Schülerreise unter Segeln: “Thor Heyerdahl” wird wieder in Kiel erwartet – 45 Tage auf See

Endlich wieder Land!

Eine Rekordfahrt nähert sich ihrem Ziel. Nach sechs Wochen ohne Landgang hat das Projekt „Klassenzimmer unter Segeln“ auf der „Thor Heyerdahl“ die Nordsee erreicht und steuert nun den Nord-Ostsee-Kanal an, um planmäßig am 25. April im Heimathafen in Kiel anzukommen.

Die Schüler auf der “Thor Heyerdahl” wurden in den vergangenen sechs Monaten neben dem Schulstoff in Seemannschaft geschult. Foto: KUS

 

Zur Ankunft am Samstag in Kiel werden die 34 Schüler und 14 Besatzungsmitglieder 45 Tage kein Land mehr unter den Füßen gehabt haben, üblicherweise sind es nur 25. Aber Corona verhinderte für die Zehntklässler und ihre fünf Lehrkräfte die geplanten Exkursionen auf den Azoren und eine Stippvisite in Südengland. Stattdessen gab es seit den Bermudas Bordalltag.

Doch die Schüler aus ganz Deutschland haben die eineinhalbmonatige Enge an Bord des 50 Meter langen Dreimast-Toppsegelschoners gut gemeistert. Und schulisch dürften sie sogar weiter vorangekommen sein als ihre Altersgenossen. Schließlich mussten sie in den vergangenen Wochen nicht auf direkten Unterricht verzichten. Jetzt gilt es nur noch, einige knifflige Behördenauflagen zu meistern, bevor sie wieder von ihren Eltern und Geschwistern am Liegeplatz an der Schwentine in Empfang genommen werden können.

Auch die Arbeit im Rigg gehörte zu den Aufgaben. Foto: KUS

Dabei ist eine Quarantäne, der sonst die Rückkehrer aus anderen Ländern unterliegen, diesmal nicht notwendig. Denn die 45 Tage auf See ohne Außenkontakt und ohne Anzeichen einer Erkrankung an Bord gelten nach behördlicher Beurteilung als ausreichend, berichtet Projektleiterin Ruth Merk. Die Hürden, die beseitigt werden mussten, galten vielmehr der Kiel-Reise der Familien. Denn Schleswig-Holstein hat die Grenzen für touristische Zwecke dicht gemacht.

Und so musste das Abholen einem anderen Zweck zugeordnet werden. „Zum Glück haben wir diesmal – anders als in den Vorjahren – keine Schüler aus anderen Nationen an Bord. Das hätte es sicherlich komplizierter gemacht. So hat die Zusammenarbeit mit den Ämtern sehr gut geklappt. Alle haben einen gemeinsamen Lösungsweg gesucht. Jetzt können die Eltern aus Bayern, Brandenburg, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Hamburg anreisen. Und sie können sogar im Hotel übernachten“, berichtet Ruth Merk. Sie spricht den Ämtern ihren Dank aus und hofft, dass keine Familienmitglieder an den Landesgrenzen aufgehalten werden. Entsprechende Bestätigungen der Ämter hätten alle erhalten.

Die Schüler haben sich zu einer gut funktionierenden Gruppe zusammengefunden – hier beim Landausflug auf dem Teide/Teneriffa. Foto: KUS

Für die Schüler geht am Wochenende eine sechsmonatige Reise zu Ende. Am 19. Oktober ging es von Kiel aus über die Kanaren in die Karibik. Und auch auf der ersten Etappe der Rückreise bis nach Bermuda lief alles reibungslos. „Es gab nur die üblichen Hochs und Tiefs, die zu solch einer Reise gehören, mit kleineren Krisen zur Mitte der Reise auf Kuba, wenn das Heimweh durchkommt. Aber die Gruppe hat sehr gut funktioniert, ein wirklich lustiger Haufen“, sagt Ruth Merk. Und das Meistern von Spannungen, das Übernehmen von Verantwortung sei eben auch eine der inhaltlichen Ideen des Projekts.

Unterricht an Bord konnte bis zum Schluss stattfinden. Foto: KUS

Nach der Abreise am 11. März von den Bermudas sei das Corona-Problem durch die sporadischen Berichte dann nur langsam zu den Schülern durchgedrungen. Das änderte sich, als die „Thor Heyerdahl“ auf den Azoren anlegen wollte. Der Besuch des legendären Seglertreffs „Peter“ in Horta, Whale-Watching, Exkursionen zum Thema Vulkanismus und Beteiligung am Clean-Up standen auf dem Plan für den Landgang. Doch dem Schiff wurde durch die Behörden das Anlegen verwehrt. Stattdessen lag die „Thor Heyerdahl“ auf Reede, die Inselbesuche konnten nur virtuell und in der Theorie erfolgen. Erst durch das Einschalten der deutschen Botschaft in Portugal war der Crew überhaupt die Proviantierung und die Übernahme von Diesel möglich.

Die Einführung in die astronomische Navigation gehörte ebenfalls zum Bordprogramm. Foto: KUS

Danach ging es schließlich zurück nach Europa, der kurze Landgang in England musste ebenfalls ausfallen, und jetzt freuen sich alle auf die Wiederankunft. Ruth Merk: „Zwischenzeitlich mussten wir bei den Familien natürlich viele Fragen beantworten. Aber aktuell ist das Schiff wohl einer der sichersten Orte der Welt. Und jetzt ist die Aufregung natürlich groß, dass sich bald alle wiedersehen.“

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

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