Plastik-Müll: Oldenburger Forscher helfen mit Infrarot-System – Ocean CleanUp hat Probleme

Müll treibt (noch) schneller

ICBM Oldenburg unterstützt Ocean CleanUp mit Infrarot-Sensoren für die Müll-Ortung aus der Höhe, später auch aus dem All. Und Boyan Slat lernt vor dem Wind zu „segeln“.  

Der Kampf gegen den Plastikmüll in den Meeren avancierte im Laufe der letzten Jahre zu einem der international meistbeachteten Umweltthemen. Auf der ganzen Welt, vor allem aber in den Küstenregionen, wurden Initiativen zum Schutz der Meere gegründet, Meeresanrainer-Staaten investieren in Forschungsprojekte, die Öffentlichkeit zeigt sich immer häufiger sensibilisiert.

Längst wird nicht mehr „nur“ der Müll von den Stränden aufgesammelt, sondern versucht, auch das Übel bei der Wurzel zu packen. Zumindest in Ansätzen gibt es Hoffnung, die sinnbildliche Plastikflut durch Verzicht oder sorgfältigeren Umgang vor allem mit Plastikverpackungen einzudämmen. Zwar ist man noch weit, sehr weit von spür- und messbaren, positiven Auswirkungen dieser Bemühungen entfernt und dennoch: Erste Schritte sind getan, die Maschinerie läuft an… wenn auch zäh. (SR-Berichte).

Plastikmüll, Ocean CleanUp, ICBM Oldenburg

Gruseliges Plastik © ocean cleanup

Mittendrin im Thema: Der Niederländer Boyan Slat und sein Ocean CleanUp-Team. Mit ihren schwimmenden Müllbarrieren, die auf hoher See in den berüchtigten Müllstrudeln vor allem Plastikteile auffangen sollen, zeigen sie nicht nur modernen Innovationsgeist, sondern motivierten seit der Entstehung von Ocean Clean-Up im Jahr 2013 auch andere Forschungsteams, sich im Kampf gegen Plastikmüll in den Meeren zu engagieren. Einige dieser externen Forschungsprojekte wurden schließlich bei Ocean CleanUp integriert. 

Plastikmüll mit Satelliten orten

So unterstützen seit Kurzem auch Forscher vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg das Ocean CleanUp-Team mit einer spannenden Erkenntnis. Das Forscherteam um Dr. Shungudzemwoyo Garaba berichtete kürzlich in der Zeitschrift Environmental Science & Technology, dass sich Plastik anhand bestimmter charakteristischer Eigenschaften des reflektierten, infraroten Lichtes eindeutig identifizieren lässt. 

Plastikmüll, Ocean CleanUp, ICBM Oldenburg

Segnet hier die Natur Ocean CleanUp? © ocean cleanup

Zuvor war Ocean CleanUp bei mehreren „Aufklärungsflügen“ mit einer Hercules Lokheed C 130 über dem pazifischen Müllstrudel bei der Auswertung der im Flug genommenen Daten an gewisse Grenzen gestoßen. Auf Fotografien und Filmmaterial, die mit optischen Kameras aufgenommen wurden, waren später in der Auswertung zwar größere Plastikteile oder etwa treibende Plastik-Fischernetze meist gut auszumachen, bei kleineren Teilen gab es jedoch häufig Probleme mit der Identifikation. So wurden etwa grüne Plastikteilchen mit Algen verwechselt, weißer, meist größerer Plastikmüll mit der Gischt von Wellenkämmen. 

Doch das Ocean CleanUp-Team hatte auch eine Infrarot-Kamera an Bord der „Hercules“ installiert, deren Daten später von den Oldenburger ICBM-Forschern analysiert wurden. 

Dabei wurde deutlich, dass sich das infrarote Licht, welches von schwimmenden Plastikpartikeln zurückgeworfen wird, deutlich von anderen Reflexionen unterscheidet. Garuba und sein Team untersuchten Signale von 150 größeren Plastikteilen wie etwa Geisternetze, Rettungsringe, Plastikboxen, Seile etc. Es stellte sich heraus, dass sich Plastikmüll im Wasser so nicht nur gut identifizieren lässt, sondern sogar nachgewiesen werden kann, um welche Sorten Plastikmüll es sich handelt. 

Garuba, der Ocean CleanUp speziell bei der „Fernerkundung“ berät, sieht nach diesen Studienergebnissen gute Chancen, dass z.B. eine Software entwickelt wird, die Plastikmüll von Satelliten aus identifizieren orten kann. Was wiederum die Lösung für ein elementares Problem bei Ocean CleanUp wäre. Denn wo genau sich in den Weiten der Ozeane (auch in den Müllstrudeln) der Müll „häuft“ und somit effizient abgeschöpft werden könnte, war bislang nur schwer auszumachen. 

Plastik treibt (noch) schneller

Doch Boyan Slat und sein Ocean CleanUp-Team drücken derzeit andere Sorgen. Nachdem sie ihre erste Müllbarriere in den Weiten des Pazifiks, mehr oder weniger „mitten“ im Pazifischen Müllstrudel ausgebracht hatten (SR-Bericht), beobachteten mehrere Forscherteams die Effizienz der Barriere, sammelten vier Wochen lang Daten und studierten das „Verhalten“ des aufgefangenen Plastikmülls.

Das ernüchternde Ergebnis: Die Plastikteile verbleiben größtenteils NICHT innerhalb der U-förmigen Barriere, sondern treiben nach einiger Zeit wieder hinaus. 

Als Grund hierfür sieht das OceanCleanUp-Team vor allem die offenbar zu langsame Treib-Geschwindigkeit der Müllbarriere. Denn die Grundidee war ja, dass die Barriere vor dem Wind und Strom sozusagen von hinten auf den Plastikmüll auftreibt und diesen dann einsammelt. Hierzu muss die Barriere aber logischerweise schneller treiben, als die Plastikteile. 

Plastikmüll, Ocean CleanUp, ICBM Oldenburg

Mehr Angriffsfläche und schon “segelt” es sich schneller! © ocean clean up

Logische erste Konsequenz aus dieser Erkenntnis: Das Ocean CleanUp-Team vergrößert den Winkel bzw. die Spannweite des „U“, um dem Wind mehr Angriffsfläche zu bieten. (siehe Zeichnung). Im Prinzip ähnlich wie ein Segler, der vor dem Wind das Großsegel weiter öffnet, um schneller zu werden.

Boyan Slat gibt sich gelassen: „Wir wussten, dass nicht alles auf Anhieb funktionieren kann da draußen. Interessanterweise hatten wir genau diese Situation auf dem Computer und im Wasserbecken am Prototypen durchgespielt und den bislang eingesetzten Winkel der U-Öffnung errechnet. Die Realität belehrt uns nun eines Besseren. Was mich persönlich jedoch wirklich freut: Wir haben kein einziges Tier in der Müllbarriere gefunden oder beobachten können, dass große Fische, Wale oder Schildkröten hier Probleme haben! Für alles andere lassen sich Lösungen finden – versprochen!“ 

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Michael Kunst

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