Piraten vor Spanien: Bewertung des Angriffs auf deutsche Yacht

Attacke von Piraten?

Anfang vergangener Woche ist es vor dem spanischen Cadiz zu einem Angriff auf eine deutsche Yacht gekommen. Die Vereinigung Foro Naval berichtet über die mutmaßlichen Hintergründe.

Gibt es jetzt wieder Piraten an der Küste von Spanien? Ein Vorfall in den Gewässern um Cadiz bei der Straße von Gibraltar lässt das vermuten. Die deutsche Lagoon 42 “Marianne” war am 14. September von unbekannten, maskierten Personen attackiert worden, die sich auf zwei stark motorisierten Schlauchbooten näherten.

Der Ort des Überfalls auf “Marianne”. © MarineTraffic

Die spanische Vereinigung Foro Naval berichtet, dass den Angreifern in der hohen Welle aber das Übersteigen auf den mit Höchstgeschwindigkeit unter Motor fahrenden Katamaran nicht gelungen sei. Der schnell abgesetzte Funk-Notruf der deutschen Crew habe schließlich abschreckend gewirkt.

Wenige Augenblicke später traf ein Hubschrauber der Zollüberwachungsbehörde (SVA) ein. Er flog tief über den Schlauchbooten und zwang sie zur Flucht. Die RIBs verließen die spanischen Gewässer mit hoher Geschwindigkeit in Richtung marokkanischer Küste.

Ein Hubschrauber der Zollüberwachung übt die Jagd auf ein RIB in der Straße von Gibraltar. © SVA

Nun stellt sich die Frage, was hinter dieser Attacke stecken könnte. Ging es den Angreifern darum, Geisel zu nehmen wie bei den Überfällen somalischer Piraten am Horn von Afrika? 

Drogenhändler überrascht

Foro Naval hat nach eigenen Angaben Vertreter der spanischen Sicherheitskäfte nach ihren Einschätzungen gefragt. Demnach glauben diese, dass es sich nicht um ein sich ausweitendes neues Piratenproblem an einer europäischen Küste handelt. Vielmehr soll “Marianne” zufällig in eine geplante Drogenübergabe geplatzt sein.

Die Spezialisten glauben, dass die Besatzungen der beiden Schlauchboote in dem Gebiet auf ein Schiff warteten, das eine Ladung Drogen transportiert. Es passiere häufig, dass von solchen Schiffe die Rauschmittel auf die kleineren RIBs umgeladen und diese dann von ihnen and der spanischen Küste verteilt werden.

Zu dieser Erklärung passe es auch, dass keine Schusswaffen zur Einschüchterung der Segler gezeigt worden seien. Die Attacken hätten wohl eher dazu gedient, mögliche Zeugen der Übergabe zu vertreiben. Das erklärt allerdings nicht, warum die Angreifer offenbar versucht haben, den Katamaran zu entern.

Der Drogenhandel jedenfalls sei im Gebiet der Straße von Gibraltar ein großes und bekanntes Problem. Aber es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Beteiligten sich nun als Nebenerwerb in der Piraterie engagieren. Umso mehr weil sowohl Marokko, Spanien als auch Gibraltar ein großes Interesse daran hat, dass Touristen nicht abgeschreckt werden. Sie würden einem möglichen neuen Piratenpoblem nicht tatenlos zusehen glaubt man bei Foro Naval. Das wissen auch die Kriminellen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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