Seenot: Deutscher restauriert Fahrtenkat nach “Irma” – Totalverlust im Bermuda Dreieck

Schicksalsschläge

Wirbelsturm Irma machte aus dem Fahrtenkatamaran ein Wrack. Ein Deutscher  setzte die Yacht instand – und verlor sie beim ersten großen Törn im Bermuda Dreieck.

Unter Seglern ist häufig vom Schicksal die Rede. Wenn von einer „höheren Macht“ gesteuert, ohne offensichtlich menschliches Zutun, meist unerklärliche Dinge passieren. Es ist Schicksal, wenn eine Yacht ihren neuen Eigner findet (oder umgekehrt). Es kann nur Schicksal gewesen sein, wenn mitten im Törn der Mast bricht.

Das Schicksal hat zugeschlagen, wenn eine Yacht auf Hoher See absäuft. Es kann nur Kismet (arabisch für S.) sein, wenn das Wetter nicht so will, wie es die Meteorologen vorhergesagt haben. Und es ist erst recht Schicksal, wenn sich solche Schläge in des Seglers Magengrube zu einem einzigen großen Desaster vereinen. 

Seenot, Fahrtenkatamaran, totalverlust

Selfie in glücklicheren Zeiten © sailing samsara

Doch schön der Reihe nach. Für Michael, Deutscher Outdoor- und Wassersportbegeisterter, stand zunächst alles unter einem guten Stern. Eher frustriert von seinem Job, schmiss er alles vermeintlich Bürgerliche hin und widmete sich fortan seiner Lieblingsbeschäftigung. Er fuhr im Campingbus die Küsten entlang, hing so oft wie möglich am Haken seines Kite und lernte spannende Menschen und Orte kennen. 

Irgendwann reichte ihm dieses Leben nicht mehr. Jedes Mal, wenn er Yachten und Boote in Richtung Horizont segeln sah, kam da diese Sehnsucht nach Weite und Mee(h)r auf. Zu entlegenen Inseln und Stränden segeln, lange Schläge auf der eigenen Yacht zu weit entfernten Paradiesen – Michael war vom Blauwasser-Virus angesteckt.

„Irma“ und „Samsara“

So weit, so gut. Derartigen Visionen hängen täglich Millionen Menschen nach, die dann aber kurz darauf wieder ins Büro zu stiefeln und dem Alltagstrott frönen. Doch bei Michael muss dieser Traum einen empfindlichen Nerv getroffen haben. Trotz offensichtlich nicht gerade üppiger finanzieller Ressourcen, machte er sich auf die Suche nach einer Yacht, die ihm ein sicheres Zuhause für die Langfahrt bieten, und die ihn – gerne auch mit reichlich Eigenarbeit – nicht wirtschaftlich ruinieren würde. 

Er fand sie auf einem Schiffsfriedhof: Zwischen Wracks und schwer angeschlagenen Yachten, die„Irma“, seines Zeichens einer der verheerendsten Wirbelstürme dieses Jahrzehnts, anno 2017 vor St. Martin im Norden der Kleinen Antillen fein säuberlich zusammengefegt hatte. 

Vor den Bermudas © sailing samsara

Bei einer Auktions-Veranstaltung erstand Michael schließlich „seinen“ Leopard 40-Katamaran, der zwar schwere Schäden aufwies, von dem er aber dachte, dass eine Renovierung im Bereich des Möglichen läge. Auch für Menschen wie ihn, die sicherlich handwerklich begabt, allerdings keine Bootsbauer sind. 

Also ran ans Werk. Gemeinsam mit Freundin Mariola ackerte und schuftete Michael wochen- und monatelang an seinem neuen Katamaran und machte aus dem Wrack wieder eine ansehnliche Yacht. 

Wichtig und in der heutigen Zeit unabdingbar, vor allem wenn man wie Michael u.a. auf Crowdfunding zur Finanzierung setzt: Jeder Bauabschnitt wurde auf Facebook festgehalten, ein YouTube-Kanal eröffnet und überhaupt wollte der angehende Blauwassersegler seine langsam, aber sicher anwachsende Fangemeinde möglichst fest an sich binden. 

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Rettung aus höchster Not © sailing samsara

Irgendwann gab es jedoch ein seltsames Zwischenspiel für Michaels Bemühungen in den Sozialen Medien. Facebook sperrte seine Seite kurzfristig, nachdem ein User behauptet hatte, dass unangemessene Beiträge auf „Sailing Samsara“ gepostet würden. 

Löcher im Rumpf

Kurz darauf wurde die Seite wieder online gestellt. Offenbar war der Sperrung eine Diskussion über die Art und Weise, wie Michael die Löcher im Rumpf seines Katamarans repariert und schließt, vorausgegangen.

Jedenfalls rechtfertigt sich Michael auf Facebook nach der Aufhebung der FB-Sperrung wie folgt (Auszug): „Auch Kommentare die unsere Arbeit schlecht machen, finden wir sehr schade. Die von uns gezeigten Bilder sind nur Ausschnitte aus meiner Arbeit, niemand kann daraus auf die Qualität der Arbeit schliessen, da sich das meiste davon auf der Innenseite des Bootes befindet. Wir wissen, dass es nicht damit getan ist ein Loch im Rumpf einfach zuzukleben.

Seenot, Fahrtenkatamaran, totalverlust

Große Löcher – fachgerecht repariert? © sailing samsara

Ich habe alles gemäß dem aktuellen Stand der Technik repariert. So wurden Löcher im Rumpf zum Erhalt der Bootsform zuerst von aussen verschlossen. Im zweitem Schritt (ohne Bilder) wurde dann von der Innenseite der Hinterbau weiträumig geöffnet und das Loch dauerhaft und stabil mit mehreren Laminatschichten verstärkt.“

Ende des letzten Jahres war die Yacht dann optisch wieder in gutem Zustand und wurde auf den Namen „Samsara“ (passend: „Wiedergeborene“) umgetauft. „Nur“ ein passender Mast fehlte noch. Doch der war nun wirklich nicht leicht zu finden. Mehrfach wurde Michael von vermeintlichen Verkäufern versetzt, einmal fuhr er sogar unter Motorkraft mehrere Hundert Seemeilen in die Dominikanische Republik, um dort festzustellen, dass der angeblich Mastbesitzer das Weite gesucht hatte. 

Am 16. März kam nach längeren Pausen die erlösende Nachricht für die kleine „Samsara“- Fangemeinde. Michael postete nach einem ersten, längeren Törn bereits von den Bahamas. Er hatte doch einen Mast in der Dom.Republik gefunden und auf seinen Katamaran gestellt, war nach ersten Probeschlägen („auch bei harten Bedingungen!“) höchst zufrieden mit dessen Leistung und schwärmte von einem „Topspeed von 11,4 kn bei  17 kn Seitenwind“. Er postete aber auch: „Da ich die Festigkeit der Wanten nicht kenne, kommen nicht von einem Segelmacher, habe ich entschieden, die Reefstufen stark herabzusetzen!“

Vom Glück ins Unglück

Für Michael lief also alles ziemlich gut. Zwar hatte seine Freundin in der Zwischenzeit ihre Koffer gepackt und überließ den angehenden Blauwassersegler seinen Träumereien. Doch die „Samsara“ war zu dem geworden, was sich Michael gewünscht und erträumt hatte: Eine Langfahrt-Yacht, die ihm für die nächsten Jahre ein sicheres Zuhause sein wird. Und auf der er mit Charter-Gästen seinen Lebensunterhalt verdienen kann.

Doch dann kam alles anders. Vorbei die Glückssträhne, das Schicksal übernahm das Ruder. 

Michael wollte gemeinsam mit einem weiteren Segler von den Bahamas zu den Bermudas segeln. Ein gewagter Törn für ein Boot, das gerade erst eine Vollinstandsetzung hinter sich gebracht hat. Und dessen Mast von Wanten gehalten wurde, die nicht von Profis installiert waren. 

Seenot, Fahrtenkatamaran, totalverlust

Endlich wieder eine Palme auf dem Schiff © sailing samsara

Also brachte sich das Schicksal mit einem Drama ins Spiel, das Michael anschaulich auf seiner Website schildert. 

„Nach 5 Tagen und knapp 200nm südwestlich der Bermudas, wurde Samsara von einer ca. 35ft Welle getroffen. Eine vermutlich fehlerhafte Verpressung der Steuerbord Wante brach und der Mast kippte. 

Nachdem uns ein Schiff zur Hilfe kam und meinen Passagier aufnahm, entschied ich zusammen mit der Coast Guard den Mast vom Boot zu trennen und allein unter Motorkraft den nächsten Hafen anzulaufen.

Aus der Traum?

Doch entgegen der Vorhersage, schlug das Wetter in der folgenden Nacht um. Der Wind verstärkte sich in Böen auf bis zu 50kt und die Wellen erreichten Höhen von 18 bis 24ft. Einige Swells bis zu 35ft. Leider drehte auch die Wind- und Wellenrichtung, so dass ich den Kurs nicht halten konnte. Zudem nahm ich Wasser auf, das ich aber noch auspumpen konnte.

Zusammen mit der Coast Guard entschied ich, den Kurs so zu ändern, dass ich Wind und Welle von hinten bekam bis sich das Wetter beruhigen würde. Doch das Wetter änderte sich nicht, sondern wurde noch schlechter. Am Vormittag brach eine Motorhalterung die ich nicht reparieren konnte. Mit nur einem Motor war es mir nicht möglich den Kurs zu halten, Samsara schlug mehrfach quer zur See und drohte zu kentern, zudem nahm sie immer mehr Wasser auf.

Die Coast Guard entschied, Hilfe zu schicken und 10 Stunden später wurde ich von dem Containerschiff BBC Orinoco aus dem Meer gefischt. Als ich das Boot verliess war Samsara bereits zur Hälfte gesunken. Ich denke, dass sie später vollständig sank. Aber ich hoffe, das irgendjemand sie findet und an Land schleppt, so dass ich sie vielleicht zurück bekomme.“ 

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Irma hatte sich richtig Mühe gegeben © sailing samsara

Also „aus der Traum vom Blauwassersegeln“? Sehr wahrscheinlich, zumindest für die nächste Zeit. Denn die Chance, eine halb gesunkene Yacht nach mehreren Wochen in der See treibend „am Stück“ wieder zurück zu bekommen, ist eher gering. Dennoch hofft Michael, eines Tages seine Reise fortzusetzen. Bis dahin wolle er sein Bestes tun, schreibt er auf FB, um seinen Rettern ein wenig zurück zu geben.  „Für mich startet jetzt ein neues Leben und ich will alles tun um meine Erfahrung weiter zu geben. Vielleicht kann es helfen, unsere Reisen ein wenig sicherer zu machen.“ 

Bleibt zu hoffen, dass ihm das Schicksal auf seiner weiteren Reise – irgendwann und irgendwo –  wohl gesonnen sein wird.      

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Seenot: Deutscher restauriert Fahrtenkat nach “Irma” – Totalverlust im Bermuda Dreieck“

  1. avatar Andreas Borrink sagt:

    Schade um soviel Arbeit…..Michael sollte vor dem nächsten Refit einen Fachmann fragen. Mal ein oder zwei Tage ein Profi vor Ort und es wäre vielleicht besser gelaufen.

    Begriffe wie “Seitenwind” und “die Wante” in den Zitaten deuten nicht gerade auf große Sachkenntnisse vom Segeln hin. Auch hier gilt: Erstmal einen erfahrenen Skipper fragen, dann auf der Ostsee üben und langsam steigern.

    Viel Glück jedenfalls!

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  2. avatar Kugelfisch sagt:

    Na ja, wenn ich mir ansehe, wie der Ausschnitt im Rumpf ausgeführt wurde (mal mit der Flex eine Handbreit übers Ziel hinaus, keine Radien an den Ecken, “interessante” Form), dann ist klar, dass da jemand am Werk war, der vielleicht viel Energie hatte, aber nicht wirklich viel Ahnung. Und leider war er anscheinend nicht schlau genug, für die wirklich wichtigen Arbeiten jemanden mit Ahnung dazu zu holen. Ich maße mir jedenfalls an, von der Ausführung dieses Ausschnitts auf die Qualität der Arbeit zu schließen.

    Ich weiß ja nicht, wann das Bild vom Boot ohne Rigg gemacht wurde (auf jeden Fall nach dem Abtrennen des Mastes), aber Seegang von 18 bis 24 ft kann ich darauf beim besten Willen nicht erkennen. Noch nicht mal Schaumkronen. Und auf dem Foto von seiner Rettung sieht die Wasseroberfläche wirklich erstaunlich glatt aus. Die Bilder passen nicht besonders gut zur Geschichte.

    Irgendwie habe ich den Eindruck, dass er eher wegen seiner mangelnden bootsbauerischen Fähigkeiten/Möglichkeiten als wegen überharter Wetterbedingungen in Seenot geraten ist – zum Glück ist niemand an Leib und Leben zu Schaden gekommen.
    Ich würde jedenfalls mein Leben nicht einem von Hobbybastlern zusammengeflickten Totalschaden anvertrauen…

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