Seeunfall: Kiel abgebrochen – Wohl drei Tote, ein Vermisster vor Oostende

Drama in der Nordsee

Vor dem belgischen Oostende hat sich am Wochenende ein tödlicher Segelunfall ereignet. Ein holländischer Yacht-Designer und sein Freund blieben auf See. Drei Segler wurden gerettet.

capella, Kiel abgebrochen

Die durchgekenterte Yacht und die schadhafte Kiel-Verbindung. © VBZR

Der holländische Yacht-Designer Frans Maas (79), der unter anderem die Compromis und Standfast-Typen für die Werft C-Yacht konstruiert hat, ist bei einem tragischen Seeunfall am Wochenende verstorben. Mit ihm konnte sein Freund Freddy Franssens (70) Breskens nur noch tot aus dem Wasser geborgen werden. Ein 18-jähriges Crewmitglied wird noch vermisst, drei Mitsegler überlebten.

capella, Kiel abgebrochen

Die havarierte Yacht ohne Kiel. © VBZR

Die Segelyacht “Capella” nahm an der Regatta ‘The Light Vessel Race’ des Royal Belgian Sailing Club teil, das von Freitag auf Samstag durch die Nacht führte. 25 Yachten erschienen an der Startlinie vor Knokke-Heist. Nahe der belgischen Küste sollte ein Kurs von etwa 100 Meilen abgesegelt werden.

capella, Kiel abgebrochen

Die Unglücksyacht “Capella”.

Am Samstag Morgen gegen 8:30 kenterte die niederländische Yacht mit der sechsköpfigen Crew bei 6 bis 7 Windstärken und etwa zwei Meter hohen Wellen durch. Ursache war ein abgebrochener Kiel.

Drei Segler trieben ab, drei weitere konnten sich offenbar bei der Yacht halten und schließlich auf den umgedrehten Rumpf klettern. Es gelang nicht, einen Rettungssender zu aktivieren. Erst die Crew des Baggerschiffes “Reynaert” entdeckte zufällig die Havaristen am Samstag Nachmittag. Sie nahm die drei Segler – 17, 37 und 53 Jahre alt – an Bord und alarmierte belgische und niederländische Retter.

“Capella” unter Spinnaker.

Diese bargen nach einer umfangreiche Suche die leblosen Körper von Maas und Franssens aus dem Wasser. Der 18 jährige vermisste Mitsegler wurde bis in die Dunkelheit gesucht, aber nur seine Ölhose konnte gefunden werden. Am Sonntag setzten die Rettungskräfte ihre Bemühungen fort. Allerdings bestehen kaum noch Aussichten, ihn lebend zu finden. Bei einer Wasser-Temperatur von 18 Grad ist je nach körperlicher Konstitution ein Überleben von 30 Stunden denkbar.

capella, Kiel abgebrochen

Die Ölhose des 18-Jährigen Vermissten Seglers wurde gefunden. © VBZR

Skipper Frans Maas war in der Benelx-Yachtie-Szene ein angesehener Segler und Konstrukteur, der zahlreiche Preise auf den Regattabahnen abgeräumt hat. Er galt mit seiner “Capella” und der eingespielten Crew auch bei dem ‘Light Vessel Race’ als Favorit. Wie tragisch, dass gerade auf seinem Schiff ein solcher Schaden auftreten konnte.

capella, Kiel abgebrochen

Ein Retter versucht eine Schleppverbindung am Saildrive herzustellen. © VBZR

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Seeunfall: Kiel abgebrochen – Wohl drei Tote, ein Vermisster vor Oostende“

  1. avatar mantis sagt:

    Es ist angeblich die sicherste Befestigungsart, wenn man den “Profis” glaubt. Sie verbinden auf diese unsägliche Weise schon seit Jahrzehnten eine elastische Hülle mit dem Kiel durch Verschraubung mit einer im Inneren dieser Hülle einlaminierten Stahlkonstruktion.
    Die Dicke der Bolzen lässt sich sehr einfach rechnen, wenn man Pi mal Daumen, die aus den Hebelarmen errechneten, auf die Bolzen einwirkenden Kräfte mit einem Sicherheitsfaktor multipliziert. Kommen noch Einbaufehler dazu, wie oft zu beobachten, dass das Gewinde bis in den Kiel reicht, dann ist das ganze wunderbare Rechenwerk für die Katz. Das ist es aber auch so, weil die Folgen der Dauerbeanspruchung dieser Verbindung nicht bedacht bzw. untersucht werden.
    Die Methode ist kostengünstig und hat natürlich einen Vorteil man kann am falschen Ende sparen.
    Die Häufigkeit des Bruchs der Bolzen in den letzten Jahren lässt ahnen, dass das VERSAGENSVERHALTEN dieser Befestigungsmethode sehr ungünstig ist.
    Man sollte jedoch meinen die Konstrukteure und Bootsbauer würden etwas daraus lernen. Aber weit gefehlt. Sie werden sich auch in Zukunft zusammen mit den Fachjournalisten (ich kenne keinen kritischen Kommentar oder gar eine Untersuchung von dieser Seite zu dieser Methode) gegenseitig auf die Schultern klopfen und behaupten es seien Einzelfälle.
    Zumindest sollte allen eines klar sein, wo so grob gehobelt wird, fallen eben nicht nur Späne.
    Nur nicht drüber nachdenken, einfach Segeln und gut ist es.

    Und nu einen schönen Tach auch noch!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 5

    • avatar pjotr sagt:

      jau, schon wieder kiel wech. komisch, digger hat seine bente auf der boot sogar schon ohne kiel “präsentiert”, später dann mit häschenbildern am vorstag…. na wenn das nichts zu bedeuten hat. also ich geh gerne auf bootsausstellungen weil man da auch oder gerade die unterwasserschiffe sehen kann… naja, is nicht so wichtig. hauptsache sexy sailing. anyway, digger hat ja jetzt schon aufgegeben. glückwunsch.

      handbreit, mindestens. in diesem sinne

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    • avatar mantis sagt:

      Auch aus einem Erdmann wird kein Seemann, wenn er Konstruktionsfehler die Ermüdungsbrüche zur Folge haben mit mangelnder “Wartung” erklärt. Der tödliche Fehler wird nun doch den nachlässigen Eignern untergeschoben.
      ERMÜDUNGSBRÜCHE sind nicht durch irgendeine Form “hochqualifizierter” Wartung zu verhindern!!! Schon gar nicht durch erneutes Anziehen der Muttern, sondern nur zu beschleunigen.

      Aber ansonsten einen schönen Tach auch noch!

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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