Segelmädchen Laura Dekker (16): Mit “Guppy” 47 Tage nonstop von Australien nach Südafrika

Dekker von Darwin nach Durban

4.11.

Der Schlag von Darwin nach Durban. Mehr als 6000 Meilen in 47 Tagen.

…Meine gute Laune wurde mal wieder getrübt, als ich eine mit Schädlingen befallene Packung Spaghetti fand. Nachdem ich eine Weile in meinem Proviant gekramt hatte war klar, daß alle Packungen mit Spaghetti aus Darwin – fast mein ganzer Vorrat – befallen waren.

Nach einem sinnlosen Versuch, noch genießbare Spaghetti herauszufischen, habe ich schließlich alles über Bord geworfen. Es war eine regelrechte Spaghetti-Katastrophe. Mein Vorrat, der eigentlich für einige Wochen gereicht hätte, ist auf wenige Packungen zusammengeschmolzen. Ich habe zwar noch genug Reis und Dosen an Bord, aber auf Spaghetti legte ich doch großen Wert…

5.11.

…Gestern entdeckte ich zwischen all den weißen Schaumköpfen der Wellen einen etwas höheren weißen Schaumkopf, der sich nach ausgiebiger Beobachtung als Segel entpuppte. Als wir näher kamen, entdeckte ich an diesem Segel auch das zugehörige Boot, und so begegnete ich dem ersten Segelboot seit meiner Abreise aus Darwin.

Vor Freude sprang ich auf dem Dach der Kajüte auf und ab, lief dann schnell nach drinnen und versuchte, das Boot über UKW-Funk zu rufen. Nichts… Die Stunden verstrichen und das Boot wurde immer besser sichtbar, bis ich auf einmal ein “*krach*…*krach*… Sailing Vessel …*krach*” aus dem Funkgerät hörte.

Wir hatten eine nette Unterhaltung und ich habe herausgefunden, daß das andere Boot in etwa so groß ist wie ‘Guppy’. Mittlerweile liegen sie schon 40 Seemeilen [74 Kilometer] weit hinter mir… Tja, ‘Guppy’ läßt sich nicht so leicht einholen. *zwinker*…

6.11.

…die Regenbö hat ‘Guppy’ ordentlich eins reingepfeffert – im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Dose mit Pfeffer ist durch das ganze Boot geflogen! All die klitzekleinen Körner aufzusammeln ist nicht gerade einfach… HATSCHI!…

7.11.

…Heute Morgen war ich mit drei Frachtschiffen beschäftigt, die gleichzeitig in meiner Nähe fuhren, und von denen eines auf Kollisionskurs zu mir war. Als ich sie über Funk rief und fragte, ob sie mich sähen, antworteten sie ‘Yes, no problem.’ [Ja, kein Problem].

OK, prima, sie haben mich gesehen. Aber 10 Minuten später war das Schiff noch immer auf Kollisionskurs und inzwischen so nah, dass ich seinen Namen durch das Fernglas gut lesen konnte. Das war nun wirklich zu nah. Nachdem sie mich wieder über Funk gerufen hatten und wir beide zu dem Ergebnis gekommen waren, daß wir einander zu nah waren, wollten sie, daß ich Leine ziehe.

Meine Frage ’How about YOU alter course?’ [Vielleicht sollten SIE den Kurs ändern] wurde mit ’What?! We?’ [Warum wir?] beantwortet. Nach einer kurzen Stille antworteten sie ’Oh, OK, yes we will alter course’ [Ja, in Ordnung, wir ändern unseren Kurs], und dann fuhr das riesige Schiff schließlich um mich herum, na ja. Das ist ungefähr so, als würde ein Autofahrer einer Schildkröte sagen, sie solle aus dem Weg gehen…

8.11.

…Die Tage verlaufen mit ziemlicher Regelmäßigkeit, ich habe mich vollkommen an die Bewegungen des Bootes und an meinen unterbrochenen Schlafrhythmus gewöhnt, und ungeachtet dessen, daß Mutter Natur es mir nicht leicht gemacht hat, habe ich mich nie zuvor in solcher Harmonie mit meiner Umgebung gefühlt. Die herrliche Ruhe, nur ‘Guppy’, die Wellen, der Wind und der Horizont. Keine Menschen, die irgendwas von mir wollen, kein Stress, kein Internet, kein usw., usw…

13.11

…Nach sieben Wochen auf See ohne frische Lebensmittel würde ich alles essen, was nicht aus Spaghetti, Reis oder Dosenbohnen gekocht worden wäre. Andererseits hätte es mir auch nichts ausgemacht, wenn es noch ein paar Wochen länger gedauert hätte.

Auf See macht man sich nicht andauernd Gedanken über den Kurs oder darüber, wie schnell man segelt, aber jetzt halte ich dauernd den Kurs und die Geschwindigkeit im Auge. Die ganze Zeit über versuche ich, meine Ankunftszeit zu berechnen, während der Schiffsverkehr mit jeder Minute zunimmt und die Karte immer mehr Symbole, Linien und Zahlen aufweist.

Darüber hinaus tut der Wind nicht das, was die Wetterkarten versprochen hatten, wodurch ich langsamer vorankomme als ich gedacht hatte – und zum ersten Mal seit sechs Wochen ärgert mich das maßlos…

Lauras Route

Zum Thema:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

3 Kommentare zu „Segelmädchen Laura Dekker (16): Mit “Guppy” 47 Tage nonstop von Australien nach Südafrika“

  1. avatar Marc sagt:

    Hört sich alles sehr vernünftig an für eine 16 Jährige. In dem Alter schon Einhand so eine Strecke und dann noch sehr umsichtig und abgeklärt funken. Das schafft manch Erwachsener nicht(obwohl ja manch frisch gebackener SKS Inhaber meint nun die Welt umsegeln zu können).

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 5

    • avatar DINGSDA sagt:

      jo, deswegen regen sich auch so viele Erwachsene furchtabr darüber auf, wie kann eine Sechzehnjährige etwas können und tun, was sie sich nicht trauen……
      Tja, Sachen gibt das…

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 2

  2. avatar Rätselnder sagt:

    Von Darwin nach Durban um die Spitze von Südafrika? bzw. durch den Golf von Aden?

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