Rekordsegeln: Francois Gabart mit 4 Tagen Vorsprung in die Doldrums – neuer Äquator-Rekord

„Konzentriert bleiben!“

Francois spürt derzeit „eine tiefe Müdigkeit“ in Körper und Geist. Dennoch zweifelt kaum noch jemand daran, dass der „Sunnyboy der Hochseeszene“ den Weltumseglungs-Rekord „schaukeln“ wird. 

Der Mann ist ein Phänomen! Was sag’ ich: Der Mann, sein Trimaran, seine Shore-Crew inkl. Meteorologen und Router… sie alle sind Phänomene! Denn was sich seit nunmehr 37 Tagen auf den Ozeanen dieser Welt abspielt und nun im nördlichen Atlantik, nach einer zweiten Überquerung des Äquators sein offensichtlich glückliches Finale findet, ist ein seglerischer Meilenstein. Eine Einhand-Nonstop-Rekordweltumseglung, die in die Geschichtsbücher eingehen, neue Akzente für Kommendes und seinem Protagonisten ein Denkmal setzen wird. Nicht mehr und nicht weniger.

Perfekte Symbiose

Wir alle wissen längst, dass der 34-jährige Francois Gabart ein Ausnahmesegler ist. Ein Talent par excellence, das mit seinen Booten und den Ozeanen eine Art Symbiose eingeht, die ihresgleichen sucht. Der Vendée Globe-Sieger 2013 (auf IMOCA) und mehrfache Rekordsegler auf seinem 100-Fuß-Trimaran „Macif“ zeigt uns seit Jahren, wie faszinierend Hochgeschwindigkeitssegeln auf den Ozeanen unseres Planeten sein kann. Und er beweist gleichzeitig, dass man kein alter Salzbuckel sein muss, um mit den Meeren im perfekten Einklang zu stehen, pardon: zu segeln. (Siehe auch SR-Berichte). 

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Francois Gabart auf seinem 32-Meter- Trimaran “Macif” © macif

Vier Tage und sieben Stunden hat Gabart auf seinem Trimaran derzeit Vorsprung auf seinen virtuellen Gegner, den Rekordhalter Thomas Coville. Der stellte letzte Weihnachten den damals für unschlagbar gehaltenen Rekord von 49 Tagen und drei Stunden auf seinem Trimaran „Sodebo“ auf.

 2.284 Seemeilen ist nun Gabart im gleichen Zeitraum wie Coville weiter gesegelt – eine Strecke, die etwa der Entfernung zwischen den Kapverden und der karibischen Insel Martinique entspricht. 

Wie bereits mehrfach berichtet, haben Gabart und das Trimaran-Monster „Macif“ dabei mehrere Rekorde „mal eben so nebenher“ gebrochen, um zuletzt auch noch die schnellste Äquator-Äquator-Zeit aufzustellen, die jemals einhand unter Segeln geschafft wurde (30:04:45 Tage). 

Tausende Umdrehungen an der Kurbel – täglich © macif

Eigentlich erwartete der Rekordsegler, dass er nach Passieren des Äquators von den „Doldrums“, der innertropischen Konvergenzzone mit stark drehenden Winden und nur schlecht vorhersehbaren Schwachwindbereichen, ausgebremst wird. Doch Gabarts Tages-Etmal hat sich in den letzten 24 Stunden nur geringfügig reduziert (27,1 kn) und liegt nahezu exakt auf seiner Durchschnittsgeschwindigkeit, die er über die gesamte bisherige Strecke erreicht hat (27,3 kn). 

Körperlich und mental müde

Der junge Rekordsegler gibt sich – trotz seines beeindruckenden Vorsprungs auf Coville –  alles andere als siegessicher. In seinen nahezu täglich von Bord gesendeten Videos verbreitet er zwar weiterhin maximale Zuversicht und fast schon ansteckende gute Laune. Doch wird auch deutlich, dass der Mann müde und „gezeichnet“ ist von den Strapazen im Southern Ocean und dem zehrenden Schlafrhythmus.

So leistete er sich – nach langen, nahezu schlaflosen Passagen – in den letzten 24 Stunden die fast schon „normale“ Schlafzeit von 7:47 Stunden – jedoch aufgeteilt in dreißig bis vierzig Minuten lange Abschnitte, nach denen er immer wieder Boot und Umgebung checkt. Er sei mittlerweile sehr müde, sagte er kürzlich mit dennoch breitem Lächeln. Eine Müdigkeit, die langsam auch aufs Mentale übergreife. 

Vorsprung, so weit wie eine Atlantiküberquerung © macif

Auch seine Shore-Crew und Wetterrouter sind sich einig, dass nun – im Prinzip „kurz vor dem Ziel“ – eine besondere Herausforderung auf Gabart wartet: Durchhalten! 

„Marathonläufer sind am Ende ihres Laufs logischerweise müde und Segler eben gegen Ende ihres Törns!“ Das sei völlig normal, erklärt die Shore Crew. Man müsse eben nur richtig damit umgehen! 

Francois Gabart hat da so seine eigenen Mittel: „Ich drehe die Musik gerne mal für die eine oder andere Stunde voll auf,“ erzählte er kürzlich. „Das hebt gleich meine Laune. Dann überlege ich mir, was ich doch für ein privilegierter Mensch bin – mal ehrlich: wer hat schon so ein Glück, dass er auf solchen fantastischen Booten mal eben schnell um die Welt geschickt, dafür bezahlt und auch noch gefeiert wird?“

Musik und positive Gedanken sollen aber nicht als Ablenkung missverstanden werden, so Gabart weiter. „Ich muss jetzt in den nächsten Tagen bis ins Ziel voll konzentriert bleiben!“ Selbst kleine Fehler dürfe er sich nicht durchgehen lassen, zudem müsse er seinen Körper fit halten und letztendlich sein Schlafmanagement nochmals optimieren: kürzere Schlafphasen, und dennoch mehr Stunden im Reich der Träume. 

Die Medien sind bereit

Einen Check-Up verordnete Gabart auch seinem Trimaran. Nachdem er Kap Hoorn passiert hatte („auch mein Boot wird müde!“), sah man ihn im Video bei kleinen Arbeiten am laufenden und stehenden Gut. Stundenlang zog er Schrauben nach, kontrollierte Verschleißteile und, und, und… „Was man eben so als müder Krieger seinem Gaul Gutes tun kann“. 

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Macif aus Drohnenperspektive: Schön, wild… schnell © Liot/Macif

Zuhause in Frankreich laufen sich die Medien schon mal für die Ankunft ihres erklärten „Segel-Lieblings“ warm. Es kursiert die Vermutung, dass der Hype in der Vorweihnachtszeit um den Segelhelden noch größer werden wird, als es im letzten Jahr (kurz nach Weihnachten) mit Thomas Coville war (SR berichtete). Doch bis dahin sei es noch weit hin, ist man sich einig.

Und viele Redaktionen sind zudem ein wenig abergläubig: „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!“ war bereits in der Tageszeitung „Liberation“ zu lesen. Schließlich könne gerade im nördlichen Atlantik mit seinem hohen Verkehrsaufkommen (Handelsschifffahrt, Fischereiflotten etc.) viel mehr passieren als etwa im Southern Ocean – Eisberge und Growler hin oder her, wird Gabarts Router zitiert. Es gelte: Konzentriert bleiben!

PR-Show für “Ultim”-Trimarane

Ganz abgesehen von den eingefahrenen Rekorden und der unglaublichen seglerischen Leistung Gabarts ist diese Rekordfahrt aber auch eine gigantische Promo-Tour für die Ultim-Einhand-um-die-Welt-Regatta, die am 29. Dezember 2019 in Brest starten soll. Erstmals werden die (maximal) 32 Meter langen Ultim-Trimarane ganz so wie es derzeit Gabart vormacht, einhand im Regattamodus um die Welt geschickt. Fest gebucht sind bereits Gabart auf „Macif“, Armel le Cleac’h mit seinem nagelneuen Trimaran „Banque Populaire“, Thomas Coville auf einer neuen „Sodebo“ (noch im Bau) und Yves le Blevec auf „Actual“. 

Le Blevec segelte kürzlich vor der brasilianischen Küste unweit Gabart in Richtung Süden – der Bretone will auf seiner relativ betagten „Actual“ nonstop und einhand als erster Trimaran-Segler GEGEN die vorherrschenden Winde und Strömungen um die Welt segeln. Entsprechend wartet als erstes „Großes“ Kap das „Hoorn“ an der Südspitze des amerikanischen Kontinents auf le Blevec. Danach geht es weiter Richtung Australien, Kap der Guten Hoffnung.

Als weitere nahezu sichere Kandidaten für eine Teilnahme an der Weltumrundungs-Regatta gelten Sebastien Josse auf seiner neuen „Baron de Rothschild“ und Francis Joyon auf der etwas betagten „IDEC“. Zudem wurde kürzlich bekannt, dass auch Vincent Riou, Vendée Globe-Sieger von 2004, derzeit in der „heißen Phase“ einer Sponsorensuche für eben diese Regatta sei. Zunächst wurde gemunkelt, dass Riou den Rekordtrimaran „Sodebo“ nach der Route du Rhum im nächsten Jahr kaufen wolle, doch ist mittlerweile auch von ernsthaften Gesprächen mit „potenten“ Sponsoren die Rede, mit deren Hilfe ein neuer Trimaran für Riou gebaut werden soll. Veranschlagte Kosten: 20 Millionen Euro. 

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Rekordsegeln: Francois Gabart mit 4 Tagen Vorsprung in die Doldrums – neuer Äquator-Rekord“

  1. avatar breizh sagt:

    Unter 1.000 sm. Da kann MiKu ja schon einmal der Bericht anfangenzu schreiben und Francois Gabart wird noch genug Zeit vor Weihnachten haben auszuschlafen und noch Weihnachtsgeschenke für seine Lieben zu besorgen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar Breizh sagt:

    Am Ziel!!!
    Jetzt wird es aber Zeit diese Leistung auch hier einmal zu würdigen. Oder ist u. U. jemand sogar vor Ort und sammelt noch live Informationen ein.

    Formidable François!

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