Rund Um den Bodensee: Bericht von der Kult-Veranstaltung im Süden

Geräusch von brechendem Holz

Startgewusel bei der Rund Um 2011. © Juerg Kaufmann

Freitag, 15:00 Uhr

Wie jedes Jahr komme ich nach einem arbeitsreichen Tag nicht zu meinem geplanten Mittagschlaf. Dabei hätte ich ihn doch so nötig gehabt, um bei der bevorstehenden Langstrecken Nachtregatta die nötige Ausdauer zu haben. Was soll’s, schnell die Sachen gesammelt und auf in den Hafen.

Dort finde ich noch eine gelassene Ruhe vor, die nur in Ansätzen darauf schließen lässt, dass hier in knapp vier Stunden 350 Schiffe starten wollen.

16:00 Uhr

Klassenvielfalt bei der Rund Um den Bodensee. © Juerg Kaufmann

Pünktlich erscheint der Skipper mit seiner Picco 30, einem Lake-Racer aus Italien, in Lindau und wir beginnen die Vorbereitungen für die Nachtregatta. Dieses Mal auf eine etwas andere Art und Weise. Ich habe einen Tisch, abgelegen vom Rummel, für uns reserviert, wo wir uns ein wunderbares 3-Gänge-Menü schmecken lassen.

Im Hafen tummeln sich derweil immer mehr Segler und die Päckchen werden bis auf sieben Reihen erweitert. Wer zuerst da ist, kann eben auch zuletzt wieder raus!

18:30 Uhr

Wir können uns kaum noch bewegen und die Müdigkeit überkommt mich nach dem wunderbaren Essen. Wir torkeln Richtung Schiff und werden schon sehnsüchtig erwartet. Zweite Reihe im Päckchen und unser Nachbar hat es doch ein bisschen eiliger als wir in diesem Moment.

Am Bahnübergang auf die Insel telefoniert ein Segler mit seinem Skipper. „Ja ich komme noch –  bin gleich da – Bahnschranke halt wieder!“ Er setzt nach dem Öffnen der Schranken zum finalen Sprint in Richtung Hafen an.

19:30 Uhr

Start! Wir erwischen eine sensationelle Position am Startschiff und können schnell frei lossegeln. Nach zwei, drei Wenden haben wir frei Fahrt. Die Stimmung an Bord steigt. Wind aus West mit zwei Beaufort lässt auf eine gute Nacht hoffen.

Die restlichen 338 Teilnehmer kommen auch gut weg. Aber wie jedes Jahr ist es sehr eng. Neben uns zu eng! Ein 38 Fuß Schiff hat zu wenig Platz, zu viel Fahrt, kein Raum und erwischt ein Holzschiff gleicher Größe. Volle Breitseite! Das Geräusch von brechendem Holz lässt auch den Zuschauer auf dem Startschiff kurz innehalten.

21:00 Uhr

Es beginnt zu regnen! Der Wetterbericht hatte wohl doch Recht, auch wenn ich es nicht glauben wollte. Wir kreuzen in TopTen Position Richtung erster Bahnmarke in Romanshorn.

Die ersten Katamarane und Liberas haben derweil die erste Bahnmarke hinter sich und sind auf dem Weg zur zweiten Bahnmarke in Konstanz. Favorit Ralph Schatz mit seinem neuen „SL 33 Black Jack“ muss wegen technischer Probleme das Rennen abbrechen.

22:30 Uhr

Wir runden mit einem großen Pulk die erste Bahnmarke in Romanshorn. Der Wind hat leider in der letzten Stunde so gedreht, dass wir viele Plätze verloren haben. Am Fass schläft der Wind auch noch ein. Alle schweren Schiffe schieben mit letzter Fahrt an uns vorbei.

Doch die Hoffnung kommt eine halbe Stunde später. Wir können den Spi setzten und uns bei leichter Brise nach Konstanz durchkämpfen. Genau unsere Bedingungen, wir lassen fast alle stehen und kämpfen uns in die Spitzengruppe zurück. Mittlerweile sind die Kats und Liberas schon auf dem Weg nach Überlingen oder sie haben die Tonne dort schon gerundet.

Samstag, 00:00 Uhr

Wir nähern uns Konstanz und stellen mit großer Freude fest: zurück im Rennen! Direkt vor uns erkennen wir die Führenden unserer Gruppe. So nah hatten wir sie nicht erwartet. Wir geben extra Gas für den Endspurt. Kämpfen!

Derweilen hat die Wettfahrtleitung entschieden, das Große Blaue Band in Konstanz abzukürzen und alle Teilnehmer zurück nach Lindau zu schicken. Wettfahrtleiter Huber Henzler kommentiert seine Entscheidung bei der Siegerehrung „Wir wollten Sie nicht im Regen stehen lassen“.

00:20 Uhr

Wir runden die Boje in Konstanz und freuen uns, dass es nach einem günstigen Winddreher wieder mit Spi Richtung Lindau geht! Die Stimmung an Bord ist gut und wir freuen uns schon über ein schnelles ankommen.

Ein bisschen gebremst in unserer Euphorie werden wir, als uns der erste Katamaran „Holy Smoke“stehen lässt wie ein Stück Treibholz. Dabei sind wir mit 5 kn bei 1-2 Beaufort gar nicht so langsam.

Samstag, 02:00 Uhr

Die angesagt Kaltfront hat uns erreicht und bringt viel Wind mit. In Spitzenböen stehen 30 Knoten auf dem Windspeed-Messer. Im Vollglitsch rasen wir mit 14 Knoten Richtung Lindau. Die Wellen werden immer größer. So langsam wird es doch kritisch. Jetzt nur nicht blöd in einer Welle stecken bleiben.

Derweil hat „Holy Smoke“, SUI 44 von Albert Schiss, YC Arbon um 2.11 Uhr als erstes Schiff die Ziellinie überquert und das Blaue Band gewonnen.

Samstag, 02:20 Uhr

Ich muss ein zweites Mal hinsehen und hab mich doch nicht getäuscht. Neben uns wurde schon zum zweiten Mal Rot geschossen. Hektisch packen wir die Segel ein. Gar nicht so leicht bei 25 kn Wind und völliger Dunkelheit.

Am Unglücksort angekommen erkennen wir ein gekentertes Boot. Der Spinnaker hat sich um das Vorstag gewickelt und hält den Mast wie ein Treibanker auf dem Wasser. Die Crew ist wohlauf und klammert sich am Schiff fest. Aufgrund des starken Seegangs können wir den Spi nicht lösen. Nach zehn Minuten erreicht uns die Wasserschutzpolizei. Wir überlassen ihnen die Situation und setzen wieder die Segel. Der Wind pfeift immer noch ordentlich und wir kämpfen uns weiter Richtung Ziel.

Samstag, 03:00 Uhr

„Ballyhoo“ eine Farr 36 erreicht als erstes herkömmliches Schiff, dicht gefolgt von Magic Lady einer OD35 das Ziel in Lindau.

Samstag, 04:00 Uhr

Die letzten Meter müssen wir doch noch einmal kreuzen. Wir kämpfen uns dicht unter dem deutschen Ufer Richtung Lindauer Insel. Meine Anspannung steigt, ich taktiere uns am Ufer entlang, aber wo genau waren die Untiefen? Am Bodensee ist Nacht ja nichts beleuchtet…

Um 4:27:45 Uhr erreichen wir als 22tes Schiff das Ziel. Wir sind stolz auf unsere Leistung! Gerechnet in ORC werden wir schlussendlich als 4 gewertet, eine super Leistung.

Bis um 8:00 Uhr sind bereits 250 Schiffe im Ziel. Als schnellstes Schiff des Kleinen Blauen Bandes erreicht die „Alice“ vom Niclas Stumpp um 5:32:28 Uhr das Ziel.

Nachts als es regnete und stürmte fragt man sich schon, habe ich mich durchaus gefragt, warum ich mir das immer wieder antue.  Aber im Ziel ist das vergessen. Wie gedes Jahr. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein.

Im Clubhaus des LSC treffe ich viele Bekannte und Freunde, die alle ein Lachen im Gesicht haben. Bei Weißwurst und Weißbier tauschen wir die Erlebnisse der Nacht aus. Das gibt der Rund Um die Würze. Herrlich! Bis zum nächsten Mal.

Ergebnisse

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