Schicksal: Ex-IMOCA von Nandor Fa zum Drogen-Traffic missbraucht – Feuer gelegt

1, 5 Tonnen Kokain auf IMOCA

 

Sie dachten eigentlich, dass extravagante Boote auch sichere Drogen-Transporter sein können. Doch der Französische Zoll kam dem internationalen Drogenring auf die Schliche. 

Was passiert eigentlich mit diesen Boliden wie IMOCA, VOR-Racern, Ultim-Trimaranen, Open 60 etc., wenn sie von ihren einsamkeitsfanatischen Skippern oder rekordsüchtigen Crews nicht mehr um den Globus geprügelt werden?

Man kann sich da verschiedene Szenerios im Stile „Gnadenbrot als Schulschiff“ oder „zum Luxusboot umgebautes Spielzeug für extravagante Speedfanatiker“ vorstellen. Manche verkümmern auch in irgendwelchen Hallen oder an der Mooring, bis der Abwracker aufkreuzt und letztendlich nicht weiß, wohin mit all dem Karbon und Glasfasergedöns.

Abenteuerliches Yachtschicksal

Was jedoch Nandor Fas erstem, selbst gebautem 60-Fuß-IMOCA mit der Seriennummer 77 (Baujahr 1996) widerfuhr ist – gelinde gesagt – außergewöhnlich.

IMOCA, Drogen, Schmuggel, Brand

Die “77” in Flammen, nachdem Drogenschmuggler Feuer legten © douanes francaises

“Verdächtiges Objekt auf See”

Die „77“ wurde nachts von einem Patrouillenboot der „Douanes Francaises“ auf See vor Martinique angehalten, nachdem sie das Boot offenbar bereits seit einigen Stunden „aus der Ferne“ als „verdächtiges Objekt“ verfolgten. 

Die zwei kanadischen Segler an Bord der „77“ verhielten sich unauffällig und waren bereit, Zollbeamte für eine Kontrolle an Bord zu lassen. Nur konnten die aufgrund des zu diesem Zeitpunkt vorherrschenden schweren Seegangs nicht übersetzen. 

Also forderte man die Crew der „77“ auf, dem Patrouillenboot bis nach Saint Martin zu folgen. 

IMOCA, Drogen, Schmuggel, Brand

1, 5 Tonnen Kokain im Wert von 60 Millionen Euro wurden gefunden © douanes francaises

Am nächsten Morgen, unweit Saint Martin, ging dann plötzlich die IMOCA 77 in Flammen auf: Die beiden Segler an Bord hatten Feuer gelegt, sprangen in die vorbereitete Rettungsinsel und trieben neben dem brennenden Hochseerenner. 

Die Zollbeamten reagierten sofort, retteten die beiden Kanadier, nahmen sie fest und versuchten, den Brand auf der IMOCA zu löschen. An Bord fanden sie schließlich 1, 5 Tonnen angekokeltes Kokain mit einem Verkaufswert von ca. 60 Millionen Euro. 

Kreativ beim Transport

Die örtlichen Polizei- und Zollbehörden berichteten kurz darauf, dass man einem international agierenden Drogenring schon seit Längerem auf der Spur gewesen sei, von dem man nur wusste, dass sie bei der Wahl ihrer Transportmittel außergewöhnlich kreativ seien. 

Der Schlag gegen den Drogenhandel wird als einer der größten Erfolge in diesem Jahr bewertet. Letztes Jahr beschlagnahmten die französischen Behörden (zu einem großen Teil in den französischen Überseegebieten) 84 Tonnen Drogen, darunter knapp 12 Tonnen Kokain. 

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden

7 Kommentare zu „Schicksal: Ex-IMOCA von Nandor Fa zum Drogen-Traffic missbraucht – Feuer gelegt“

  1. avatar C.H. sagt:

    … angekokeltes Kokain…
    Sehr schön:-)

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

    • avatar Michael Kunst sagt:

      Es stand noch “Koks aus Kokain” zur Wahl :)). Aber wer kennt heute noch so alte Begriffe wie “Koks” und weiß um deren Doppeldeutigkeit?

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

  2. avatar ChrisL sagt:

    MiKu, Achtung: es gibt zwei IMOCAs mit der Nummer 77.
    Die “alte” 77 ist der erste Open60 von Nandor Fa “Budapest” (http://histoiredeshalfs.com/Histoire%20des%2060%27/E23.htm).
    Die “neue” 77 ist der Open60 mit dem Nandor die letzte Vendee Globe bestritten hat (http://histoiredeshalfs.com/Histoire%20des%2060%27/E52%20Hungary.htm), dieses Boot ist an einen Belgier verkauft und soll die nächste Vendee Globe segeln.

    Kann man gut an den Ruderblättern auseinanderhalten, die “alte” hat die Ruder unter dem Rumpf, die “neue” hat angehängte Ruderblätter zum hochklappen.

    Viele Grüße

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  3. avatar Michael Kunst sagt:

    Chris, du hast völlig Recht, wenn es mich auch sehr wundert, dass diesem Irrtum hier in Frankreich einige Fachmagazine und Tageszeitungen aufgesessen sind, die mit der meldung zuerst “rauskamen”. Ist eindeutig nachvollziehbar, wie von Dir mit den Verlinkungen klargestellt. Zudem wird bei den “Histoires des Halfs” bemerkt, dass der aktuelle Besitzer der “alten 77” ein Kanadier sei… Ändert aber nix am eigentlichen Thema: IMOCA voll Koks, von den Behörden aufgebracht, Feuer gelegt und aus der Traum. merci fürs aufmerksame Mitlesen … miku

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  4. avatar Narco sagt:

    Wäre u.U. sinnvoll gewesen noch 1-2 Löcher in den Rumpf zu schlagen, damit der Renner schnell untergeht. Hätten Sie den Behörden dann als Feuerlöschmaßnahme verkaufen können :-)))))

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *