Prozess: Yann Guichard wegen Unfall mit Spindrift vor Gericht – Opfer verlor ein Bein

„Was hatten die da verloren?“

Vor dem Start zum Volvo Ocean Race raste Guichard mit dem Trimaran „Spindrift“ in ein Schlauchboot der Organisation. Gefängnisstrafe auf Bewährung gefordert.

Beim Prozess gegen Yann Guichard, Skipper des Trimarans „Spindrift“, forderte die Staatsanwaltschaft am gestrigen Prozesstag eine sechsmonatige Gefängnisstrafe auf Bewährung sowie eine Geldstrafe in Höhe von mindestens 20.000 Euro. Der Prozess war auf Antrag von Guichards Verteidigung im Februar verschoben worden, da die Verteidigung befürchtete, man habe ihr nicht Einsicht in alle Unterlagen gewährt.

Yann Guichard steht wegen eines Unfalls vor Gericht, den er auf dem 40-Meter Trimaran „Spindrift“ im Rahmen des Volvo Ocean Race vor einem Jahr in Lorient verursacht hatte (SR berichtete). Damals raste er mit angehobenem Luvschwimmer über ein Schlauchboot der Rennorganisation hinweg, traf mit dem abgesenkten Foilschwert die 49-jährige Virginie Le Namouric und verletzte sie lebensgefährlich.

Frau Le Namouric musste kurz nach dem Unfall das linke Bein amputiert werden, am rechten Bein erlitt sie mehrere Frakturen.

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Der Moment des Unglücks © Evrard

“Klassische Fahrlässigkeit”

Das Opfer befand sich an Bord des Schlauchbootes ihres Mannes, der als Helfer (zuständig für Sicherheit während der Startphase) für die Organisation des Volvo Ocean Race aktiv war. Auf dem Schlauchboot befanden sich zur Zeit des Unglücks vier Personen; es war offenbar auf dem Weg zur „Absicherung des unmittelbaren Startbereiches vor Schaulustigen“.

„Das ist die klassische Geschichte eines völlig überdimensionierten und nur schwer beherrschbaren Schiffes, das ohne jegliche Ankündigung in die Startzone eines Hochseerennens rast. An dem der Trimaran wohlgemerkt nicht teilnahm,“ argumentierte Staatsanwältin Laureline Peyrefitte. „Wir unterstellen Herrn Guichard keine Absicht, aber er hätte sich umsichtiger verhalten sollen und hätte niemals auch nur in die Nähe der gesperrten Startzone kommen dürfen. Herr Guichard handelte eindeutig fahrlässig!“ Ein versierter und erfahrener Seemann, wie Guichard sich selbst zu Prozessbeginn auf Nachfrage des Richters bezeichnet hatte, hätte niemals ohne Ankündigung über Funk in eine derart unübersichtliche Zone hineinfahren dürfen, wird die Staatsanwältin von Prozessbeobachtern der örtlichen, bretonischen Presse zitiert.

Guichards Verteidiger argumentierten gestern, das Schlauchboot habe sich auf Kollisionskurs mit dem Trimaran befunden und sein Führer sei somit zumindest teilverantwortlich. Dem widersprechen einige angehörte Zeugen, die unisono bestätigen, das Schlauchboot sei gestanden und der 40-Meter-Trimaran sei aus einem toten Winken auf das Zodiac zugefahren.

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Guichard im Gespräch mit Virginie Le Namouric , die bei dem Unfall ein Bein verlor © France 3 Bretagne

Auf ersichtlichem Kollisionskurs?

Die beinamputierte Virginie Le Namouric argumentierte während ihrer Aussagen, wie es sein kann, dass man über etwaige Kollisionskurse diskutiere, während sich keiner die Frage stellt, „was der riesige Trimaran in dieser heiklen Zone kurz vor dem Start des Volvo Ocean Race überhaupt zu suchen habe!“

Tatsächlich wird Guichards Verhalten auch in der Segelszene von Lorient mit höchst fahrlässig bewertet – ganz besonders für einem Skipper, der selbst schon x-Mal in den sensiblen Startphasen großer Hochseeregatten als Teilnehmer dabei war. Und der eigentlich wissen müsste, wie gefährlich da ein Geschoss im Stile einer „Spindrift“ sein kann.

Im Video bedauert es Frau Le Namouric außerordentlich, dass seit dem Unfall der Skipper des Unglücks-Trimarans keinerlei Kontakt zu ihr aufgenommen habe, etwa um sich zu entschuldigen. Und in den sozialen Medien wurden zu diesem Verhalten bereits von Arroganz und Überheblichkeit geschrieben.

Zum Prozessbeginn begrüßte Guichard allerdings Frau Le Namouric mit Handschlag und sprach mehrere Minuten leise mit ihr.

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Michael Kunst

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13 Kommentare zu „Prozess: Yann Guichard wegen Unfall mit Spindrift vor Gericht – Opfer verlor ein Bein“

  1. avatar Alstersegler sagt:

    Ein Motorboot mit 4 Personen an Board übersieht einen 40m Tri? Bei einem Segelboot dieser Größe dauert ein Manöver wohl etwas länger und ein Motorboot läst sich doch in kurzer Zeit wenden. Hier die Schuld beim Segeler zu suchen finde ich abwegig, selbst wenn in der nähe das Ocean Race gestartet wird.

    Oder sehe ich hier etwas falsch?

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  2. avatar Fastnetwinner sagt:

    Hilf’ mir mal jemand bei der Meinungsbildung. Der Film im Internet zeigt ein Segelfahrzeug, welches im groben und ganzen eine Weile schon seinen Kurs hält. Und es zeigt ein RIB, welches mit Fahrt in den Kurs des Segelfahrezeuges reindreht. Unabhängig davon ob das jetzt von Spindrift schlau war da rum zu fahren, ist da nicht der RIB-Captain nach KVR reichlich (mit)-schuldig? Was sagen die Regeln?

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    • avatar Sven 14Footer sagt:

      Hallo Fastnetwinner, den Teil den man im Film sieht, der gehört m.E. eindeutig zum Manöver des letzten Augenblicks. In dem Moment, als das MoBo im Film sichtbar wird, ist es weniger als 1 Bootslänge von Spindrift entfernt.
      Das Manöver des MoBo kann man aus der Filmperspektive nicht vernünftig beurteilen. Für mich sieht es z.B. so aus, dass das Schlauchboot dicht bei den anderen MoBos sicht aufhält. Sekunden später sieht man, dass diese alle in Lee von Spindrift bleiben.
      Um die Kurshaltepflicht von Spindrift beurteilen zu können, müsste man Spindriftskurs und Speed länger als 6 Sekunden vor dem Zusammenstoß sehen können. Ist hier nicht der Fall. 6 Sekunden sind aus meiner Sicht verdammt wenig, um auch auf einem wendigen Schlauchboot das richtige Ausweichmanöver zu entscheiden und durchzuführen.
      Im SR Artikel von damals wird ein Augenzeuge erwähnt, der Spindrift wenden und beschleunigen sieht.

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  3. avatar Adeeule sagt:

    mmmmh… also ich würde gerne sehen, wie sich ein 40 Meter Tri im toten Winkel eines Rips versteckt !!!!
    Andersrum betrachtet hätte diese “PR-Aktion” der Spindrift meiner Meinung nach nicht sein müssen.

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  4. avatar pl_johaa sagt:

    Ich seh da kein Rib welches fährt.

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    • avatar Fastnetwinner sagt:

      Das weisse RIB im Film, welches weisses Kielwasser hat und um die Ecke fährt….

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    • avatar Super-Spät-Segler sagt:

      Direkt zu Anfang des Videos ist rechts unten nahe zu waagerecht der weiße Rest
      der Heckwelle des Ribs zu sehen.

      Bei Sekunde 1 kommt rechts sehr deutlich die weiße Welle des Antriebs ins Bild.
      Das Rib fährt bis dahin annähernd parallel zur Spindrift.

      Dann mach es einen scharfen Haken nach Backbord (mehr als 90 Grad),
      und in Sekunde 2 bis 3 ist deutlich die Welle zu sehen, die durch den
      kurzen Gasstoß verursacht wird, der das Rib direkt in den Kurs der
      Spindrift bringt.

      Das Rib hat sich vorsätzlich in den Kurs des Trimarans begeben und dessen
      Steuermann hatte keine Chance den Unfall zu verhindern.

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  5. avatar alikatze sagt:

    Liebe Leute,

    kann es sein, dass sich die meisten hier hinter (soweit ich das beurteilen kann, richtig interpretierten) Regeln verstecken und dabei ihren Verstand ruhen lassen?
    Ich hoffe inständig, dass jeder hier, der ein Auto oder ein Boot fahren darf, die Formulierung “der Situation angemessen” kennt und ich denke, darum geht es auch in dem Verfahren. Wenn da ein Schlauchboot – meinetwegen auch gerade etwas unvorhersehbar – im Eifer der Startphase versucht, die Startzone zu räumen oder was auch immer sich der gute Pilot da gedacht hat, dann ist es einfach mehr als idiotisch, mit einem Geschoss wie die Spindrift segelnderweise da durchs Getümmel zu rasen. Die Spindrift hatte keine Möglichkeit zu stoppen und hätte bei irgendwelchen Ausweichmanövern vielleicht noch andere Boote über den Haufen gefahren. Da war viel zu viel Gewühl auf dem Wasser, als dass man da schnell und dann noch unter Segel durchfahren konnte.
    Da muss ich gar keine Parallelen aus dem Straßenverkehr konstruieren, um den Schwachsinn zu veranschaulichen. Allerdings sind gerade dort erstaunlich Viele mit einer vergleichbaren Einstellung unterwegs: Da wird oft Rücksichtnahme ausgeblendet mit dem Bewusstsein, man habe ja schon die Regeln auf seiner Seite – oder im Zweifel das stärkere Auto. In den meisten Fällen geht es noch gut, aber manchmal hätte sich der Unfall auch einfach durch mehr Umsicht vermeiden lassen.

    Ich habe den Vorfall zufällig bei der Übertragung der Startphase live gesehen (also auch nur die Bilde, die in den Videos zu sehen sind) und habe mich damals schon gefragt, was in dem Skipper der Spindrift vor sich ging. Jemand der so an der Startzone entlang ballert – und sei es, weil gerade eine Böe eingefallen ist – der gehört weder auf dem Wasser noch an Land ans Steuer. Ich hoffe, dass sich Guichard seiner Schuld bewusst ist und diese auch eingesteht. Ansonsten scheint er ja doch gut segeln zu können.

    Nu denn…

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    • avatar Super-Spät-Segler sagt:

      Da wo die Spindift fährt ist überhaupt kein Gewühl. Und das Schlauchboot fährt ihm von nebendran direkt unter den Rumpf. Mit furchtbaren Konsequenzen. Schuld ist eindeutig der Lenker des Schlauchbootes.

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      • avatar Kugelfisch sagt:

        In den sechs Sekunden Video zähle ich 10 kleinere Wasserfahrzeuge in unmittelbarer Nähe der Spindrift, selbst wenn ich die optische Verdichtung durch die lange Brennweite berücksichtige. Da ist Gewühl nicht übertrieben, vor allem wenn man bedenkt, dass die Spindrift mit ihren 40 Metern Länge und 23 Metern Breite (!) mit ordentlich Speed durchpflügt.
        Von einem Regattasegler der Weltspitze erwarte ich, dass er so viel gesunden Menschenverstand hat, solche Aktionen zu unterlassen – Regeln hin oder her.

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  6. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Hier ist das komplette Video

    https://www.youtube.com/watch?v=gF2SwSUlRgA

    Die Wende auf den Unfallkurs passiert ab ca 0:25.
    Der Unfall bei 1:32.
    Es sind keine Personen zu erkennen, man bemerkt eigentlich gar nicht, daß es zu einem Unfall kommt.

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    • avatar alikatze sagt:

      Moin Super-Spät-Segler,

      Danke für den link hier – mit dem Video lässt sich die Sequenz ein wenig besser bewerten, allerdings beobachten wir aus einer sehr verzerrten Perspektive. Da wo die Spindrift wendet, ist erstmal wenig los. Dann aber bekommt sie eine Böe und beschleunigt. Auf dem Video sieht das dann schon sehr nach Gewusel aus, wo sie dann durchschießt.
      Ich bleibe dabei, da fährt man mit so einem Geschoss unter Segel und bei klarem Verstand nicht rein.

      Eine Heli-Aufnahme könnte vielleicht mehr helfen, rettet dem Unfallopfer das Bein aber auch nicht mehr.

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  7. avatar lauterbach sagt:

    ich guck mir keine 6 sec an… ich lese, was meine erfahrung mir sagt : guichard ist ein aufgeblasener spinner, der
    da absolut nichts zu suchen hat .so ein schlitten kann weder vernünftig schnell wenden noch abstoppen. ich würde der richterin empfehlen, den rest seines lebens für die amputierte frau jeden monat 2000€ zu bezahlen und ihm alle segelscheine und zulassungen zu entziehen.

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