Schiff sinkt – Seemann überlebt drei Tage eingeschlossen in 30 m Tiefe

Gib niemals auf, nie!

Ein Schlepper kentert und sinkt 15 sm vor der nigerianischen Küste. Zehn Besatzungsmitglieder werden tot gefunden – bis auf den Koch.

Die “Jascon”, ein Schlepper vor der nigerianischen Küste © nigerian vessels

Die unglaublichsten Geschichten schreibt immer noch das Leben. Am 26. Mai zieht der nigerianische Schlepper „Jascon 4“ fünfzehn sm vor Escravos/Nigeria einen Tanker Richtung Hafen. Eigentlich ein Routinejob, wäre da nicht eine überaus heftige See, die der “Jascon 4” immer mehr Schwierigkeiten bereitet. Bei einem Richtungswechsel schlägt der Schlepper in einer besonders steilen Welle quer, kentert und „sinkt wie ein Stein in weniger als einer Minute“, wie Augenzeugen auf dem Tanker berichteten.

An Bord sind 11 Besatzungsmitglieder, die alle mit in die Tiefe gezogen werden, es gibt keine Überlebenden, die sich etwa schwimmend retten können.

24 Stunden später, nach Beruhigung der Wetterlage, beginnen Bergungstaucher mit ihrer traurigen Arbeit und bringen die Leichen von zehn ertrunkenen Besatzungsmitgliedern an die Wasseroberfläche. Der Schiffskoch Okene Harrison/Nigeria, wird weiterhin vermisst; die Taucher sind überzeugt, dass sein Leichnam mittlerweile abgetrieben ist.

Das Wunder

Am nächsten Tag wollen die Taucher etwaige Bergungsmöglichkeiten des Schleppers klären, sie umkreisen das gesunkene Schiff, inspizieren Schäden, klopfen routinemäßig gegen den Schiffsrumpf und die Aufbauten. Plötzlich hören sie eine Klopf-Antwort aus dem Inneren des Schiffes.

Die Taucher trauen ihren Ohren nicht, arbeiten sich aber dennoch ins Innere des Schiffes vor. Und dort wartet ein echtes Wunder auf sie: In der Kombüse des Schiffes hat Okene Harrisson in einer Luftblase drei Tage in 30 m Tiefe überlebt!

Einer der Rettungstaucher ist der ehemealige US Navy-Offizier Patrick Keenan, der mittlerweile für ein privates Bergungsunternehmen arbeitet. „Dass der Mann in 30 m Tiefe überleben konnte, ist ein Wunder! Die Luftblase ist das eine, doch dass wir die notwendige Ausrüstung hatten, um den Mann sicher an die Oberfläche zu bringen, ist das andere!“

Nach zwei Tagen in 30 m Tiefe war Okenes Körper „gesättigt“, soll heißen: Sein Körper hat sich auf den Umgebungsdruck gesättigt und alle Gase komprimiert bzw. verdichtet. Ihn jetzt einfach so an die Oberfläche zu bringen, hätte einen tödlichen Umgebungsdruck-Unterschied von 3-4 Bar ausgemacht.

Überleben durch Profi-Technik

Da die Bergungstaucher häufig auch – etwa an Ölplattformen – tagelang in extremen Tiefen arbeiten, haben sie eine Dekompressionskammer an Bord ihres Einsatzschiffes sowie eine „Druckglocke“, mit der Taucher aus der Tiefe im gleichbleibenden Druckverhältnis an die Wasseroberfläche gebracht werden, wo die Glocke direkt an die Dekompressionskammer angedockt wird.

Und so bekommt Okene in seiner Luftblase einen Taucherhelm übergestülpt, schwebt langsam in der Rettungsglocke zur Wasseroberfläche, verbringt zwei Tage in der Druckkammer und ruht sich jetzt bei seiner Familie  an Land aus.

Nächsten Monat wartet ein neuer Job auf ihn. Als Schiffskoch, was sonst?

Tipp: SR Leser André Meyer

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Schiff sinkt – Seemann überlebt drei Tage eingeschlossen in 30 m Tiefe“

  1. avatar C sagt:

    Unglaublich!

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  2. avatar Thomas .W sagt:

    Schön das Ihr diese Story gebracht habt. Ein echter Lichtblick an einem Montag…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

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