Rettungsring: Genialer U-Safe schwimmt zum Verunglückten – wann kommt er auf den Markt?

Rettungsring mit E-Motor

Ein Rettungsring, der ferngesteuert oder autonom zum Verunglückten schwimmt – das U-Safe könnte eine Menge Menschenleben retten. Doch drei Jahre nach den ersten Prototypen gibt es offenbar immer noch kein Serienprodukt.

Zugegeben, es gibt mittlerweile eine Menge Produkte auf dem Markt, die mit manchmal eher zweifelhaften Funktionen unser Leben retten sollen, nachdem wir etwa über Bord gefallen, als Schwimmer im offenen Wasser oder in Strandnähe in Not geraten sind und Hilfe benötigen. Denken wir nur an gewisse Schwimmwürste, die sich im Notfall selbst aufblasen sollen… und die im Wind ziemlich schnell auf und davon fliegen.

Die gute alte Rettungsweste (möglichst in modernster technischer Ausführung) gilt weiterhin als das wohl sicherste Mittel, um Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren bzw. Ihre Überlebenschancen im Wasser deutlich zu erhöhen. Und auch ein Rettungsring, der den in Not geratenen Personen zugeworfen wird, hat bekanntlich bereits unzählige Menschenleben gerettet.

Wie weit kann man einen Rettungsring werfen?

Beide „Klassiker“ haben jedoch einen gemeinsames Problem: Sie müssen logischerweise entweder „am Mann“ (Schwimmweste) getragen bzw. in unmittelbarer Nähe der in Not geratenen Person verfügbar und somit greifbar sein (Rettungsring/Rettungsboje). 

Insbesondere letztgenanntes Rettungsmittel zeigte in Sachen Verfügbarkeit immer wieder Schwächen. Wenn beispielsweise auf einer mit 13 Knoten dahinglitschenden Yacht ein Mitsegler über Bord fällt, ist der (im Idealfall) ein paar Sekunden später hinterher geworfene Rettungsring schon Dutzende Meter vom Verunglückten entfernt. „Ein paar Meter“, die letztendlich schon zu viel sein können. 

Das gilt auch für Schwimmer, die etwa vor einem felsigen Küstenabschnitt in Not geraten sind und an die Hilfswillige mit ihren Booten nicht nahe genug heran kommen, um einen Rettungsring abzuwerfen. 

Deshalb haben sich in den letzten Jahren immer mehr sowieso schon auf Rettungsmaßnahmen spezialisierte Unternehmen, aber auch junge, innovative Startups damit beschäftigt, wie man den Rettungsring als erste Hilfsmaßnahme verlässlich zum Verunglückten schafft. 

So werden mittlerweile an einige Stränden der Welt von Rettungsorganisationen Drohnen eingesetzt, die Rettungsringe rasch als erste Hilfsmaßnahme zu den Verunglückten fliegen. Während sich die Rettungsschwimmer auf dem Weg zu den Verunglückten noch auf ihren Boards durch die Wellen kämpfen (SR-Bericht). 

Simple, aber geniale Idee

Die Macher des U-Safe Rettungsrings verlassen sich dagegen darauf, dass ihre Rettungsmaßnahme selbstständig zur verunglückten Person fährt. Die Idee ist simpel: Baue einen Rettungsring mit einer festen Schale und relativ hoher Tragfähigkeit, versehe ihn mit zwei Elektromotoren zwecks Vortrieb und statte ihn mit einem GPS-System und einer Funkfernsteuerung aus. 

So kann der U-Safe-Rettungsring etwa von einem Boot oder vom Strand aus zum Verunglückten “geschickt“ werden, der oder die sich am Ring festhält und somit erstmal vor dem Gröbsten gesichert ist. Der Clou: Die Motoren des Rettungsrings sind stark genug, um die in Not geratene Person sicher zum Strand oder zu einem weiter entfernt wartenden Boot zu bringen. Clou Nr.2: Der motorisierte Rettungsring hat sogar ein eigenes Navigations- und Suchsystem, dank dem es in der Lage ist, das „Ziel“ selbst zu orten und selbständig anzusteuern. 

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Stell Dir vor, der Rettungsring kommt zu dir gefahren, wenn du in Nöten bist © noras

Das portugiesische Unternehmen Noras Performance stellte erste Prototypen ihres U-Safe-Rettungsrings bereits 2013 der Öffentlichkeit vor. 2017 war das Rettungsmittel serienreif – doch mit einer Produktion in größeren Stückzahlen wurde offenbar nie begonnen. 

Dabei hatte Noras Performance für ihre „U-Safe Life Save Buoy“ eine Menge Zuspruch erhalten. Der motorisierte Rettungsring gewann internationale Design- und Innovationspreise, wurde von Lebensrettungsgesellschaften getestet und mit „höchst effizient“ bewertet. Und es gab Anfragen von Händlern auf der ganzen Welt, die das Produkt in ihr Sortiment aufnehmen wollten. 

Gute Publicity, aber offenbar noch keine Serienproduktion

Doch selbst eine Kooperation mit dem Volvo Ocean Race, wo die U-safe-buoy medien- und publikumswirksam in mehreren Etappenhäfen vorgeführt wurde, brachte offenbar nicht den erhofften Durchbruch. 

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Kommt sogar mit Brandungswellen klar! © noras

Der letzte Facebook-Eintrag von Noras Performance stammt vom März 2018 und auch SR-Anfragen beim Unternehmen blieben unbeantwortet. 

Bleibt nur zu hoffen, dass diese geniale (weil simple) lebensrettende Maßnahme nicht sang- und klanglos in der sprichwörtlichen Versenkung verschwindet. Dorthin, wo eigentlich so manches andere, vermeintlich lebensrettende Produkt, hingehört… 

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