Praxis: Das 1×1 des Mitsegelns – So gelingt der erste Törn

Unterwegs mit Freunden

Freunde laden zum Mitsegeln ein, wohl wissend, dass man absoluter Segelneuling ist. Kein Problem, denn mit der richtigen Vorbereitung und Unterstützung durch den Profi kann der Törn für alle zum Traumurlaub werden.

© Shutterstock / NDAB Creativity

Nichts ist schöner als ein Segeltörn. Man schnuppert Seeluft, kann die Weite des Meeres genießen, lernt urige Häfen kennen und wird vom leisen Glucksen der Wellen in den Schlaf gewiegt. So romantisch diese Vorstellung eines Törns auch sein mag, und so romantisch der Törn später eventuell sogar ausfällt, so gut ist es, sich darüber klar zu werden, worauf man sich einlässt, wenn man eine Segelreise unternimmt.

Ein Bordurlaub lässt sich nicht mit einem Hotelaufenthalt ver­gleichen. Sehr vieles ist anders. Das beginnt bei der Packliste fürs Reisegepäck, führt über die Unterbringung in einer beengten Kabine an­stelle eines weiträumigen Zimmers hin zu einer möglichst reibungslosen ­Eingliederung in die Crewgemeinschaft und erfordert die Bereitschaft zu akzeptieren, dass die Route komplett anders verlaufen kann als ­geplant. Segler sind vom Wetter abhängig, und das ist gut so, denn das erfordert Flexibilität und sorgt dafür, dass es niemals langweilig wird.

Bevor man Ja zum Törn sagt, sollte man sich allerdings zwei wichtige Fragen beantworten: 1. Werde ich mich auf engem Raum mit wenig Privatsphäre wohlfühlen? 2. Kann ich in Situationen, die klare Ansagen erfordern, Kommandos ausführen ohne nachzuhaken? Kommen Schiff oder Besatzung in brenzlige Situationen oder müssen Manöver schnell ausgeführt werden, gilt das Wort des Skippers beziehungsweise der Skipperin, und zwar ohne Wenn und Aber.

Die Vorbereitung

Sind die Antworten positiv ausgefallen, kann das Abenteuer des ersten Segeltörns beginnen. Egal, ob man auf einem Eignerschiff anheuert oder Mitglied einer Chartercrew wird, in jedem Fall gilt: Vorfreude ist ein wichtiger Bestandteil des Urlaubs und darf in Form guter Vorbereitung ausgiebig genossen werden. Je nach Lust, Laune und zur Verfügung stehender Zeit kann sich der Segelnovize mit der Theorie des Segelns befassen, die wichtigsten Knoten üben, sich mit der Seglersprache vertraut machen, aber auch segelunspezifische Dinge erledigen wie recherchieren, wo lohnenswerte Ziele für Landausflüge liegen und wie man vom Hafen aus dorthin gelangt.

Um alles Wichtige hinsichtlich Finanzierung, Fahrtziel, Zeit und Bordalltag zu besprechen, haben sich Crewtreffen bewährt. Sie sollten rechtzeitig vor Urlaubsbeginn stattfinden und allen Teilnehmern die Gelegenheit geben, offene Fragen zu klären, wie: Soll es eine gemeinsame Haushalts- bzw. Bordkasse geben, wollen alle Crewmitglieder alles gemeinsam machen oder soll sich jeder auch mal eine Auszeit nehmen können?

Das Kurbeln an der Winsch kann auch von einem Neuling durchgeführt werden © Shutterstock / Yevhen Rehulian

Was muss mit?

Auch beim Thema Gepäck darf sich der Laie gern beraten lassen. Auf jeden Fall sollte er schauen, ob sich in seinem Bestand noch eine Sporttasche befindet, denn ein Koffer ist für den Bordgebrauch nicht geeignet. Auf einem Segelschiff gibt es, wenn überhaupt, nur wenige Stauräume, die groß genug sind, um einen Reisekoffer aufzunehmen. Die meisten Fächer haben Schrägen und/oder laufen konisch zu, sodass dort zwar eine zusammengelegte Tasche hineinpasst, nicht aber ein Koffer. Sinnvolle Alternativen sind Reisetaschen mit integrierten Rollen. In vielen Häfen muss man weite Wege vom Parkplatz bis zum Liegeplatz zurücklegen, und dann ist man dankbar für Rollen.

Was in die Tasche hineingehört, ist abhängig vom Törnrevier. Wer im Mittelmeer segelt, braucht nicht nur Badesachen, sondern wirksamen UV-Schutz in Form von Creme, Sonnenbrille, Käppi, leichte, langärmelige Oberteile und lange Hosen. Auf dem Boot sitzt man auf dem Wasser, das die Sonnenstrahlen reflektiert und dadurch die UV-Strahlung deutlich verstärkt. Regenkleidung darf auch nicht fehlen, aber sie kann leicht sein, es sei denn, man ist in der Nebensaison unterwegs.

Bei Törns, die im nördlichen Europa stattfinden, stehen neben Sonnencreme auch Mütze, Schal, dicke Pullover und solide Regenkleidung auf der Packliste. Das Wasser von Nord- und Ostsee ist selbst im Hochsommer kühl bis kalt, und diese Kälte strahlt auf die Umgebung ab und damit auf die an Bord sitzenden Personen. Auf einem Schiff muss man sich sehr viel wärmer anziehen als man es von Landaufenthalten gewohnt ist. Auch festes Schuhwerk ist hier angesagt. Es schützt vor Regen und Kälte, aber auch vor Verletzungen.

In warmen Revieren wird gern auf das Anziehen von Schuhen verzichtet, verständlicherweise, denn die Temperaturen laden zum Barfußlaufen ein. Entscheidet man sich für die Barfußvariante, gilt es besonders gut darauf zu achten, sich die Füße nicht an den Beschlägen zu verletzten. Wovon dringend abzuraten ist, sind Flip-Flops als Alternative zu normalen Bootsschuhen. Sie geben keinen Halt, und man verheddert sich in Leinen oder hinter Klemmen. Wenn schon Sandalen, dann lieber speziell für den Bordgebrauch entwickelte, denn diese haben rutschfeste Sohlen und einen Riemenaufbau, der die Zehen schützt.

No-Gos

Apropos Schuhe: Absolute No-Gos für den Bordaufenthalt sind Pumps beziehungsweise Schuhe mit harten, spitzen Hacken. Sie geben keinen Halt und zerstören das Deck, egal, ob es aus Glasfaser verstärktem Kunststoff (GFK) oder aus Teak besteht. Auch Schuhe mit schwarzen oder dunklen Sohlen sind nicht gern gesehen, was daran liegt, dass manche von ihnen hässliche Streifen auf dem Deck hinterlassen. Da man leider meist erst hinterher feststellt, welche Sohlen abfärben, sollte man sich besser Schuhe mit hellen Sohlen aussuchen. In jedem Fall sollten sie rutschsicher sein und guten Halt geben.

Warum die richtige Wahl der Kleidung so wichtig ist? Weil Segeln ein Outdoorsport ist und man einen Großteil des Tages draußen verbringt. Unabhängig davon, ob es warm oder kalt, sonnig oder regnerisch ist, die richtige Kleidung trägt einen Großteil dazu bei, dass man seinen Segelurlaub rundum genießen kann.

Unterwegs heißt es, stets Ausguck zu halten © Silke Springer 

Die Törnplanung

Wer segelt, ist – wie oben schon erwähnt – abhängig von Wind und Wetter. Bei schwacher Brise erreicht man das angepeilte Etappenziel vielleicht erst einen Tag später, bei stürmischen Bedingungen verbringt man den Tag eventuell im Hafen statt draußen auf rauer See. Wetterkapriolen können einen Törnplan gehörig durcheinanderwirbeln, das lässt sich nicht verhindern. Erfahrene Skipper planen daher mit flexiblen Routen und geben dieses Wissen an ihre Segelneulinge weiter, damit diese später nicht enttäuscht sind, wenn einige Zielhäfen, die man eigentlich anlaufen wollte, nicht erreicht wurden.

Verhalten an Bord

Oberste Priorität hat die Sicherheit. Wer sich an Bord bewegt, muss sich festhalten, und zwar immer, unabhängig davon, ob das Schiff im Hafen liegt oder auf hoher See segelt, ob Flaute herrscht oder der Regen waagerecht fliegt. Ein Segelschiff kann jederzeit unvermittelt schaukeln und rucken, zum Beispiel wenn Crewmitglieder spontan von einer Seite auf die andere wechseln und für unerwartete Krängung sorgen oder eine besonders harte Böe ins Rigg einfällt. Natürlich gerät das Schiff auch durch Seegang oder Bug- und Heckwellen anderer Schiffe ins Schwanken.

Einer der wichtigsten Leitsätze für das Bordleben ist daher: eine Hand fürs Schiff, eine Hand fürs Leben. Während man sich über das Schiff bewegt, hält man sich mit einer Hand fest, an der Reling, am Want, am Vorstag. Feste, stabile Bordausrüstung eignet sich zum Festhalten, meiden sollte man Gegenstände, die nicht richtig verankert sind wie durchhängende Schoten oder eine Sprayhood, die nicht ordentlich gespannt wurde.

Was beim Segeln sonst noch sicherheitsrelevant ist, wird ein verantwortungsvoller Skipper vor dem ersten Auslaufen erklären. Stichworte sind: keine Klemme öffnen, ohne die Schot oder das Fall, das darin gespannt ist, zuvor über die Winsch abzusichern. Oder: Kopf einziehen, wenn der Baum in einer Halse auf die andere Schiffseite schlägt.

Eingewöhnung

Ob man seetüchtig ist, stellt sich meist nach kurzer Zeit heraus. Bei ersten Übelkeitsanflügen oder aufkommender Apathie heißt es, nicht lange warten, sondern sofort gegensteuern. Am besten geht das tatsächlich, indem man das Ruder übernimmt, denn Beschäftigung lenkt ab. Außerdem behält man beim Steuern den Horizont im Blick, was der Übelkeit entgegenwirkt. Und Steuern ist kein Hexenwerk. Das kann auch ein Neuling nach kurzer, guter Einführung erledigen. Die Verantwortung bleibt beim Kapitän, der ein Auge auf den neuen Rudergänger hat. Ansonsten hilft jede Art der Beschäftigung: Schoten trimmen, Ausschau nach Bojen halten, den entgegenkommenden Schiffsverkehr beobachten. Und am besten nicht nach unten gehen, denn dort kann man den Horizont nicht mehr sehen.

Wie man korrekt Leinen aufschießt, sollten Gäste auch lernen © Shutterstock / NDAB Creativity

Zur Ruhe kommen

In aller Regel gewöhnt sich der Körper schnell an das ungewohnte Schaukeln, so dass man bald auch an Deck sitzen kann, ohne etwas zu tun. Die Nächte können zur totalen Entspannung beitragen. Für alle, die das Plätschern des am Rumpf entlangstreifenden Wassers lieben, ist das Geräusch die perfekte Einschlafmelodie. Besonders hellhörige Segler tun sich dagegen schwer, das Gluckern auszublenden. Der verpasste Schlaf lässt sich aber nachholen. Im Laufe des Tages ergeben sich immer wieder Gelegenheiten, die freie Zeit fürs Dösen oder Power-Napping zu nutzen.

Auch der Wunsch nach richtig viel Action lässt sich erfüllen. Sportliche Herausforderungen tauchen auf, sobald man die großen Segel setzt, zum Beispiel den Gennaker oder Spinnaker. Um die größten Segel an Bord richtig zu trimmen, sind Kraft, Ausdauer und Reaktionsschnelligkeit gefordert.

Wer sich auf Abwechslung, Unvorhersehbares, Wetterkapriolen und ein auf engem Raum stattfindendes Gemeinschaftsleben einlassen mag, wird sich schnell im Bordalltag zurechtfinden. Schon nach wenigen Tagen ist es Routine geworden, die Fender rechtzeitig auszubringen und die Festmacherleinen so auszuschießen, dass sie ohne Kinken ausgebracht werden können. Wenn Segelneulinge darüber hinaus auch mal klar Schiff machen, das Kochen oder Einkaufen übernehmen, erhöhen sie ihre Chancen, schon bald die nächste Einladung zum Mitsegeln zu erhalten, enorm. 

Checklisten

Vorbereitung

Der Segelnovize im Team mit den erfahrenen Seglern

  • Gemeinsame Bordkasse, ja oder nein?
  • Sollen Landausflüge im Vorfeld zusammen geplant werden, oder ist es besser, das vor Ort individuell zu entscheiden?
  • Ist es okay für den Rest der Mannschaft, wenn sich einer oder mehrere aus der Crew eine Auszeit nehmen, beispielsweise einen Tag an Land bleiben, während die anderen segeln?
  • Verantwortlichkeiten festlegen. Segelanfänger sind wichtige Mitglieder der Crew. Sie kümmern sich beispielsweise um den Proviant, die Suche nach attraktiven Restaurants, interessanten Ausflugzielen etc. und sorgen für Ordnung, während die aktiven Segler mit dem Schiffshandling beschäftigt sind

Der Segelnovize allein

  • Knoten üben. Die wichtigsten sind: Webeleinstek, Achtknoten, Palstek, Rundtörn mit zwei halben Schlägen und Kreuzknoten
  • Segelstories lesen oder anschauen (Zeitschriften, Bücher, Blogs, Videos)
  • Reiseführer über das Revier lesen

Gepäck

  • Tasche anstelle eines starren Koffers
  • Zusätzlich zu den normalen Utensilien gehören ins Gepäck: Sonnenkäppi, Sonnencreme, Sonnenbrille
  • Extras für Törns in kühleren Regionen wie zum Beispiel der Nord- und Ostsee: warmer Pulli, eventuell Skiunterwäsche, Mütze, Schal (selbst im Sommer sinnvoll), Handschuhe (im Frühjahr und Herbst sehr sinnvoll), feste Sportschuhe mit hellen Sohlen, Regenkleidung
  • Extras für Törns in warmen Gefilden mit hochstehender Sonne wie dem Mittelmeer: leichte Kleidung mit langen Ärmeln und langen Hosenbeinen gegen Sonnenbrand, eventuell spezielle Sandalen für Segler, leichte Regenkleidung
  • Ob Schlafsack, Kopfkissen, Bettlaken und Handtücher ebenfalls eingepackt werden müssen, lässt sich vorab klären, beim Eigner oder bei der Charterfirma
  • Tabletten, Kaugummi, Pulsbänder etc. gegen Reisekrankheit (wenn man nicht genau weiß, ob man den Seegang verträgt)

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