Gelesen: Jan von der Banks Segel-Thriller “Die Farbe der See”

Segeln, Spionage, Sex

Jan von der Bank posiert für sein Plakat, mit dem die Lesung in Hamburg angekündigt wird.

Ich habe schon lange kein Buch mehr in der Hand gehabt. Komme einfach nicht dazu. Aber wenn ein fanatischer Segler, also einer von uns, einen Thriller schreibt, dann sollte das Pflichtlektüre sein.

Jan von der Bank ist Segler durch und durch. Alleine bei Wettkämpfen als Contender-Weltmeister, oder gemeinsam mit Familie auf der Fahrtenyacht. Fast ein Jahr lang war er mit kleinem Kind und Frau im Mittelmeer unterwegs. Ich habe den Mann schon einmal für ein YACHT-Porträt durchleuchtet.

Umso gespannter war ich auf das Buch. Ein Segel-Thriller. Die Segel-Literatur verwöhnt einen ja nicht gerade mit spannenden, gut geschriebenen Texten. Standard-Reiseberichte oder How-to-do-Wälzer dominieren.

Wenn dann doch jemand eine Story in die Segelthematik einbettet, rollen sich dem kundigen Leser gerne die Fußnägel hoch ob der ungenauen oder falschen Beschreibungen. Analog dazu entstehen die klassischen Filme mit Segelbeteiligung, bei denen die Produzenten die Yachten mit flatternden Segeln gegen den Wind motoren lassen.

Diesen Vorwurf muss sich die „Farbe der See“ definitiv nicht machen. Von der Bank entführt den Leser in sein Terrain. Er gibt sich keine Blöße. Es gelingt ihm, mit der Kraft der Worte auch Unkundigen die faszinierende Welt des Segelns nahe zu bringen.

Zu Beginn taucht er tief in die Welt des Regattasegelns ein, indem er die Starboot-Weltmeisterschaft 1939 in Kiel zum Thema macht. „Sie war der eigentliche Auslöser, aktiv in die Geschichte einzusteigen“, sagt der Autor.

„Ich habe davon in einer Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Kieler Yacht-Clubs gelesen. Deshalb spielt mein Buch zu Beginn des zweiten Weltkrieges. Die Sache klang einfach unglaublich: eine Woche vor Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde da noch eine internationale Regatta gesegelt, bei der Amerikaner, Engländer, Franzosen und Holländer gegen ihre deutschen Konkurrenten angetreten sind. Das waren Segler, die unter Umständen schon seit Jahren eng befreundet waren – so wie ich selber auch viele, langjährige Segelfreunde in Australien, England oder Canada habe. Das hat mich ziemlich berührt.“

Die Hauptfigur Ole Storm besitzt die Fähigkeit, aus den Farben des Wassers Winddreher und Strömungen ablesen zu können.Dieser rote Faden klingt auf den ersten Blick etwas abgedreht, aber gute Segler umgibt tatsächlich der Mythos, diese Fähigkeit zu besitzen.

Der Drehbuchautor spult sein Wissen um eine sauber aufgebaute Dramaturgie sicher ab. Dabei nimmt das Verwirrspiel um eine ominöse Superwaffe, die den Krieg entscheiden könnte, teilweise James Bond Dimensionen an. Deshalb darf auch die Liebesgeschichte mit einer rassigen Schwedin nicht fehlen. Alles steuert auf die entscheidende, heiße Liebesnacht zu. Sex im kuscheligen Vorschiff. Genauso kommt es.

Die Story ist unterhaltsam. Unvorhergesehene Verwicklungen häufen sich. Aber dieses Buch erreciht seine besondere Stärke durch die kraftvollen Beschreibungen des Segelns und des Umfelds. Die Handlungsorte kennen viele Fahrtensegler, die auf der Ostee zuhause sind. Kiel, Dyvig, Middelfahrt. Auch wir sind bei unserem Sommertörn hier vorbei gekommen und zwischen Thunö und Samsö durch über Anholt zu den Schären gesegelt.

Man kann davon ausgehen, dass das Versteckspiel, das Ole Storm mit seiner Yacht in den Schären treibt, genau so real abgelaufen sein könnte. Von der Bank hat sicher jeden einzelnen Stein auf eigenem Kiel erkundet.

Hier merkt man die Anlehnung an das „Rätsel der Sandbank“, für von der Bank der „vielleicht schönste Roman übers Segeln, den es gibt. Eine Spionagegeschichte noch dazu. Es war immer mein Traum, auch so etwas Ähnliches zu schreiben“.

Das Buch verkauft sich gut. Drei Wochen nachdem offiziellem Verkaufsstart war die erste Auflagevergriffen. Mittlerweile wird die dritte verkauft. Auch außerhalb der Wassersport-Fangemeinde erhält das Thema Zuspruch.

Fazit: Besonders Segler werden von der Lektüre nicht enttäuscht sein. Das Lesen ist ein Muss.


Preis: 9,95 €

Falls Interesse bitte über amazon Link (Foto) bestellen und damit SegelReporter unterstützen. Danke!Am Donnerstag den 18.11. wird Jan von der Bank im Internationalen Maritimen Museum Hamburg aus dem Buch lesen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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5 Kommentare zu „Gelesen: Jan von der Banks Segel-Thriller “Die Farbe der See”“

  1. avatar Olli sagt:

    Schließe mich dem Urteil an. Habe das Buch auf Törn gelesen und bin nach wie vor begeistert. Einerseits ein typischer Bestseller mit der richtigen Mischung aus Action, Spannung und Liebelei, andererseits aber genausoviel Segelei drin, wie man es vom Autor erwarten kann. Meine Lieblingsstelle irgendwo im ersten Drittel, indem der Kommandant festlegt, Ole bliebe an Bord, weil er etwas könne, was keiner der famosen Kadetten und noch nicht einmal der 1.WO beherrsche. “Und das wäre?” “Er kann segeln.”
    Köstlich im Zusammenhang.
    Carsten hat recht. Segler müssen dieses Buch lesen. Der einzige Nachteil: es ist so schnell zu Ende. Also: Lieber Jan, schreib bitte noch mehr!

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  2. avatar Marina Könitzer sagt:

    Danke, lieber Jan – für Deine unheimlich nette, vielleicht treffende Widmung, die Du in mein Buch geschrieben hast: “Für Marina, die auch die Farben der See kennt”. Als ich das Buch nach hause brachte, hat es sich mein Sohn Jojo gleich unter den Nagel gerissen. Seitdem ist es verschwunden… 😉 Aber… ich habe mir die Geschichte von ihm erzählen lassen, und auch der Bengel ist total begeistert! Wenn er in den Semsterferien nach Hause kommt, muß er’s mir wiedergeben – und dann, wenn die Kalender-Zeit vorbei ist und bevor die neue Saison wieder startet – dann hab ich vielleicht endlich die Chance, selbst “in die See einzutauchen”… 😉
    Ich freu mich drauf!
    Alles Gute für Dich – und schreib weiter, das hab ich nun schon von zig zig zig Kollegen gehört!!! Marina aus Berlin

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  3. avatar Marina Könitzer sagt:

    … zu schade, daß ich nicht zur Lesung kommen kann, aber zu diesem Zeitpunkt werde ich bereits auf Las Palmas sein, um die Start-Vorbereitungen – auch vieler deutscher Yachten – zur Atlantic Rally for Cruisers zu beobachten.
    Wir werden zeigen und berichten!
    Marina / Segel-Fotografin

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  4. avatar Backe sagt:

    Hallo alle!
    Ich freu’ mir einen ziemlichen Großbaum von einem Ast, dass mein Buch so gut ankommt! Danke für das viele warme Lob!
    Ich schreibe auch schon fleissig am nächsten! (Allerdings keine Fortsetzung: Lina und Ole sollen glücklich und in Frieden weiterleben, sich lieben und viele viele Kinder machen, und nicht noch mal soviel Stress abbekommen :.)
    @ Marina: Danke für die lieben Grüße! Viel Spaß in der Sonne!
    @ Carsten: Danke für die tolle Besprechung – dass Du auf die Sexszene im Vorschiff abfährst, war ja sowas von klar! ;.)

    Ich hoffe, ich sehe möglichst viele von Euch anderen “Segel-Fanatikern” zur Lesung!

    Herzlich, Jan

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  5. avatar Kai sagt:

    So, habe jetzt das Buch auch endlich von meinem Vater bekommen und ausgelesen!
    Hat mir sehr gut gefallen.
    Sind die beiden eigentlich in England angekommen??
    Und ein Bild von Lina hätte ich auch gut gefunden;-)
    (bin aber nicht so sexistisch wie mein Bruder;-))
    Weiter so und nachdem Du mir den Contender nahe gebracht hast, werde ich wohl auch Dein nächstes Werk mit Spannung erwarten!

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