Autopiloten solche extremen und schnellen Ruderbewegungen auszuführen. Als das sich das Steuerrad schließlich ein drittes Mal zurückschnellte, war klar: Am Ruderblatt knabbern gerade Orcas!“

Zusätzlich gereizt?

Kaum zu Ende gedacht, hörte er auch schon die typischen Blasgeräusche der auftauchenden Säugetiere. Fünf Orcas umkreisten die Yacht des Norwegers, vier erwachsene Tiere, ein Kalb. Der Norweger hatte sich derartige Szenerien vor der Abreise mehrfach ausgemalt, doch dass ihm so etwas tatsächlich passieren würde? Reflexartig schaltete Storkson die Sonar-Anlage aus, da mittlerweile angenommen wird, dass die Schallwellen die Tiere noch zusätzlich reizen. Die Orcas griffen die Yacht und speziell das Ruderblatt abwechselnd an. Stockson habe das Gefühl gehabt, dass die älteren Tiere dem jungen beibringen wollten, wie man eine Yacht fein säuberlich manövrierunfähig macht.

Storkson und seine Tochter sind einerseits fasziniert von dem Schauspiel, dass ihnen geboten wurde. Andererseits berichteten sie später, echte Angst gehabt zu haben. Eine Viertelstunde dauerte der Angriff, dann verschwanden die Orcas plötzlich. Eine weitere Stunde lang trauten sich die beiden nicht, die Yacht auf Schäden zu untersuchen. Dann kamen sie auf die Idee, statt zu tauchen ihre wasserdichte Video-Kamera an eine Stange zu befestigen. Damit filmten sie von Bord aus das Ruderblatt mit fatalem Ergebnis: der größte Teil des Blattes war abgebissen, was noch übrig war reichte gerade noch, um das Boot bei ruhigem Wetter notdürftig zu steuern.

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Michael Kunst

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