Schiffbau: Innovative Pläne für nächste Generation der Öko-Handelsschiffe

Die Branche denkt um

Mit Stützsegeln an Deck, Luftblasen am Rumpf und Thunfisch-Rumpffarbe wird's energieeffizienter © eco-ship

Mit Stützsegeln an Deck, Luftblasen am Rumpf und Thunfisch-Rumpffarbe wird’s energieeffizienter © eco-ship

Antrieb mit Gas, Thunfisch-Lack oder Luftblasen am Rumpf, Schiffsdrohnen… zumindest auf dem Papier zeigen sich die Schiffbauer derzeit ziemlich innovativ.

Jahrhundertelang gab es in der Handelsschifffahrt nur einen Antrieb: Gier nach Profit. Die führte wiederum dazu, dass Schiffe gebaut wurden, die nach dem jeweiligen Stand der Technik vor allem zwei Vorgaben erfüllen mussten: Bestmögliche Geschwindigkeit und gleichzeitig größtmögliches Ladevolumen.

So wurden der Menschheit Schiffe geschenkt, deren Anblick noch heute unser Herz höher schlagen lässt (z.B. Tea-Clipper), aber auch Unsägliches wie z.B. Container- oder Kreuzfahrtriesen gebaut, die den Namen Schiff nur noch tragen dürfen, weil sie eben auf den Meeren schwimmen.

Damit schaffte es die Seefracht zum größten Transportmarkt der Welt und die Handelsschifffahrt gleichzeitig zum größten Umweltverschmutzer unseres Planeten, weil 98 Prozent aller Schiffe mit Schweröl angetrieben werden und die Luft in einem Ausmaß belasten, wie kein anderes Transportmittel.

Die größten Dreckschleudern der Welt schwimmen auf den Ozeanen © BUND

Die größten Dreckschleudern der Welt schwimmen auf den Ozeanen © BUND

 Innovativ und fortschrittlich?

Doch nach jahrzehntelangem, nahezu unbegrenztem Wachstum, nach zuletzt irrsinnig anmutenden Preiskämpfen in der Containerbranche, nach Werften in der Krise und krassen Umweltskandalen, denkt die Branche nun um. Gezwungenermaßen. Denn die deutlich schwindenden klassischen Ressourcen wie etwa Erdöl, aber auch (oder vor allem?) international immer besser greifende, gesetzliche Bestimmungen und Auflagen in Bezug auf die Umweltverträglichkeit der Schiffe zwingen zwar nicht zur Einsicht, aber zum Blick nach vorn.

Auch wenn es schon immer Tüftler, Erfinder, weitblickende Schiffs- und Bootsbauer mit den wildesten und mutigsten Ideen gab – noch nie waren sie so beschäftigt wie heute. Denn die Schiffsindustrie verlangt nach neuen Konzepten, will Innovatives, im wahrsten Sinne des Wortes „Fortschrittliches“. Nicht zuletzt auch aus ökonomischen Gründen.

Mit Gas als Antrieb wäre die Luft über den Meeren nicht mehr so belastet  wie heute © Amt für Umwelt

Mit Gas als Antrieb wäre die Luft über den Meeren nicht mehr so belastet wie heute © Amt für Umwelt

 Antrieb mit Gas

So behaupten etwa die Chinesen als weltweit größte Schiffsindustrienation, dass die Zukunft in der Energie-Effizienz der Schiffe liege. Praktischerweise können sie dieselben auf ihren Mega-Werften auch gleich bauen, beim derzeitigen Preisverfall übrigens 30 Prozent unter den Angeboten von vor drei Jahren.

China setzt in Sachen Umweltverträglichkeit in erster Linie auf Gas. Die „Sinotrans-Shipping“, eines der größten Transportunternehmen weltweit, will seine Flotte mittelfristig mit LNG (Liquified Natural Gas) antreiben und rüstet bereits einen Großteil seiner Inlandflotte, etwa auf dem Yangtze-Fluß um. Chinesische Großwerften bestätigen zudem eine deutlich gestiegene Nachfrage umweltfreundlicherer Motoren: Weg vom Schweröl, hin zu weniger belastenden Energiequellen wollen bereits mehr als 30 Prozent ihrer Auftraggeber.

 Thunfisch-Farbe

Einen anderen Weg gehen derzeit die Japaner. Auch sie wollen Ressourcen schonen, wählen aber den Einspar-Modus: Mit staatlicher Unterstützung experimentiert derzeit die „Nippon Paint Holdings“ mit einer Rumpffarbe, deren Wirkung sie von den Thunfischen abgeschaut haben.

Eine Rumpffarbe, die von den Thunfischen abgeschaut wurde

Eine Rumpffarbe, die von den Thunfischen abgeschaut wurde

Durch deren Haut fließt das Wasser wie durch eine Membran und macht den Fisch respektive das Schiff „glitschig“ oder eben „aalglatt“. 6-7 Prozent Treibstoff könnten mit so einem Anstrich eingespart werden.

 Weniger Reibung durch Luftblasen

Das britische „Lloyd’s Register“ arbeitet an einem Projekt, bei dem Schiffe mit Ventilatoren ausgerüstet werden sollen. Nein, nicht für Vortrieb unter Segeln, sondern um unter Wasser, am Rumpf eine dichte Schicht Luftblasen zu erzeugen. Auf denen gleitet wiederum ein Schiff nachweislich schneller und energie-effizienter. Japanische Reeder haben einige Schiffe bereits mit einem ähnlichen System ausgerüstet und sprechen von zehn Prozent Schweröl-Einsparung.

Deutlich weniger Reibung durch Luftblasen © Lloyd

Deutlich weniger Reibung durch Luftblasen © Lloyd

Als wahren Glücksfall bezeichnet die Schiffsindustrie übrigens den 3D-Drucker: Mit seiner Hilfe können in Zukunft Teile, die „händisch“ eher kniffelig und aufwändig herzustellen waren, kostengünstig mal eben schnell „ausgedruckt“ werden.

 Unbemannte Containerriesen

Eines der spannendsten, aber auch sehr kontrovers diskutierten Projekte bearbeiten derzeit die Rolly-Royce-Holding und die Europäische Union. Sie studieren die Einsatzfähigkeit von unbemannten Schiffen, die ähnlich wie Drohnen von Land aus gesteuert werden und so ökonomischer, aber angeblich auch sicherer unterwegs sein sollen.

Unbemannt auf den Weltmeeren unterwegs – gesteuert wird an Land © Rolly Royce

Unbemannt auf den Weltmeeren unterwegs – gesteuert wird an Land © Rolly Royce

Über die zu ändernde Gesetzeslage auf den Weltmeeren ist man sich allerdings bewusst.

 Rumpf als Segel

Last not least eine erfreuliche Meldung aus Norwegen: Das futuristisch anmutende „Vindskip“, dessen Rumpf als Segel dienen soll und ansonsten mit Gas angetrieben wird (SR berichtete), hat die ersten Windtunnel-Tests hinter sich, wartet auf den ersten Schlepptank-Versuch und soll voraussichtlich 2019 in natura „Segel setzen“ .

Ein handelsschiff, dessen Rumpf als Segel dient. Bald keine Utopie mehr? © Vindskip

Ein Handelsschiff, dessen Rumpf als Segel dient. Bald keine Utopie mehr? © Vindskip

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Michael Kunst

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