Sailing Conductors: Letzter Afrika-Törn nach Kapstadt

"Marianne" wieder unterwegs

Sailing Conductors, Marianne, Kapstadt, Weltumseglung

Cool ist Pflicht an Bord der “Marianne” © sailing conductors

Die segelnden Dirigenten sind nach mehrmonatiger Pause wieder unterwegs. Gerade haben sie ihren letzten Törn vor Afrika nach Kapstadt absolviert – bald geht’s über den großen Teich nach Südamerika. Doch vorher sollen noch letzte Jam-Sessions mit afrikanischen Musikern gespielt werden! Kapitän Ben Bart und Smutje Hannes Hafenklang berichten

Plötzlich ging alles ganz schnell: Der Wetterbericht in Knysna sagte voraus, dass der Wind innerhalb der nächsten 2 Tage auf Ost drehen würde. Zwar mit bis zu 35 Knoten, aber das sollte unser Dickerchen wohl aushalten können. Da wir ja keinen Windmesser haben und uns bisher bei viel Wind immer darum stritten, ob das nun 20, 30 oder mehr Knoten wären, konnten wir dank Vorhersage endlich mal unser Windgefühl kalibrieren.

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Etwas kritische Hafenausfahrt – schön, aber untief © sailing conductors

Obwohl es in der Featherbay von Knsyna beim Ankerlichten komplett windstill war, gestaltete sich die Ausfahrt doch etwas schwieriger als gedacht. Zwischen zwei riesigen Felsen führt eine schmale Fahrrinne aus der Bucht. Dicht auf unserer Steuerbordseite mahnten uns schroffe Felsen, nicht zu nahe zu kommen, doch auf der Backbordseite sah es auch nicht viel besser aus: Bis zu 2 Meter hohe Wellen brachen am Riff, das den Kanal zur anderen Seite begrenzt.

Es wurde also mächtig wackelig an Bord und ein paar unserer “gut verstauten” Wasserkanister wollten nicht mehr an ihrem angewiesenen Platz bleiben. Doch der Käpt’n bewies gutes Augenmaß und schon waren wir wieder auf offener See. Nur noch ein paar Meilen Indischer Ozean vor uns.

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Irgendwann wurde es dann doch wieder besser mit dem Wind © sailing conductors

Flapp, flapp

Eine leichte Brise kitzelte an unserer Genua und zog uns hinaus zur letzten Etappe nach Kapstadt. Natürlich versiegte das bisschen Wind dann zur Nacht und wir frusteten bis zum Morgengrauen und schickten Flüche in die Segel, sich doch endlich wieder zu füllen. Auch unsere Drohungen, wir würden ohne zu zögern den Motor wieder anschmeißen, wurde mit einem lässigen “flapp flapp” abgetan.

Also schnappten wir uns den nächstbesten Dieselkanister und entleerten ihn komplett in den Tank. Mit der linken Hand am Zündschlüssel und einem bösen Blick gen Himmel spürte ich dann auf ein Mal doch, wie mein Deckhaar etwas durcheinander kam. Geht doch, Wind!

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Fette Beute auf hoher See © sailing conductors

Dieser wollte uns dann auch nicht mehr verlassen und drehte pünktlich zum Montag auf Ost – mit zunehmender Stärke. Während wir also glücklich die Wellen hinabsurften und von links nach rechts geschaukelt wurden, glaubte ich, einen Delfin im Wasser gesehen zu haben. Aber einen komischen… ich hatte ihn nur aus dem Augenwinkel bemerkt und irgendetwas war seltsam an diesem Ding.

Delfine, die wie Robben aussehen

Ein paar Stunden später tauchte dann noch mal so ein Exemplar aus dem Wasser auf, um kurz Luft zu schnappen und ich konnte meinen Augen kaum trauen. Eine Robbe! In Südafrika! Später sollten wir dann erfahren, dass es hier sogar Pinguine gibt…

Dienstag Nacht dann auf ein Mal der Temperatur-Sturz. Während wir vorher unsere Schichten draußen noch in Unterhose und Schlafsack absolvieren konnten, mussten wir nun dickes Geschütz aus der hintersten Ecke des Schrankes auffahren.Mit langer Jeans, Pullover und Windjacke durfte ich dann um drei Uhr meinen Dienst im Cockpit antreten. Doch schon nach zwei Stunden wollte uns Mr. Vee nicht mehr auf Kurs halten.

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Der grausame Schlächter und sein Opfer  © sailing conductors

Der Wind hatte so stark zugenommen, dass wir trotz 2-mal gereffter Fock in Böen immer noch übertakelt waren. Doch 25 Meilen vor Kapstadt mitten in der Nacht noch die Sturmfock aufziehen erschien mir auch unnötig. Ich meine, das Ding heißt nicht umsonst STURMfock – und das hier war definitiv noch kein Sturm.

Die “segelnden Dirigenten” sind (manchmal) auch Selbstversorger. Vor Afrika biss ihr bisher dickster Brocken an.

fighting for food from Sailing Conductors on Vimeo.

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