Porträt: Michael Walther

Extremsportler und Umweltaktivist

Michael Walther ist ein wahrer Tausendsassa, der immer wieder mit spektakulären Aktionen auf dem Wasser von sich und seinen Projekten Rede macht und dem besonders der Umweltschutz am Herzen liegt.

Die Bilder von Michael Walthers SUP-Tour in Grönland gingen 2018 um die Welt. Foto: Daniell Bohnhof

Vier Grad Wasser- und drei Grad Celisus Lufttemperatur. Der 30-Fuß-Trimaran verlässt den Hafen von Klaipeda, hinaus in die Dunkelheit. Plötzlich bohrt sich der Leerumpf in eine Welle. Michael Walther und sein Mitsegler rutschen durch das plötzliche, brachiale Stoppen nach vorne. Walther kann gerade noch die Schot aus der Klemme schlagen, woraufhin sich der Tri nach einer gefühlten Ewigkeit wieder aufrichtet. Diese Situation hat sich im Jahr 2009 ereignet und ist eine der beängstigendsten Erlebnisse, die Michael Walther auf dem Wasser bisher erlebt hat – und er hat viel erlebt. 

Michael Walther im Portrait. Foto: Tom Körber

Geboren wurde er 1981 im friesländischen Varel. Mit zwei Jahren ging es auf die Insel Norderney, wo sein Vater eine Stelle als Arzt antrat. Die Zeit auf der Nordseeinsel hinterließ Spuren, auch seglerisch „Da ich meinem älteren Bruder natürlich alles nachmachen musste, habe ich dann dort mit sechs Jahren mit dem Optisegeln begonnen, bin dann auf einen Laser umgestiegen und als es mir mit der Tidenströmung und den Sandbänken zu nervig wurde habe ich mit dem Katamaransegeln begonnen. Für das Wattenmeer war der Hobie 16 natürlich perfekt geeignet. Damit sind wir manchmal sogar zur Schule ans Festland gesegelt. Das waren Zeiten!“, sagt Michael Walther.

Von Kiel in die Welt

Nach dem Abitur zieht es ihn nach Kiel, um dort zu studieren. Während des Jura-Studiums intensiviert sich die Segelei. Der Umstieg auf den Hobie Tiger (F18) folgt schnell, da Michael und sein Bruder Thomas Walther inzwischen für den kleinen Hobie 16 zu schwer sind. „Damit waren wir dann ganz erfolgreich“, sagt Walther und meint damit wohl seine drei Titel bei Deutschen Meisterschaften. In dieser Zeit entstehen auch die Ideen für erste größere Projekte. Von Segellegende Sir Pete Goss wird 2007 ein bei Marström in Schweden gebauter Seacart 30 Trimaran „Playing for Success“ übernommen und von Plymouth nach Kiel überführt. 2008 gründet Walther dann gemeinsam mit Thomas Reinke das Projekt Zero Emissions und wird zum segelnden Umweltschutzaktivisten. Mit dem Seacart 30 startet in Kiel die „Zero Emissions – Baltic Challenge“. Das Ziel: Sämtliche Ostseeanrainer-Staaten unter Segeln zu besuchen und die Menschen für verschiedene Umweltthemen zu begeistern. Nach mehr als 2.000 Seemeilen und Anläufen in Danzig, Klaipeda, Riga, Talinn, St. Petersburg, Helsinki und Stockholm endet die Tour schließlich sturmbedingt, kurz vor Weihnachten, auf der schwedischen Insel Öland. Auch die eingangs geschilderte Situation spielt sich auf „Playing for Success“ ab.

2016 trat Walther mit dem A-Cat zu einem öffentlichkeitswirksamen Rennen gegen eine Fähre an. Foto: Tom Körber

Der Fokus verschiebt sich

Das mit der Segelei entwickelt sich immer weiter: „Eh ich mich versah, saß ich mit den Mittelmeier Jungs, Gunnar Struckmann und Roland Gäbler auf dem Extreme 40 und habe an der Extreme Sailing Series teilgenommen.“ Um während des Jura-Studiums über die Runden zu kommen verdient Walther abseits der Regattabahnen Geld – allerdings auch an Bord von Segelyachten. Yachtüberführungen heißt das Stichwort. Boote wie die damalige „Outsider“, eine Elliott 52 SuperSport, die DK46 „Tutima“ oder auch die Marten 49 „Moana“ werden überführt, genau wie Boote für die Hanse-Werft. „Neben den Überführungen habe ich dann immer auch weiter Regatten gesegelt oder andere dabei unterstützt. Zuletzt Boris Herrmann mit dem GC32 „Malizia“. Es war mir eine große Ehre da mal die Pinne zu übernehmen, wenn Not am Mann war. Aber natürlich bestand meine Arbeit da hauptsächlich aus Service, Logistik oder Pressearbeit.“, sagt Walther. Nach dem erfolgreich abgelegten ersten Staatsexamen trifft Michael Walther dann eine Entscheidung: Er möchte später nicht als Jurist arbeiten. „Daraufhin ist meine Motivation so eingebrochen, dass ich das zweite Examen nicht mehr gemacht und mich stattdessen für einen Weg im Wassersport entschieden habe. Ich habe den Schritt nie bereut, auch wenn ich als Jurist vielleicht mehr verdient hätte.“

An Bord des Extreme 40 Katamarans von Roland Gaebler. Foto: Gaebler

Michael Walther, Extrempaddler

Im Jahr 2013 kommt dann eine neue Sportart für Michael Walther hinzu, die dazu führt, dass er heute in den Medien gelegentlich als „Extrempaddler“ bezeichnet wird: das Stand-up-Paddling. 2015 paddelt er nonstop circa 50 Kilometer von Kiel zur dänischen Insel Aerö und sammelt damit Spenden für die Paulchen Esperanza Stiftung. 2016 dann die Steigerung. In 24 Stunden paddelt er in einem Stück die 120 Kilometer von Kiel nach Flensburg, wieder um Spenden zu sammeln. 2017 folgt die Durchquerung des Nord-Ostsee-Kanals mit dem SUP-Board. Eine der spektakulärsten Aktionen folgt dann im Jahr 2018: Nach langer Planung geht es nach Grönland, wo er mit dem SUP von Aasiat nach Ilulissat paddelt. Die Tour ist ein Erfolg. Die Bilder von Walther auf seinem Board gehen um die Welt, er generiert Aufmerksamkeit für den Klimawandel. 2019 umrundete er dann gemeinsam mit Mario Rodwald ganz Schleswig-Holstein – 700 Kilometer in acht Tagen, emissionsfrei, mit dem Board und dem Elektroauto.

Zwischen Eisschollen vor Grönland. Foto: Daniell Bohnhof

Eine bessere Welt

Aktuell läuft mit der Firma Brunel die Kampagne „Activate Yourself“. Sie soll Menschen zu einem nachhaltigeren Leben motivieren. Denn Nachhaltigkeit, Umweltschutz und der Kampf gegen Ungerechtigkeiten haben Walther schon immer angetrieben: „Ich möchte kommenden Generationen und der Tier- und Pflanzenwelt das weitere Leben hier ermöglichen, auch wenn wir uns hier momentan wie die sprichwörtliche Axt im Walde benehmen. Ungerechtigkeiten treiben mich häufig an. So zerreißt es mich beinahe innerlich, wenn ich daran denke, dass wir Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken lassen. Menschen wie du und ich, die einfach nicht das Glück hatten, hier geboren zu sein. Es ist ja nicht so, dass irgendjemand etwas zu seiner Herkunft beigetragen hat. Deshalb sage ich immer wieder, dass wir froh sein können, hier zu leben, aber nicht stolz. Dazu haben wir nichts beigetragen. Dass wir Rumänen einfliegen zur Spargelernte, zu der wir uns zu schade sind und währenddessen lassen wir Menschen ertrinken, das will mir einfach nicht in den Kopf.“

Pläne

Und was macht Michael Walther, wenn er nicht gerade segelt oder auf dem SUP-Board steht? „Dann probiere ich entweder gerade das Wing-Foilen aus oder ich arbeite mit Andrea Hoeppner zusammen in ihrer Agentur daran, dass unsere Kunden gut für die Zukunft aufgestellt sind. Seit vier Jahren bin ich bei Hoeppner Kommunikation und es macht einfach riesig Spaß, weil wir den Wassersport leben, die Begeisterung teilen und eine ähnliche Denkweise haben.“ Nebenbei fungiert er ab 2015 für vier Jahre als Herausgeber des Magazins Sailing Journal. Und was hat er als nächstes vor? Auch in Zukunft wird Michael Walther weiter Projekte auf dem Wasser realisieren, denn dafür brennt er. Im Jahr 2021 soll es erneut nach Grönland gehen. Dann aber mit dem Segelboot an die Ostküste Grönlands, um Daten, Fakten und Impressionen zum Klimawandel zu sammeln. „Wenn sich einer eurer Leser mit einer polartauglichen Yacht nun angesprochen fühlt, wir bräuchten noch einen Shuttleservice.“

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