Rekordsegeln: Einhand, nonstop rund Antarktis – Lisa Blair als erste Frau unterwegs

Cool um die Antarktis

Antarktis, Rekordsegeln, einhand, Australierin

Alleine in den schwierigsten Gewässern unseres Planeten – Lisa Blair hat schon die Hälfte ihres Weges geschafft © blair

Ein unglaubliches Abenteuer: 14.000 Seemeilen einhand in den berüchtigsten Seegebieten unseres Planeten. Blair will auf ihrem Open 50 als dritter Mensch und erste Frau die Runde in Rekordzeit schaffen.

Dass die Segler von „down under“ Australien ordentlich was drauf haben, dürfte hinlänglich bekannt sein. Ihre immer wieder beeindruckenden Leistungen auf den Regattabahnen der Welt machen dies seit Jahrzehnten deutlich. Ganz egal ob auf Jollen oder Skiffs im Olympiazirkus, beim America’s Cup,  bei Weltmeisterschaften international vertretener Bootsklassen, ob bei Hochseerennen wie etwa dem Sydney Hobart-Race oder (mal ganz anders!) sogar als Sieger bei der virtuellen Ausgabe der Vendée Globe 2016/17 – mit den Aussies muss man immer rechnen! 

Hohe Medienaufmerksamkeit

Lediglich bei den großen Einhand-Hochsee-Regatten und -Rekordfahrten treten sie, wenn überhaupt, eher zurückhaltend in Erscheinung. Die von den Franzosen und Briten dominierten Einhand-Veranstaltungen im Stile von Vendée Globe,  Golden Globe Race, Mini Transat oder THE TRANSAT sahen eher wenige Teilnehmer der „terra australis“. 

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Natürlich muss auch der internationale Frauentag gefeiert werden © blair

Das könnte sich bald ändern. Denn die Australierin Lisa Blair ist auf dem besten Wege, die Hochsee-Einhandsegelei in ihrer Heimat mit „einem Schlag“ populär zu machen: Lisa segelt derzeit auf ihrem Open 50 rund um den antarktischen Kontinent. Die grob überschlagen 14.000 Seemeilen lange Route durch einige der berüchtigsten Segelreviere unseres Planeten wurden einhand und nonstop erst von zwei Männern vor ihr gesegelt.

Doch Lisa Blair will sich keineswegs mit dem „Rekord“ zufrieden geben, einfach nur als erste Frau das sogenannte Antarctica Race zu schaffen. Vielmehr hat sie seit ihrem Start im Januar 2017 den Streckenrekord von 102 Tagen und eineinhalb Stunden im Visier und will als erste Einhandseglerin ausschließlich unterhalb des 45igsten Breitengrades unterwegs sein. 

Eisberge, Growler, Schlafmangel

Somit verkürzt sich zwar die Strecke – Lisa peilt eine Gesamtzeit von 90 Tagen an – die Risiken insbesondere im Hinblick auf Eisberge und Growler erhöhen sich jedoch auch im Sommer auf der Südhalbkugel entsprechend. Auf ihren Blogs formuliert Lisa Blair das so: „Meine größten Herausforderungen sind nicht unbedingt Wind und Wellen, sondern ein wirksames Schlafmanagement. Weil ich viel häufiger “Ausguck“ gehen muss, als in anderen Ozeanen.“

Nun ist Lisa Blair alles andere als ein „unbeschriebenes Blatt“ in der Hochseeszene. Sie ist seit 2006 als professionelle Seglerin aktiv, verdient jedoch erst seit etwa fünf Jahren ihre „Brötchen“ mit der Segelei. Sie machte sich zunächst einen Namen als Crew-Seglerin auf australischen Rennyachten, segelt etwa mehrfach beim Sydney-Hobart-Race mit und führte bei der Ausgabe 2015 ihre Crew als eine von zwei Skipperinnen in dem anspruchsvollen Rennen immerhin auf Rang 13.

Den größten Aufmerksamkeitswert erfolgte für Lisa Blair jedoch durch das Clipper Round the World Race 2012, bei dem sie als Steuer- und Vordecksfrau die gesamte Strecke segelte und laut Skipper am Gesamtsieg des australischen Bootes „den größten Anteil hatte“. 

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Lisas Open 50 zeigte sich bisher als ideales Gefährt für solch einen extremen Trip © blair

Zu ihrem ganz persönlichen Antarctica Race startete die 38-Jährige mit viel Zuversicht. Sie wisse, dass sie sich zu 100 Prozent auf ihr Boot verlassen könne (15,25 Meter, Fiberglas-Rumpf mit Balsakern, 11 Tonnen Verdrängung, sechs Wasserballast-Tanks) und habe für so ziemlich alles trainiert , was auf hoher See passieren könne.

„Wenn ich auch weiß, dass es immer ein erstes Mal für angeblich Unvorhersehbares geben wird,“ schmunzelte sie noch ahnungsvoll vor dem Start in die Kameras der australischen Medien. „Doch es geht hier nicht nur um einen weiteren Rekord auf Hoher See, sondern  darum, dass auch Frauen zu so etwas imstande sind.“

Knüppelharte Schokoriegel

Den Southern Ocean mit seinen Growler- und Eisberg-Gefahren hat die Australierin bereits gemeistert, Kap Hoorn rundete sie vor einer Woche. Vor allem die Kälte hatte ihr zu schaffen gemacht – an manchen Tagen waren Energie- oder Schokoladenriegel knüppelhart gefroren, der Schlafsack wärmte nicht mehr richtig und sie kam tagelang nicht aus der mehrlagigen Thermounterwäsche heraus.

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Wie nicht anders zu erwarten auf dieser Route, ist das Wetter nicht immer berauschend schön © blair

„Bisher ging alles buchstäblich cool über die Bühne,“ schreibt Lisa Blair auf ihrem Blog. „Auch wenn ich weiß, dass jeden Tag etwas passieren kann, bin ich doch froh, dass es die Wettergötter bisher ganz gut mit mir gemeint haben. Ich bin in keinen übermäßig heftigen Sturm geraten – nur einmal Böen mit 75 Knoten –  , lediglich die wochenlangen 35-50 Knoten, allerdings aus der richtigen Richtung, mit denen ich sowieso rechnen musste,“ erklärte sie in einem Radio-Interview von Bord. 

Selten langweilig

Doch so richtig trauen will sie dem vermeintlichen Frieden noch nicht. „Auch wenn Kap Hoorn achteraus liegt, warten bestimmt noch einige Unwägbarkeiten auf mich. Also: wachsam bleiben!“ 

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Nice an cool © blair

Lisa Blair beschreibt auf ihren nahezu täglich aktualisierten Blogs detailreich und unterhaltsam ihren Alltag auf See. Dass es auf so einem Kurs weder für die Protagonistin noch für den Leser langweilig wird, versteht sich von selbst.

Segelwechsel, episch lange Reff-Aktionen, Kursentscheidungen, Reparaturen am Autopiloten… aber auch Ängste bei Sturmvorhersagen, glückliche oder eher „bluesige“ Momente und natürlich ein zünftig auf See gefeierter „Internationaler Frauentag“ machen die Lektüre von Lisas Blog durchaus spannend. 

Ein Muss, nicht nur für Seglerinnen! 

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Michael Kunst

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5 Kommentare zu „Rekordsegeln: Einhand, nonstop rund Antarktis – Lisa Blair als erste Frau unterwegs“

  1. avatar maat aand sagt:

    Wird sie von Apple gesponsort? Der Website-Link führt direkt auf die deutsche Appleseite und nicht auf Blairs Homepage. 🙂

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  2. avatar maat aand sagt:

    Achja, sorry, Achtung Sprachpolizei: Eine “epische Reffaktion” ist entweder zu ausschweifend erfikgt oder in Versform ausfeführt. Das englische “epic” wäre besser mit “sagenhaft” oder “abenteuerlich” übersetzt.
    Aber andererseits ist “episch” ein aktuell sehr schönes Beispiel einer aktiven Eindeutschung bzw. Bedeutungswandlung, die bei Sprachpuristenfuzzis wie mir noch nicht eingesetzt hat …
    🙂

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    • avatar maat aand sagt:

      Wer meckert, sollte richtig tippen: “erfolgt” und “ausgeführt” sollte es heißen …

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  3. avatar Michael Kunst sagt:

    Hallo Sprachfuzzi, merci für den Hinweis auf den falschen Link, das wurde korrigiert. Was die “epische Reffaktion” anbelangt: Nein, wurde nicht falsch übersetzt, sondern war tatsächlich im Sinne von “sehr weitschweifig und ausführlich erzählt” gemeint (siehe ihren Blog, den Du ja nun leicht durch Klick auf korrigierten Link finden kannst) Frohe Lektüre wünscht miku

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  4. avatar maat aand sagt:

    Danke schön – und: Trotz Meckern am Detail übrigens ein toller Artikel – und generell tolle Artikel von Dir. Herzlichen Dank auch dafür!

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