Praxis: Spleißen wie die Profis – Schritt für Schritt, so geht’s

Soft und smart

Mit schön ausgeführten Spleißen wertet man sein Tauwerk auf und damit
das gesamte Schiff. Wir zeigen, wie es funktioniert.

© Frank Störck

Unser Test der Sailart 18 hat gezeigt, wie attraktiv eine Yacht gestaltet werden kann, wenn man Zeit, Geduld und handwerkliches Geschick in die Optimierung der Ausrüstung steckt. Das gesamte Tauwerk war passend abgelängt und hatte, wo immer wünschenswert Taklinge und Spleiße anstelle von Knoten und Tape. Außerdem waren die Fallen verjüngt und die meisten Schäkel durch Softschäkel ersetzt. Das Sahnehäubchen der Ausrüstung bildete ein Kaskaden-Baumniederholer. Der „Künstler“, der diese filigranen, dabei hocheffektiven Gebilde erschaffen hat, heißt Dennis Störck. Er ist der Bruder von Sailart-Werftinhaber Frank Störck und hat sich bereit erklärt, die Fertigung der interessantesten Spleiße zu dokumentieren.

Um zu verstehen, wie die Spleiße gefertigt werden und welche Arten von Tauwerk zum Einsatz kommen, hilft eine kleine Tauwerkskunde, denn Dennis Störck verwendet sowohl Kern-Mantel-Geflechte als auch Hohl-Geflechte.

Wie der Name schon sagt, bestehen Kern-Mantel-Geflechte aus einem geflochtenen Kern, die mit einem griffigen, geflochtenen Mantel umhüllt ist. Bei einem Hohl-Geflecht handelt es sich um ein „nacktes“ Geflecht ohne Mantel.

Die kleine Takelkiste für Spleißbegeisterte Seglerinnen und Segler © Frank Störck

Werkzeug

Um die Spleißarbeiten ausführen zu können, benötigt man Spezial-Werkzeuge. Dazu zählen:

  • Marlspieker
  • Spleißnadeln, -Fids
  • Scharfe Schere, die auch Dyneema oder Spectra schneiden kann
  • Tape
  • Jet-Feuerzeug
  • Takelgarn und -nadel
  • Dünne Bändsel, die später als Reißleine bzw. Schnellöffner des Softschäkels dienen.
  • Filzschreiber zum Markieren

1. Fall verjüngen

© Frank Störck

Fallen bestehen üblicherweise aus Kern-Mantel-Geflechten mit einer griffigen, gleichzeitig widerstandsfähigen Umhüllung, die harter Beanspruchung durch Winschen und Fallenklemmen standhält. Um Fallen zu verjüngen, wird der Kern vom Mantel befreit, was zur gewünschten Verjüngung führt. Die Kunst besteht darin, den Übergang glatt zu gestalten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass sich Mantel und Kern in der Verjüngungszone effektiv beklemmen, um die erforderliche Haltekraft zu gewährleisten.

01 Nach dem Ausmessen der Übergangsstelle wird sie mit einem Tape markiert

02 Ca. fünf Zentimeter davor holt man mit Hilfe des Marlspiekers die Seele aus dem Mantel hervor, wobei man vorsichtig zu Werk gehen muss, um die Fasern nicht zu verletzen.

03 Der Teil des Falles, der als Kern bestehen bleiben soll, wird komplett aus dem Mantel herausgezogen

04 Damit sich der Kern nicht gänzlich aus dem Mantel herausarbeitet, wird das Markierungstape zuvor durch eine Nadel /Ahle ersetzt, die Kern und Mantel an dieser Stelle zusammenhält.

05 Vom losen Mantelstück bleiben etwa 40 Zentimeter stehen. Der Rest wird abgeschnitten.

06 Dann beginnt das Ausdünnen des kernlosen Mantelstücks. Dafür werden stufenweise einzelne Kardeele bzw. Litzen abgeschnitten, so dass der Mantel zum offenen Ende hin immer dünner wird.

07 Anschließend wird er in die Spleißnadel geklemmt und in den Kern eingefädelt. (Damit der Mantel besser in den Kern hineinrutscht, staucht man ihn ein wenig auf). Der Einstieg erfolgt dort, wo der Kern aus dem Mantel herausschaut.

08 Dann schiebt man den Kern über das ausgedünnte Mantelstück, schneidet den verbleibenden Rest ab und streicht den Übergang glatt. Damit er glatt bleibt und sich nicht wieder aufdröselt, wird er mit ein paar Garnstichen festgenäht.

2. Softschäkel anfertigen

© Frank Störck

Softschäkel entstehen häufig aus Dyneema-Hohl-Geflecht. Abhängig von der Stärke des Tauwerks und der Größe des Schäkels wird ein Stück der Länge X (bei 6 Millimeter Dyneema kommt man mit 80 Zentimetern gut zurecht) abgeschnitten. Das mag zunächst nach viel zu viel Länge klingen, doch ein ordentliches Stück davon wird für den Knoten verbraucht. Als Richtwert darf gelten: Für den Knoten benötigt man das 25fache des Tauwerkdurchmessers. Bei 6 Millimetern Dyneema sind das 15 Zentimeter, mal zwei, denn der Knoten wird ja mit zwei Enden geknüpft.

01 Das Tampenstück wird halbiert und in der Knickstelle gekennzeichnet. Von dort misst man die Länge des geplanten Schäkels und markiert die Stellen auf beiden Enden. In eine der Markierungen wird die Spleißnadel hineingesteckt, vorsichtig bis kurz vor den Scheitelpunkt geschoben und dort wieder hinausgeführt.

02 Danach klemmt man das lange, überstehende Ende in die Spleißnadel und zieht es ins Hohl-Geflecht hinein, bis nur noch eine kleine Schlaufe offen ist. Wie üblich geht das Einziehen leichter, wenn das Hohl-Geflecht vorher ein wenig aufgestaucht wird. Nun kann mit dem Knüpfen des Knotens begonnen werden.

Diamantknoten
Als Softschäkelknoten dient ein Diamantknoten. Da er nicht ganz einfach zu binden ist, empfiehlt es sich, ihn einige Male aus Tampenresten anzufertigen, damit er später beim Softschäkel gelingt. Man arbeitet den Diamantknoten mit zwei Tampen oder, wenn es ein Softschäkelknoten werden soll, mit zwei Tampenenden.

03 Zunächst wird ein Trossenstek oder Brezelknoten gebunden. Dafür legt man mit Tampenende 1 ein Auge.

04 Unter diesem Auge wird Tampenende 2 diagonal entlanggeführt, danach über das lange/feste Ende von Tampen 1 hinweg, unter dessen kurzem Ende hindurch, von oben ins Auge hinein, unter dem eigenen Tampen entlang, um schließlich aus dem Auge wieder aufzutauchen. Fertig ist die Brezel. Um sich den Bahnenverlauf des Knotens einzuprägen, kann es hilfreich sein, ihn erst einmal auf planer Fläche zu legen, statt ihn in der Hand zu knüpfen.

05 Nach Fertigstellung der Brezel wird das Gebinde noch nicht zu einem Knoten zusammengezogen, sondern aufgenommen und locker in der Hand gehalten. Nun werden die kurzen/losen Enden der ineinander verschlungenen Brezelaugen über die langen/festen Enden des jeweils anderen Tampens gelegt, danach von unten in die Mitte des Knotens gelenkt und nach oben durchgesteckt. Beide kurzen/losen Tampenenden strecken ihre Schnittstellen jetzt senkrecht nach oben.

06 Anschließend kann der Knoten zusammengezogen werden. Um ihn zu einem kompakten Ball zu formen, muss man möglichst gleichmäßig an den losen und festen Enden ziehen. Auch das erfordert etwas Übung. Erst, wenn sich die für den Diamantknoten typische Ballform herauskristallisiert hat, darf richtig strammgezogen werden.

07 Bleibt zum Schluss, die Enden kurz abzuschneiden und mit dem Heißschneider zu versiegeln.

08 Wer seinen Softschäkel zusätzlich mit einer Reißleine zum Schnell-Öffnen ausstatten möchte, zieht die Schlaufe ein Stückchen aus dem Geflecht heraus, bindet dort ein Bändsel hinein und stattet es mit griffigen Knoten aus. Greift man zur Reißleine, schiebt sich das Geflecht zusammen, wodurch sich die Beklemmung löst und sich der Knoten leichter aus der Schlaufe entfernen lässt.

3. Festen Ring einspleißen

© Frank Störck

Für das Einspleißen eines festen Aug-Rings verwenden wir ein Hohl-Geflecht. Um den Tampen stramm an den Ring schmiegen zu können und sicher zu verriegeln, wird ein Brummel-Spleiß gemacht.

01 Als erstes misst man dafür die Aug-Länge ab, indem man den Tampen ums Auge legt. An den Berührungspunkten wird mit Filzstift eine Markierung gesetzt, alternativ merkt man sich die Punkte. Punkt A zeigt die kürzere Tampen-Strecke, Punkt B die längere.

02 Danach sticht man mit der Spleißnadel in Punkt B hinein, klemmt das kurze Tampenende in die Nadel und zieht es durchs Geflecht hindurch, und zwar so lange, bis ein Auge von der Größe des Rings übrigbleibt und die Markierung A zum Vorschein kommt.

03 Danach wird in die Markierung A eingestochen, die Nadel mit dem langen Tampenende versehen und durchs Geflecht gezogen. Damit ist die Verriegelung erfolgt.

Aug-Ring mit Softschäkel
Möchte man dieses eingespleißte Auge als flexibel einsetzbaren Beschlag für Barber- bzw. Beiholer nutzen, empfiehlt sich die Kombination mit einem Soft-Schäkel. Um ihn zu erstellen, muss ein Tampenende von vornherein so lang bemessen sein, dass sich daraus noch ein Soft-Schäkel knüpfen lässt. Nachdem das feste Auge verriegelt ist, gilt es, die Länge des Schäkels abzumessen und den Scheitelpunkt festzulegen.

04 Dann sticht man direkt hinter der Verriegelung mit der Spleißnadel ins Hohlgeflecht, schiebt die Nadelspitze bis zum markierten/erdachten Punkt durch…

05 klemmt das lose Ende ein, zieht es so lange durchs Geflecht hindurch, bis am Scheitel wieder eine kleine Schlaufe übrigbleibt.

06 Bevor es ans Knüpfen des Diamant-Knotens geht, erfolgt nochmals ein Brummel-Spleiß, der Teil des Schäkels wird.

4. Softschäkel in ein Fall einarbeiten

Der in das Fall eingearbeitete Softschäkel ist beispielsweise für das Großfall ideal © Frank Störck

Um ein Fall, einen Strecker oder eine vergleichbare Leine mit einem Soft-
Schäkel auszustatten, der den obligatorische Niro-Schäkel ersetzt, benötigt man einen zweiten Tampen. Er sollte so lang sein, dass er mit einem Ende ins Fall eingearbeitet und mit dem anderen zum Soft-Schäkel verknüpft werden kann. Es empfiehlt sich, den ausgemessenen Scheitelpunkt zu markieren, entweder durch Kniffen oder mittels Filzschreiber. Das Fall selbst muss Überlänge haben, damit noch ein Diamantknoten geknüpft werden kann

01 Zunächst wird der Tampen auf Höhe seines Scheitelpunktes rechtwinklig durch das Geflecht vom Fall geführt…

02 … danach das Fall, von der entgegengesetzten Seite kommend, durch den Scheitelpunkt des Tampens.

03 Damit ist dann eine stabile Verbindung hergestellt.

04 Direkt vor dem eingesetzten Tampen wird die Spleißnadel in das Fall eingeführt und das Ende des Falls in die Nadel geklemmt.

05 Das Ende wird durch das Geflecht gezogen, sodass wieder eine kleine Schlaufe entsteht.

06 Der Tampen und das Ende des Falls werden nun zu einem Diamantknoten verknüpft.

07 Das andere Ende des Tampens bleibt zum Einarbeiten in das Fall. Beim Integrieren geht man sehr ähnlich vor wie beim Verjüngen. Die Spleißnadel wird direkt unterhalb des Schäkels ins Geflecht eingeführt, der Tampen eingeklemmt und ins Geflecht hineingezogen.

08 Eine gute Nadellänge später taucht der Tampen wieder aus dem Fall hervor. Auch für diesen Vorgang wird das Geflecht gestaucht. Durch die Kräuselung weitet es sich nicht nur, sondern verkürzt sich auch vorübergehend, mit der Folge, dass ein längeres Stück vom Tampenende verjüngt werden kann.

Fotos: Frank Störck

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