Revierprofil: Segeln rund um die mittelgriechische Insel Euböa

Einsames Traumrevier

Die zweitgrößte Insel Griechenlands bietet ein fantastisches – und kaum entdecktes – Segelrevier für Familien. Nach dem Törnbericht hier die wichtigsten Infos und Tipps:

Richtige Regenschauer sind in der Ägäis eher selten © Carl Victor

Revier: Euböa bietet relaxtes Segeln an seiner Südwest-Küste, an seiner dem Meltemi ausgesetzten Nordost-Küste kann gute Seemannschaft gefragt sein.
Seekarten: Imray G25, 26.
Nautische Literatur: Rod Heikell: „Greek Waters Pilot“, Gerd Radspieler: „Törnführer Griechenland“, Teil 2 und 4.
Wind & Wetter: Von Juni bis September sollte das Revier vom Meltemi dominiert werden. Meist bläst er aus nordöstlichen Richtungen mit vier bis sechs, am Nachmittag kann er auch sieben erreichen. Der Schirokko ist ein Wind der Vor- und Nachsaison Wetterberichte: Wir orientierten uns an den Prognosen von www.windfinder.com und dem aus dem Internet über https://seaman.wetterwelt.de herunter geladenen „Seaman“-Wetterbericht.
Leuchtfeuer & Seezeichen: Das Revier ist gut betonnt und befeuert. Einige Buchten sollte man jedoch nachts nicht anlaufen.
Gezeiten & Strom: Der Tidenhub kann im Nordhafen von Chálkis bis zu 0,8 Meter betragen. Unter der Chálkis-Brücke kann der Strom mit bis zu sieben Knoten laufen.
Navigation: Terrestrisch. Der Plotter ist eine wertvolle Hilfe.
Beste Zeit: Juni bis September.
Anreise: Skiáthos wird während der Urlaubssaison von vielen Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus angeflogen. Sonst muss man den Umweg über Athen nehmen.
Einreise & Zoll: EU- und Schengenland.
Sprache: Griechisch. Englisch wird fast überall verstanden.
Klima: Mediterran. Der Meltemi mildert die Sommerhitze.
Kleidung: Leichte Baumwollkleidung reicht für den Landgang. An Bord sollten Pullover und Ölzeug nicht fehlen.
Sicherheit: Griechenland gilt als eines der sichersten Reiseländer.
Reiseführer: Peter Kanzler, Andreas Neumeier: „Nord- und Mittelgriechenland“, im Michael Müller Verlag. Als Urlaubslektüre bieten sich die Bücher von Pétros Márkaris an. Besonders beliebt – weil spannend und unterhaltsam – sind seine Krimis mit Kommissar Kostas Charitos.

Die Insel Euböa in Mittelgriechenland © Jan Bindseil

Gezeitenströme: Entlang der Nordost-Küste setzt der Oberflächenstrom mit um die 0,5 Knoten nach Südost. In der Anfahrt zum Südhafen von Chálkis läuft Gezeitenstrom mit 0,5 bis 1 Knoten. Der Tidenhub im Nordhafen beträgt bis zu 0,8 Meter. Dann läuft in der Enge von Chálkis der Strom mit bis zu sieben Knoten südwärts. Im nördlichen Golf von Euböa und im südwestlichen Teil des Oreí-Kanals trifft man auf einen Gezeitenstrom von 1 bis 1,5 Knoten, in der Passage zwischen Kap Kinaion und den Likhades Inseln mit 2 bis 2,5 Knoten.
Taktik: Rund um Euböa sollte man immer im Uhrzeigersinn segeln. In dem einem Binnensee ähnlichen und gut geschützten Revier vor der Südküste lässt sich leicht Nord machen. Die windreiche Nordost-Küste kann man dann mit Halbwind bis raumschots südwärts segeln.
Yachtliegeplätze in Häfen: Die Bereiche sind in fast allen griechischen Häfen farblich markiert:
Rot: Reserviert für Yachten. Sie dürfen hier längsseits gehen oder r. k. anlegen.
Gelb: Für Yachten verboten. Meist der Berufsschifffahrt vorbehalten
Keine Markierung: Hier entscheidet der Hafenmeister nach seinem Ermessen.
Diesel: Auf dem gesamten Törn gab es keine Tankstelle im Hafenbereich. Ein Minitanker kam in Oreí, sonst nur wenn genügend Boote anfragten. Meist aber muss man Treibstoff von den Tankstellen holen. Dazu benötigt man Kanister an Bord.
Wasser & Strom: Zapfsäulen für Wasser und Strom sind in den meisten Häfen installiert, doch funktioniert kaum eine.
Duschen: Duschen sind in Griechenlands Häfen weitgehend unbekannt. Meist liegen die Häfen jedoch nahe an einem Badestrand, wo es immer Süßwasserduschen gibt.
Mückenschutz: Nicht jeder Hafen und Ankerplatz auf Euböa ist frei von Mücken. Daher Schutzmittel nicht vergessen.

An der Brücke von Chalkis beginnt der schmale Kanal zwischen Euböa und dem Festland. Hier wechselt der Strom alle sechs Stunden seine Richtung © Carl Victor

Chalkis

Betonnung: Vorsicht! Hier wechselt die Betonnung. Kommt man von Süden, bleibt südlich der Brücke Rot an backbord, nördlich davon aber an Steuerbord!
Gezeitenstrom: Bei der Durchfahrt ist mit einem Tidenstrom von zwei bis vier Knoten zu rechnen. Liegt man in Warteposition am exponierten Teil der Südmole, kann er dort mit bis zu sieben Knoten laufen.
Durchfahrt: Nach der Ankunft meldet man sich bei der Hafenpolizei. Dort wird kontrolliert, ob für das Schiff die Steuer bezahlt wurde, zudem bekommt man einen Termin für Informationen zur Kanaldurchfahrt. Danach geht man zum direkt hinter dem Eingang zum Südhafen liegenden „Kiosk“, wo man die Gebühr bezahlt. Beim Informationstermin erfährt man die ungefähre Zeit für die Durchfahrt und ab wann man Stand-By auf Kanal 12 auf Anweisungen warten muss. Die Brücke öffnet üblicherweise zwischen 21.00 und 02.30 Uhr. Wichtig ist die Befeuerung! Ein weißes Licht steht für „Brücke geschlossen“. Grün-weiß-grün bedeutet „Brücke offen für Verkehr in Nord-Süd-Richtung“, rot-weiß-rot „Brücke offen für Verkehr in Süd-Nord-Richtung“. Von ausgefallenen Lichtern sollte man sich nicht nervös machen lassen. Nach der Durchfahrt, geht man im Nordhafen längsseits an die östliche Mole. Nicht überall ist das Wasser tief genug, deshalb sollte man vorab die Lage peilen. Im Segelführer ist zu lesen, dass die Brücke jeden Freitag geschlossen bleibt! Da die Brücke auch mal nicht öffnet, ist es ratsamer, den Törn ab Athen oder Lavrion zu segeln, um Zeitreserven zu haben.

Auf den Meltemi ist in der Regel Verlass. Er baut sich tagsüber auf und flaut gegen Abend wieder ab © Carl Victor

Windverhältnisse

Meltemi: Von Juni bis Oktober kann man mit diesem Wind der Ägäis rechnen. Im Bereich Euböa weht er meist aus Nordost. Hält er sich an die Spielregeln, setzt er am Vormittag ein, am Nachmittag erreicht mit fünf bis sechs seine größte Stärke, bevor er abends abflaut. Er kann aber auch tagelang blasen und, bei Sonne und strahlend blauem Himmel, Windstärke sieben und sogar acht erreichen.
Schirokko: Mit diesem Wind aus südöstlichen Richtungen macht man meist nur in der Vor- und Nachsaison Bekanntschaft. Er erreicht dann nicht selten Sturmstärke und hat immer Schlechtwetter und Regen mit im Gepäck.
Fronten: Vor durchziehenden Tiefs ist man in der Ägäis nie sicher. Fallendes Barometer und Südwest-Wind, der den Meltemi abwürgt, sind erste Anzeichen. Bei Durchzug der Front, dreht der Wind auf West und springt in der Folge auf Nordwest um. Im Herbst und im Frühjahr sollte man sich dabei auf heftige Böen und manchmal auch schwere Gewitter einstellen.
Medicane: Diese „Mittelmeer-Hurricanes“ treten in letzter Zeit häufiger auf, sodass man sie als Segler in den Törnplan miteinbeziehen sollte. Sie bilden sich meist im südlichen Ionischen Meer aus, erreichen Windstärke elf und können – wenn auch abgeschwächt – weiter in die Ägäis ziehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *