Segeln im Alter: Australier Jon Sanders will zum 11. Mal solo rundum – „es ist eine Sucht!“

Nie wieder „letzte“

WEltumseglung, Jon Sanders,

Will zum 11. Mal solo um die Welt: Rekordsegler Jon Sanders aus Australien © sanders

Er kann es nicht lassen: Auch als 80-Jähriger will Sanders nochmals solo um die Welt segeln. Zwar nicht mehr im Nonstop-Rekordmodus, aber dennoch mit Ambitionen.

„Ja, ja, jaaaaa… ich weiß: Vor meiner 10. Weltumseglung habe ich gesagt, dass dies wohl meine letzte sein würde. Na und? Verdammt, ich langweile mich an Land, was soll ich hier? Mich als Rentner an einen Pool setzen, Cocktails schlürfen und darauf warten, dass der Typ mit der Sense mich abholt? Nee, da fahre ich doch lieber wieder raus auf die See, dort findet man mich nicht so leicht!“ 

Starke Worte von einem, der sie sich leisten kann: Jon Sanders, legendärer australischer Solo-Weltumsegler (SR-Porträt) und begnadeter Seemann, will also wieder ablegen – und zwar zu seiner 11. Weltumseglung. 

Moment mal: Der Mann ist schon zehn Mal um den Globus geschippert und hat immer noch nicht genug von der Einsamkeit? Der fast 80-jährige Sanders kann über solche Fragen, die ihm nach seinem Outing als Einhand-Rundum-Süchtiger von lokalen Medien immer wieder gestellt werden, nur milde lächeln. „Wer einmal davon genascht hat, kann nie mehr davon lassen,“ sagte er unlängst – breit grinsend. 

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Im Museum, vor der Parry Endevaour, mit der Sanders die Welt 3 x nonstop solo umrundete © western australian museum

Wobei in seinem Fall das Wort „naschen“ nun wirklich untertrieben wirkt. Denn was der gelernte Schafscherer, der immerhin 17 Jahre in australischen und neuseeländischen Scher-Teams ackerte, so alles auf Hoher See geleistet hat, ist gelinde gesagt unglaublich. 

658 Tage alleine und ununterbrochen unterwegs

Sanders war der erste Mensch, der die Antarktis einhand gleich zwei Mal umsegelte: 1981 – 82. Während dieser Weltumseglung passierte er die drei „großen“ Kaps – Hoorn, Gute Hoffnung und Leuwin – bevor er Kap Hoorn ein zweites Mal rundete. Danach segelte er in den Norden nach Plymouth, wieder nach Südafrika, um schließlich in Fremantle unter die Reiserei einen vorläufigen Strich von „ein paar Wochen“ zu setzen, wie er das damals ausdrückte. 

Im Guiness Book of World Records ist er aufgeführt als der erste Einhandsegler, der die Welt nonstop zwei Mal umrundete, der Erste, der die fünf südlichsten Kaps zwei Mal während einer Reise „nahm“, der die längste, jemals am Stück und ohne Stop auf einer Yacht gesegelte Distanz schaffte: 48.510 Seemeilen (78.070 Kilometer). Ach ja, sowas zog natürlich auch den Rekord für die längste, ununterbrochene Zeit auf See nach sich: 419 Tage, 22 Stunden und 10 Minuten! 

Im Jahre 1986 legte der Einhandsegler erneut in Fremantle ab, um diesmal die Welt drei Mal hintereinander, nonstop zu umrunden.Mit dieser Reise toppte Jon Sanders seinen bis dahin aufgestellten „persönlichen“ Rekord auf See: 71.000 Seemeilen nonstop, 658 Tage alleine und ununterbrochen auf See.

Wen wundert es da noch, dass so einer lieber auf den Ozeanen seine Rente „verprasst“, als mit Leidensgenossen ähnlichen Alters am Pool abzuhängen? Nicht zuletzt, weil Sanders befürchtet, früher oder später sowieso als „wenig sozial und eher unkommunikativ“ abgestempelt zu werden.

Auf See lebt es sich am besten

Obwohl, Jon Sanders ist sich seiner Outsider-Rolle durchaus bewusst. „Ich weiß ja, dass so ein Lebensabend auf See nicht gerade ein Tipp für Jedermann und -frau sein kann. Aber wie gesagt: Mir ist richtig langweilig an Land. Und so lange ich noch alles gut im Griff habe an Bord, gibt es eigentlich keinen Grund, nicht das zu machen, was ich wirklich kann: Segeln!“ 

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So sah es aus, als Sanders von seiner 10. Solo-nonstop-Weltumseglung zurück kam: Wenig los! © sanders

Also wird Sanders später in diesem Jahr, im australischen Frühling oder Frühsommer, in seinem Heimathafen Fremantle ablegen und erstmal Richtung Südafrika segeln. „Meine erste Station wird Mauritius sein. Von dort geht es Richtung Kap der Guten Hoffnung. Den Indischen Ozean habe ich ja schon mehr als ein Dutzend Male alleine durchquert und ich kenne mich dort ziemlich gut aus. Deshalb weiß ich, dass dies wohl der haarigste Teil meiner Weltumseglung in Etappen werden könnte. Denn auf meiner Route steht der Strom dann oft mit drei bis vier Knoten gegenan. Unter mir warten dann sozusagen die größten Sandbänke der Welt, die Agulhas Bank. Da baut sich eine ziemlich fiese See auf, die mir ordentlich zu schaffen machen wird,“ erklärte Sanders kürzlich nach Bekanntgabe seiner neuesten Weltumseglungspläne gegenüber australischen Medien. Doch danach lasse er es gemütlicher angehen und werde wohl mit den Passatwinden den Atlantik befahren, sagte Sanders weiter. 

Der Rekordsegler wird, streng nach dem Motto „never change a winning team“ und sowieso in Anbetracht seiner notorisch leeren Kasse, erneut auf seiner mittlerweile legendären 36-Fuß-Yacht „Perie Banou“ unterwegs sein. Mit ihr bestand er bereits seine letzten Weltumseglungs-Abenteuer.

Nie wieder „letzte“

Und damit keiner glaubt, er würde sich mit seiner elften „kleinen Flucht“ vor Arbeit jedweder Art drücken wollen, widmet er sich an Bord einem Umweltprojekt. Sanders wird in den entlegensten „Ecken“ der Ozeane Wasserproben entnehmen, diese an Bord filtern und so den Anteil Mikroplastik im Wasser für die Organisation „No Plastic Oceans“ feststellen. Außerdem will er sich in Südafrika mit einigen Aktionen für junge Frauen und Kinder einsetzen, die von der Terrorgruppe Boko Haram entführt wurden. „Ihr seht, es gibt auch auf so einer Reise genug Sinnvolles zu tun,“ unterstreicht Jon Sanders. 

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Bei seiner 3-fach-Weltumseglung in den Achtzigerjahren, nachdem er Fanpost vor Australien von einem “Postboot” übernommen hatte © wikipedia

Zehn Monate hat der dann 80-Jährige für seine 11. Weltumseglung veranschlagt. Spektakuläre Seegebiete wie Kap Hoorn, an dem er bereits sechs Mal vorbei segelte, will er diesmal wohl vermeiden. Doch „welche Route ich genau segeln werde, wird sich erst im Laufe der Reise zeigen,“ sagt Sanders schelmisch. „Je nach dem, wie ich das alles vertrage, sind auch 80-Jährige noch für Überraschungen gut.“ Und eines sei jetzt schon sicher: „Das Wort „letzte“ wird im Zusammenhang mit meinen Weltumseglungen von mir nicht mehr in den Mund genommen. Versprochen!“

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Segeln im Alter: Australier Jon Sanders will zum 11. Mal solo rundum – „es ist eine Sucht!““

  1. avatar schilke sagt:

    super! mach weiter so! lebe Deinen Traum!

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