Rekordsegeln Porträt: Hannah White will auf foilender Extrem-Motte schnellste Frau werden

Rasante Moderatorin

Ein Leben an der Windkante: Als TV-Kommentatorin für die Extreme Sailing Series, als Einhand-Transatlantik-Seglerin und nun als rasende Rekordjägerin. Ärmelkanal-Rekord auf Moth fürs Guiness-Book.

Die anglofone Segelwelt hält sie schon seit Jahren in Atem. Ob als Event-Moderatorin und TV-Kommentatorin, die ihrem Publikum spannende Regattasituationen anschaulich und mitreißend näher bringt oder als Einhand-Seglerin bei diversen Transatlantik-Überquerungen – die erst 32-jährige Hannah White ist für viele Briten „das TV-Gesicht“ im wahrsten Sinne der Worte, wenn es um Segeln geht.

Hannah White, Weltrekord, Foil, Speedbird

Natürlich ist gutes Aussehen überhaupt nicht wichtig beim Speedsegeln – aber es hilft! © speedbird

Mit ihrer erfrischend lockeren Art moderiert sie derzeit unter anderem die Extreme Sailing Series und debütierte kürzlich beim America’s Cup in Portsmouth und Göteborg für den britischen TV-Sender BT Sport als Kommentatorin. Zwischendurch nimmt sich die sympathische Abenteuerin (wie sie sich selbst in den sozialen Medien bezeichnet) dann auch noch die nötige Zeit, um mal eben schnell quer durch England zu paddeln oder an Extrem-Ausdauersportevents wie der Haute Route (Alpenquerung mit dem Rennrad) höchstpersönlich teilzunehmen.

Und ihre im vergangenen Jahr mit sehr viel Erfolg ausgestrahlte TV-Serie „Go hard or go home“, in der sie eher unsportliche Menschen in drei Monaten für eine extremsportliche Höchstleistung vorbereitete, wurde vom Publikum zu einer der beliebtesten Sendungen Großbritanniens gewählt.

Hannah White, Weltrekord, Foil, Speedbird

Als Moderatorin immer an der Front – hier als Gastseglerin bei Oracle © white

Erfrischend extrem

Doch bei aller Abenteuerlust hängt ihr Herz, und das betont sie immer wieder, hauptsächlich „an der Fortbewegung auf den Wassern unter Segeln“.

So eroberte sie die Herzen (nicht nur) der britischen Segler, als sie beim OSTAR die 3.200 Seemeilen auf der Nordatlantikroute als Zweite beendete – logisch, dass sie „live“ von Bord berichtete. Später wurde ihr der „OSTAR-Media Award“ von den Zuschauern verliehen.

„Das ist alles nichts im Vergleich zu dem, was ich mit ‚Speedbird“’ vorhabe,“ unterstreicht Hannah White. „Vom Langstreckensegeln zum Rasen auf kürzester Distanz – eine völlig neue Welt, die sich mir da öffnet!“

Hannah White, Weltrekord, Foil, Speedbird

Von der Langstreckenseglerin zur Rekordjägerin: Hannah White © speedbird

Klartext: Hannah White wird beim Einhand-Segeln bleiben, konzentriert sich aber mit dem Projekt „Speedbird“ auf ein einziges Ziel: Den Segel-Geschwindigkeitsrekord für Frauen über eine Seemeile.

Der steht derzeit bei 34.74 Knoten und wurde von der Windsurferin Zara Davis 2006 in der Walvis Bay, Namibia aufgestellt.

Sechs-Meter-Geschoss

Hannah White will nun wiederum den Rekord auf einem völlig neuartigen Geschoss in Angriff nehmen: Die „Speedbird“ besteht aus einem aerodynamisch (nicht hydrodynamisch!) aufgebauten, extrem schmalen, sechs Meter langen Kohlefaserrumpf, der durch einen Foil etwa einen Meter aus dem Wasser gehoben wird und (wohl) nur auf einem Bug gefahren werden kann. „Der Rumpf wiegt nicht mehr als acht Kilogramm –damit kann ich die 40 Knoten knacken!“ gibt sich die Britin optimistisch.

Seglerisch bereitete sich die Britin schon seit mehr als einem Jahr auf einer Foil-Moth vor. „Es macht mir diebischen Spaß, mit diesem Teil übers Wasser zu heizen. Allerdings wurde mir nichts geschenkt. Bis ich den Flugmodus wirklich ‚drauf hatte’, bin ich hunderte Male baden gegangen!“

Hannah White, Weltrekord, Foil, Speedbird

Hannah vor ihrer “Speedbird” im Science Museum of London © speedbird

Auf Foils durch den Ärmelkanal

Dass sie die Motte nun in jeder Flugphase, vor allem aber auch unter außergewöhnlichen Bedingungen beherrscht, zeigte Hannah White mit der „ersten Durchquerung des Ärmelkanals auf einer foilenden Jolle“, die ihr wohl einen Eintrag ins Guinness Book of World Records“ einbringen wird.

Im Mai wurde das Projekt „Speedbird“ einem breiteren Publikum, bezeichnenderweise gleich schon mal im Londoner Science Museum vorgestellt. Mit finanzieller Unterstützung und dem technischen Know-how ihres (langjährigen) Sponsors Land Rover – der ja bekanntlich auch bei Ben Ainslies America’s Cup-Kampagne als Hauptsponsor auftritt und für Hannah White angeblich 250.000 Pfund locker machte – war es möglich geworden, die Sechs-Meter-Rakete innerhalb kürzester Zeit fertig zu stellen.

„Dennoch sind wir jetzt in der heikelsten Phase des Projektes,“ macht Hannah White deutlich. „Wir müssen alles auseinander nehmen und Stück für Stück erneut zusammensetzen, im Prinzip die Performance jedes einzelnen Teils von Speedbird unter realen Segelbedingungen testen, analysieren und entsprechend anpassen. Eine Heidenarbeit!“

Hannah White, Weltrekord, Foil, Speedbird

Können Frauen so ein Geschoss segeln? Diese Frage sollt Hannah White lieber nicht gestellt werden © speedbird

Denen werd’ ich’s zeigen

Bei den ersten Trainingsfahrten auf der „Speedbird“ staunte Hannah White jedenfalls nicht schlecht angesichts des Speeds, den sie auf ihrem rasenden Vogel erreichen konnte. „Wenn du bei solchen Geschwindigkeiten abgeworfen wirst, sind üble Verletzungen möglich,“ sagt Hannah White etwas besorgt. „Und genau die gilt es zu vermeiden!“

Hannah White, Speedbird

Hannah im “Anflug” bei Dover © speedbird

Doch damit wird frau locker fertig werden – Hannah White zeigt sich in jeder Hinsicht zuversichtlich, dass sie den Rekord knacken wird. „Schon allein weil ich es den ewigen Zweiflern und Nörglern zeigen will. Das sind übrigens zum größten Teil Männer, die es einer Frau einfach nicht zutrauen, so ein Geschoss zu beherrschen. Wenn wir Speedbird am Ufer aufriggen, werden immer die Techniker gefragt, wie lange sie denn schon damit segeln. Auf die Idee, dass eine Frau so ein Teil beherrscht, kommt hier erstmal keiner. Aber denen werden ich es zeigen!“

Facebook Hanna White

Project Speedbird

 

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Michael Kunst

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