Schnell unter Segeln: Von 65 Knoten beschleunigt – Surfer jagen die 100 km/h-Marke

Rasen in der Wüste

Die irren Windsurfer sind wieder unterwegs. In der Wüste von Namibia schien der Weltrekord gefallen zu sein. Zwei deutsche Piloten mischen kräftig mit. Was passiert, wenn es richtig schief läuft.

30 Jahre waren Windsurfer die schnellsten Gefährte unter Segeln. Von 1988 bis 2008 hielten sie den absoluten Rekord  – nur unterbrochen zwischen 1993 und 2004  durch die australische Konstruktion “Yellow Pages Endeavour”. Die Stehsegler knackten zuerst die 40 Knoten Schallmauer und verbesserten den 500 Meter Durchschnitt-Speed schließlich von 38,86 Konten auf 49.09 Knoten.

Dann kamen die Kitesurfer und überschritten 2008 erstmals die 50 Knoten-Marke. Sechs Jahre später schraubte Vestas Sailrocket den Rekord auf unglaubliche 65,45, eine Marke, die jenseits der Möglichkeiten der irren Typen auf ihren kleinen Brettern zu liegen scheint. Die Technik hat sie überholt.

Dennoch suchen Surfer und Kiter nach wie vor die Schnellsten ihrer Zunft. Bei den Drachenfliegern hat Alex Caizergues 2017 die Bestmarke im französischen Salin-de-Giraud auf 57,97 Knoten hochgeschraubt. Das Video:

Für die Windsurfer setzte Altmeister Antoine Albeau die Bestmarke 2015 auf 53.27 Knoten. Der heute 44-Jährige, der 2019 immer noch ein Weltcuprennen im Slalom gewinnen konnte, erreichte den Rekord auf dem berühmten Speed-Strip in Namibia bei der Luderitz Speed Challenge, die immer noch regelmäßig jedes Jahr die besten Surfer der Welt in die Wüste zieht.

Die Videos von 2015:

In diesem Jahr schien dieser Rekord von Albeau Rekord gefallen zu sein. Der Belgier Vincent Valkenaers wurde an einem Tag, an dem bei der Lüderitz Speed Week Böen bis zu 65 Knoten gemessen wurden mit 53,33 Knoten Speed gezeitet.

Allerdings setzte kurz danach Ernüchterung ein. Nach Überprüfung der Daten, wurde der genaue Speed über 500 Meter auf 53,25 herunter gestuft, 00,02 Knötchen unter dem Rekord.

Speed Run bei fliegendem Sand und bis zu 65 Knoten Wind. © STEFAN CSÁKY

In ähnlichen Sphären war auch der beste deutsche Speedsurfer Gunnar Asmussen unterwegs. Er konnte den deutschen Rekord auf 52,26 Knoten hochschrauben und damit Andy Laufer, die 49-Jährige Surf-Legende aus den 90er Jahren in Schach halten, der vor einem Jahr 51,32 erreicht hatte.

Gunnar Asmussen in Aktion. © STEFAN CSÁKY

Andy Laufer zeigt, wie sich der High-Speed-Modus auf seinem Surfbrett anfühlt:

Surfer und Kiter leben in Bezug auf ihren Speed davon, dass sie sich noch bei extrem hohen Windgeschwindigkeiten aufs Wasser trauen. Der Windwiderstand von Segel und Pilot ist aber zu hoch. Die Effizienz ihres Aero-Pakets ist aber längst nicht mehr so gut, wie bei modernen Konstruktionen, die alleine auf Speed ausgerichtet sind.

AC-Cupper auf Augenhöhe

Abgesehen von reinen Rekord-Gefährten wie Vestas Sailrocket und vielleicht bald auch die schweizer Speed-Maschine SP80 segeln auch schon die America’s Cupper bei deutlich weniger Wind auf Augenhöhe. 2017 in Bermuda erreichte der AC50 von Artemis mit 47,2 Knoten die Bestmarke der Klasse.

SailGP

Die für den SailGP modifizierten America’s Cupper sind zurzeit die schnellsten Segelboote der Welt. Slingsby wurde mit 51,24 Knoten gemessen. © SailGP

Die für den SailGP modifizierten F50-Foiler-Katamarane haben längst die 50 Knoten-Marke geknackt. Die Australier schafften beim Grand Prix in England 51.24 Knoten – allerdings nur als Peak und nicht im Durchschnitt über 500 Meter.

Im nächsten Jahr sollen die Kats mit weiteren Verbesserungen an der Tragfläche und Foils noch schneller werden. 54 Knoten werden prognostiziert. Ziel ist es, auf jeden Fall schneller als die neuen Kraken-Foiler beim America’s Cup zu bleiben, die wohl ebenfalls die 50 Knoten überschreiten werden.

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Schnell unter Segeln: Von 65 Knoten beschleunigt – Surfer jagen die 100 km/h-Marke“

  1. avatar T.B. sagt:

    Schön, dass ihr mal wieder was von dieser “speziellen” Segeldisziplien (DSV Jargon) zeigt!-))

    Speed ist seit Jahren eine Konstante des Windsurfens. Allerdings scheinen ~ 50kn eine echte Grenze zu sein.
    Denn schon bei 30 kn kommen sie auf weit über 45 kn Speed. Brauchen dann aber für die letzten 5kn mehr oft über 50kn Wind. Das ist dann schon eher pure Gewalt. Und vom Verhältnis Wind/Speed gar nicht mehr gut. Aber welches Segelfahrzeug kann schon 60kn Wind kontrollieren? Speedrocket konnte es bestimmt nicht, der Rekord wurde bei viel weniger Wind gefahren.

    @ Foiler Cat´s… Windsurf Stuff für Speed ca. 3000-4000€ —
    Kosten für die großen Foiler?? Faktor 100-1000?

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  2. avatar Alf sagt:

    Wie immer ein super recherchierter Windsurf-Beitrag – cool.
    @T.B.: DAs Equipment würde ich vom Neupreis her eher bei 6.000 Euro sehen. Zum Beispiel in der Kombi (JP+NP): Board 2150 + Segel 1400 + Mast 700 + Gabel 1050 + Finne 400 ~ 5700. Das allein reicht aber nicht, da mehr als ein Segel/Mast/Finne und im Grunde auch Brett nötig sind.
    Trotzdem stimmt der Hinweis auf Faktor X im Vergleich zu Kat-Foiler natürlich zu 100% 🙂

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