Ostsee: Buckelwale haben in der Ostsee überwintert. Bleiben sie hier?

Sanfte Riesen

Schon die Sichtung von Walen in der Ostsee im vergangenen Jahr war eine Sensation. Nun haben sie hierzulande sogar überwintert. Wie muss man sich in ihrer Nähe verhalten?

Legendärer Wal-Schnappschuss: 2010 springt vor Kapstadt ein Buckelwal auf eine Yacht. © Cape Town Sailing Academy

Legendärer Wal-Schnappschuss: 2010 springt vor Kapstadt ein Buckelwal auf eine Yacht. © Cape Town Sailing Academy

Am Anfang klang es wie eine Sommerloch-Geschichte, als Mitte Juli plötzlich ein Buckelwal mit seinem Kalb in der Ostsee vor dem dänischen Falshöft gesichtet wurde. Aber einen Monat später fotografierte die Bundespolizei aus dem Hubschrauber auch einen Säuger vor der deutschen Ostsee-Küste bei Prerow.

Nun berichten mehrere Medien, dass beide Wale sogar in der Ostsee überwintert haben und immer noch vor Ort sind. Allerdings haben sich die beiden getrennt. Die Mutter wurde zwischen Schweden und Finnland beobachtet. Das Jungtier schwamm im Februar durch den Öresund.

Ordentlich Futter in Ostsee

Es besteht die Möglichkeit, dass sich die Buckelwale noch länger in der Ostsee aufhalten. Da es in diesem Winter kaum Eis gab, konnten sie sich auch gut von Sprotten und Heringen ernähren. Ob sich das unter den Säugern herumspricht?

Buckelwal, Ostsee

Buckelwal vor Prerow. © Bundespolizei

Für die Ostseesegler wäre es eine neue Attraktion. Statt auf eine Begegnung mit den trägen Schweinswalen zu hoffen wäre so ein 30 Tonner, der bis zu 15 Meter lang werden kann, schon ein echter Höhepunkt.

Allerdings sind die majestätischen Tiere auch mit Vorsicht zu genießen. Immer mal wieder kommt es zum Kontakt mit Seglern. 2010 vor Kapstadt sprang ein Buckelwal auf eine Yacht und brach ihren Mast.

Ein Jahr später versenkte ein Säuger einen Cruiser vor Alaska. Im Oktober 2011 schnappte sich ein Exemplar die Ankerleine eines Fahrtenschiffes und schleppte es eine Viertelstunde raus auf See.

“Moby Dick” rammte die “Essex”

Muss man vor den sanften Riesen Angst haben? Meeresbiologen glauben das nicht. Die unkontrollierten Sprünge, von denen man noch nicht weiß, welchen Zweck sie haben, seien keine bewussten Angriffe. Es handele sich vielmehr um ein natürliches Spielverhalten von Jungtieren.

Wenn Wale angreifen, dann würden sie eine Yacht eher rammen. So wie es 1820 der Pottwal mit dem Walfänger “Essex” machte. Der Autor Herman Melville ließ sich durch den Vorfall zum Schreiben des berühmten Buches “Moby Dick” inspirieren.

Es ist bekannt, dass ein Abstand von 300 Metern eingehalten werden sollte. Eine größere Nähe mag ein Wal dann doch als Bedrohung auffassen. Er könnte auf die Idee kommen, sein Territorium verteidigen zu müssen.

2013 kam es zu einem Vorfall mit einem Buckelwal vor der mexikanischen Küste. Dabei kollidierte ein Fischerboot mit dem Wal und kenterte fast. Offenbar handelte es sich aber nicht um eine aktive Aktion des Tieres.

Angst muss man also wohl nicht haben, wenn man einen gewissen Abstand zu den Meeressäugern einhält. Und die Chance, beim nächsten Anleger über Bord zu gehen, dürfte wohl ungleich größer sein, als von einem Wal über den Haufen geschwommen zu werden. Vielmehr würde eine Begegnung in der Ostsee wohl als absoluter Höhepunkt in die persönliche Segel-Historie eingehen. Mal sehen, was die Saison noch alles so bringt.

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Ostsee: Buckelwale haben in der Ostsee überwintert. Bleiben sie hier?“

  1. avatar Helmut sagt:

    Moin Carsten,
    der legendäre Schnappschuss zeigt einen Südkaper (Eubalaena australis) – keinen Buckelwal.

    sl helmut

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