Seenot: Beweisen Satellitenfotos, dass „Nina“ doch nicht sank?

Hoffnung, stark vergrößert

Nach der größten Suchaktionen aller Zeiten in der Tasmanischen See erklärten die Behörden den Schoner „Nina“ im Juni für verschollen. Doch neue Satellitenbilder machen Hoffnung.

Nina, gesunken, Satellitenfoto

Nina unter Vollzeug © marine museum

„Das Wetter ist ziemlich mies bei uns hier, wie kommen wir wohl am besten wieder raus?“. Dies sind die letzten Worte, die von Bord der „Nina“ im Juni 2013 per Satellitentelefon an einen meteorologischen Dienst in Neuseeland gerichtet wurden. An Bord des US-amerikanischen 70-Fuss-Klassikers befanden sich Skipper Dyche (58), seine Frau, ihr 17-Jähriger Sohn und vier Chartergäste im Alter zwischen 73 und 18 Jahren.

Die Yacht war auf dem Weg von Neuseeland nach Newcastle/Australien, als sie offenbar von einem Sturm, den die meisten meteorologischen Stationen nicht vorhergesagt hatten, eingeholt wurde. „Am 4. Juni herrschten katastrophale Zustände in der Tasmanischen See, ganz in der Nähe des letztgenannten Standortes der `Nina´,“ erklärte damals der leitende Offizier des neuseeländischen Rettungsdienstes. Windgeschwindigkeiten bis zu 110 km/h wurden gemessen, die Wellenhöhe erreichte 8-9 m, einzelne erheblich höhere Brecher waren anzunehmen.

Nina, Seenot, Rettung

Nina vor der neuseelädischen Küste © Dyche

Kurz darauf begann die größte Suchaktion zur See, die jemals von Australischen und Neuseeländischen Rettungsdiensten organisiert wurde.

Mit Schiffen, unter zeitweiligem Einsatz von Satelliten, vor allem aber mit Hilfe von Orion-Suchflugzeugen wurde das Gebiet rund um den letzten bekannten Standort der „Nina“ akribisch abgesucht. Tag und Nacht waren die Suchmannschaften unterwegs – von dem vermissten Schoner keine Spur.

Suche beendet, “Nina” gesunken. Oder nicht?

Nach 6 Tagen wurde die Suche schließlich beendet. „Wenn noch irgend etwas von der Yacht geschwommen wäre – wir hätten es gefunden!“ stellten die australischen Behörden klar, „wir müssen nun davon ausgehen, dass die „Nina“ im Sturm gesunken ist!“

Nina, gesunken, Satellitenfoto

Skipper und Eigner David Dyche © Dyche

Und genau in dieser Annahme sahen viele Hoffnungsvolle, vor allem natürlich Angehörige der Vermissten einen gewissen Widerspruch. Wenn eine Yacht wie die „Nina“ sinkt, gehen dem Untergang meistens Schäden an Bord voraus, also müssten später Trümmerteile gefunden werden! Andere behaupten, dass gerade Schiffe wie der Schoner „Nina“, wenn sie von einem Brecher voll erwischt würden, in Sekundenschnelle vollaufen und sinken können.

Doch auch an dieser Version zweifelten viele, denn die „Nina“ sei vorbildlich mit Rettungsinseln ausgerüstet gewesen und Dyche ein viel zu umsichtiger Kapitän. Er hätte alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, um sofort bei Gefahr in die Rettungsinseln zu gelangen!

Beharrlicher Optimismus

So kam es, dass zwar die Behörden ihre Suchaktionen, die Angehörigen aber nicht ihre Hoffnungen aufgaben. „Wir können es uns einfach nicht vorstellen, dass ein derart erfahrener Seemann auf seinem auf allen Weltmeeren erprobten Schiff einfach so sang und klanglos mit seiner Crew verschwindet!“ sagte ein Sprecher der Angehörigen.

Hoch aufgelöst und etwas bearbeitet kann man sich durchaus die Nina vorstellen © satellit

Richtig rangezoomt und etwas bearbeitet kann man sich durchaus die Nina vorstellen © satellit

Doch vielleicht, vielleicht zahlt sich deren beharrlicher Optimismus am Ende doch noch aus. Denn allem vermeintlich „Guten Zureden“ zum Trotz, machten die Angehörigen auf eigene Faust mit ihrer Suche weiter – nein, nicht in Flugzeugen und Schiffen, sondern mittels Einsicht in Satellitenfotos.

Und tatsächlich fanden sie jetzt die Spur, auf die sie so lange gehofft hatten: Das (allerdings sehr undeutliche, weil hoch aufgelöste) Foto eines Schiffes, das die gleiche Form wie die „Nina“ aufweist und offenbar knapp unter der Wasseroberfläche treibt. Ein ovales helles Objekt ist unmittelbar darüber zu erkennen. Eine Rettungsinsel?

Behörden sind nicht überzeugt

Doch den Behörden reicht dieses „Pixelwerk“ noch nicht aus, um erneut eine Suchaktion zu starten. „Es könnte eine Yacht ähnlichen Typs sein,“  wird behauptet. Was die Angehörigen wiederum ausschließen: „Wir haben alles überprüft, im Zeitraum der Aufnahme und auch Tage vorher oder hinterher, war in diesem Bereich keine Schiffsbewegung eines ähnliches Typus in gleicher Länge zu erkennen, gemeldet oder vermutet!“

Doch die Coast-Guard und die zuständigen Behörden in Australien, Neuseeland und den USA beharren derzeit noch weiter auf ihrem Standpunkt, der Schoner „Nina“ sei gesunken. „So lange es keine deutlicheren Fotobelege oder eindeutigeren Beweise gibt, werden wir die Suche nicht wieder aufnehmen!“ Die Angehörigen sind der Verzweiflung nahe:“ Jetzt, wo sich unsere Hoffnungen bestätigen, verlangen die Behörden von uns Satellitenfotos, auf denen jedes Crewmitglied mit deutlich lesbarem Reisepass in der Hand an der Reling steht!“

Doch eines sei sicher, beteuern sie weiter: „Wir werden die Hoffnung nicht aufgeben und weiter suchen, bis wir genau wissen, was mit der „Nina“ und ihrer Besatzung geschah!“

Nina, Satellitenfoto

Eigentlich eine ziemlich deutliche Angelegenheit, oder? © satellit

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Michael Kunst

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