Rekordsegeln: Erstmals unter 24 h. „Maserati“ bricht Fastnet-Rekord – Soldini: „fantastico!“

Dreifacher Soldini

In nur vier Wochen unterboten Giovanni Soldini und seine Crew auf ihrer MOD 70 „Maserati“ drei Rekorde im Ärmelkanal. Spektakulär: Erstmals blieb ein Segler auf der legendären Fastnet-Race-Strecke unter 24 h! 

Dass für Herrn Soldini letztendlich nur Speed, Geschwindigkeit und demzufolge Rekorde im Berufsleben zählen, dürfte sich mittlerweile in Segler- und im Besonderen in SR-Leserkreisen herum gesprochen haben. Auf unterschiedlichen Booten, aber immer mit dem gleichen Sponsor „Maserati“ rast(e) der Italiener wie besessen über mehr oder weniger lange Strecken und Routen, um in geeigneten Wetterfenstern die vorherigen Rekorde zu pulverisieren. Ob im Pazifik, Atlantik, Indischen Ozean oder im heimatlichen Mittelmeer – der Italiener galt und gilt als „Jäger der exotischen Rekorde“. Nicht zuletzt, weil er es im Laufe der letzten Jahre immer wieder schaffte, im richtigen Wetterfenster auf der richtigen Route zu segeln. 

Jäger der exotischen Rekorde

„Richtig“ soll in diesem Fall durchaus medial gemeint sein. Denn Soldini versteht es wie kaum ein anderer, eher unbekannte Rekordstrecken so zu mediatisieren, dass sie auch für uns Europäer plötzlich einen gewissen Stellenwert bekommen.

Drei Rekorde in vier Wochen – die Soldini-Crew war äußerst erfolgreich © maserati/soldini

Das war schon früher so, als er noch auf einem ehemaligen Volvo Ocean Racer unterwegs war und etwa den Geschwindigkeitsrekord auf der „Goldgräberroute“ aufstellte oder die Teeklipper-Route von San Francisco nach Shanghai in neuer Bestzeit bewältigte. Vor acht Jahren war das und als Navigator diente damals der jetzige  deutsche Vendée Globe-Star Boris Herrmann an Bord des Renners mit dem „schnellen Namen“. 

Mittlerweile kann sich Giovanni Soldini jedoch auf ein Geschoss verlassen, mit dem er zwar beim direkten Vergleich mit gewissen Platzhirschen aus Frankreich in Sachen absoluter Höchstgeschwindigkeit nicht mithalten kann, das aber aufgrund von Durchhaltevermögen respektive Robustheit reichlich Potential für Rekorde aufbietet. Seit 2017 macht der Italiener auf einem umgebauten MOD70-Trimaran die Weltmeere unsicher. Er mischte das RORC Caribean Race auf, wurde Dritter beim Transpac (TransPazifik), stellte einen neuen Rekord auf der Tea Clipper Route von Hongkong nach London auf und gewann das ROC Atlantic Race. Um nur wenige Triumphe zu benennen. 

Vor der Haustüre von Sodebo & Co

Anfang April 2021 wagte sich Soldini mit seinem Team jedoch in die „Höhle der Löwen“, als er seinen MOD70  nach Cherbourg überführte, um im angrenzenden Ärmelkanal gleich drei Rekorde in Angriff zu nehmen. Normalerweise dominieren hier die Franzosen mit ihren 100-Fuß-Trimaranen wie Gitana, Banque Populaire oder Sodebo die Rekordstrecken. Doch Soldini hat sich in der „Rekordsaison“ – Ende Winter, Anfang Frühjahr – geschickt positioniert, um sich drei interessante Triumphe zu gönnen. In nur vier Wochen gab es leistungsstarke Wetterfenster, die Rekordfahrten von Plymouth nach La Rochelle (12 Stunden, 15 Minuten, 21 Sekunden), von Cowes nach Dinard (4 Stunden, 30 Minuten, 49 Sekunden) und auf dem Fastnet-Originalkurs (23 Stunden, 51 Minuten, 16 Sekunden) ermöglichten. Ein dreifacher Soldini, sozusagen. 

An Bord des Trimarans ackerten neben Giovanni Soldini: Guido Broggi, Carlos Hernandez Robayna, Oliver Herrera Perez, Gerardo Siciliano und Matteo Soldini.

Erstmals unter 24 h rund Fastnet

Besonders interessant ist der Rekord auf dem Fastnet-Race-Originalkurs: 595 Seemeilen von Cowes nach Plymouth in 23: 51:16 Stunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 24,94 Knoten. Nur etwas mehr als eine Stunde entschied über ein prestigeträchtiges Ergebnis, denn die bisherige Zeit, 25 Stunden, 4 Minuten und 18 Sekunden, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 23,73 Knoten, wurde erst einen Monat zuvor von Peter Cunninghams MOD70 PowerPlay aufgestellt. Soldini und Crew gelang es somit als Ersten, den legendären Kurs in einer Zeit unter 24 Stunden abzusegeln.

Immer wieder cool: MOD70 in action © maserati

Der neue Rekord steht noch unter dem Vorbehalt der Ratifizierung durch das World Sailing Speed Record Council.

Der erste Teil im Solent war langsam, aber kurz danach blies der Wind stärker. Soldini: “Es war hart, beim Segeln zum Lizard Point wehte der Wind sehr stark: Wir segelten mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von 34/35 Knoten für ein paar Stunden und es war großartig.

Strahlemann Soldini – italienischer Rekordjäger mit schnellem Sponsor © maserati

Von dort segelten wir raumschots zum Fastnet mit 25/30 Knoten Wind. Unweit der Ziellinie erwischten wir noch einige unerwartete Leichtwinde, aber wir haben in der Nacht einen schönen Vorsprung aufgebaut!“ 

Soldini und seine Crew verstehen solche Rekordfahrten auf dem „Maserati“-Tri übrigens auch als „Testlabor“ für neue Verbundstoffe, Risse und Designs. So wurden diesmal zwei völlig neu gestaltete Ruder getestet, die sich lt. Soldini als „fantastico“ erwiesen. 

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Michael Kunst

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