Segeln trotz Krankheit: 11-jähriger Ungar segelt mit Diabetes im Opti auf hohem Niveau

Wo ein Wille ist…

Diabetes, Segeln, Optimist

Der “Kurze” hat immer was zu lachen © Turcsi

Vor zwei Jahren wurde bei Abel Laszlofy Diabetes Typ 1 diagnostiziert. „Jetzt erst recht,“ sagt sich der Knirps und segelt seinen Optimist weiter bei Regatten. Und lacht dabei – fast immer!

Oft genug zeigen uns die Kinder, wo’s im Leben langgeht, wie schön das selbige sein kann und was wirklich wichtig ist in unserem Dasein. Oft genug sind es ausgerechnet Kinder, die uns Erwachsenen vormachen, wie man mit Schicksalsschlägen umgehen könnte und sollte, wie selbst höchste Hindernisse gemeistert werden können, ohne dabei den Spaß am Leben zu verlieren.

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Für Abel alles ganz normal © Turcsi

Abel Laszlofy hat Diabetes Typ 1, das heißt, er muss sich mehrmals am Tag Insulin spritzen und seinen Blutzuckerspiegel nahezu ständig beobachten. Ein Leben mit der Spritze, im zarten Alter von 11 Jahren.

Für einen engagierten Optimist-Segler wie Abel bedeutet dies: Bei langen Trainingseinheiten auf dem Wasser und bei großen Regatten muss er vernünftig und konsequent „zwischendurch“ rüber zum Begleitboot, wo sein Trainer und Betreuer Peter Török schon mit allem Nötigen auf ihn wartet. Vier Mal am Tag spritzt sich der Junge selbst Insulin, noch öfter nimmt er sich einen Tropfen Blut zur Kontrolle des Zuckerspiegels.

Die anderen Opti-Segler merken von Abels Krankheit nur dann etwas, wenn er sich etwas länger beim Begleitboot aufhält – schon gar nicht an der Kreuz oder am Luvfass!

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Hier mit seinem Vater Csaba © Turcsi

„Es ist erstaunlich, wie konsequent und ruhig Abel mit seiner Krankheit umgeht,“ schreibt Trainer Török.  Bis auf die „medizinischen Zwischenstopps “ klammert er die Diabetes offenbar vollständig aus!

Doch Abel ist nicht allein mit seinem Schicksal. Sein Zwillingsbruder Levente (nicht an Diabetes erkrankt) steht zu ihm ohne Wenn und Aber. Die beiden sind in Regattakreisen als Opti-„Team“ gefürchtet und zeigen auf ungarischem Niveau den meisten anderen Optiseglern in ihrem Alter vorzugsweise das Heck.  Abel und Levante nahmen dieses Jahr bei der Opti-EM teil, wo sie mit zu den Jüngsten zählten und zeigten ihrem Trainer, dass sie auch auf internationalem Niveau gut mithalten können. Ihr großes Ziel sind nun Top-Platzierungen bei der Opti-EM 2014 in Irland.

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Er inspirierte sogar zu einem Kinderbuch © Turcsi

Abel hat sogar die in Ungarn bekannte Schriftstellerin Petra Finy dazu inspiriert, ein Kinderbuch über einen zuckerkranken Jungen, der in seinem Segelboot allerhand Abenteuer besteht, zu schreiben und zu zeichnen.

Wenn Ihr irgendwann also den Opti No HUN1285 an den Booten eurer Kids vorbeiziehen seht, (dann pöbelt nicht rum wie sonst immer, sondern) gebt dem Steuermann einen extra Wink mit auf den Weg. Denn Abel hat sich wie kaum ein anderer junger Regattasegler den Bootsnamen “Optimist” mehr als verdient…

Mit Informationen und Fotografien des ungarischen Spitzenfotografen Gabor Turcsi

Abel und Levante, das Schock-Duo in ungarischen Regattafeldern © Turcsi

Abel und Levante, das Schock-Duo in ungarischen Regattafeldern © Turcsi

 

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Levente und Abel – wer ist wer? © Turcsi

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Segeln trotz Krankheit: 11-jähriger Ungar segelt mit Diabetes im Opti auf hohem Niveau“

  1. avatar Blindfisch sagt:

    Hut ab vor dem kleinen Jungen.

    Kinder in Jollen würde ich jedoch generell niemals anpöbeln

    … außer vielleicht Kinder in motorisierten Gummischweinen nach der x-ten Runde im Hafen 😉

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  2. avatar Marina sagt:

    Lieber Michael, lieber Carsten,
    ich finde den Artikel super-gut!!! Viele wissen gar nicht, was Diabetes vom Typ 1 – medizinisch “Diabetes mellitus” – zu haben bedeutet. “Die dürfen keinen Zucker essen” ist das, was die meisten darüber wissen. Daß auch das falsch ist, sondern ganz im Gegenteil – es manchmal für einen Diabetiker ein MUSS ist, schnell Zucker zu sich nehmen, wissen nur sehr wenige. Ein Diabetiker hat IMMER Traubenzucker irgendwo bei sich. Dieser ist eine Art Notfall-Reserve, die er zu sich nehmen muß, eben wenn der Blutzuckerspiegel zu rasch absinkt oder schon abgesunken ist. Hier Werte zu nennen, ist auch nicht ganz korrekt; denn jeder Diabetiker hat ein anderes Level und ein anderes Empfinden, was die Höhe bzw. niedrige Werte des Blutzuckerspiegels betreffen, aber der Norm-Wert eines gut eingestellten Levels liegt in etwa zwischen 80 und 120 mg/%. Alles, was darunter liegt, kann gefährlich werden; denn Diabetiker können bei einem zu niedrigen BZ verwirrt wirken, betrunken oder auch im schlimmsten Fall – sofern durch Essen keine Abhilfe geschaffen wird – in eine Bewußtlosigkeit abdriften. Wichtig ist zu wissen, daß seine Wesensart plötzlich ein ganz andere ist als gewohnt… Das beste ist, den Diabetiker daraufhin anzusprechen; UND – dann aber bitte auch dabei zu bleiben und zu kontrollieren, daß derjenige auch wirklich etwas zuckerhaltiges ißt; denn ein Symptom kann sein, der Diabetiker wehrt sich dagegen; weil er selbst meint, er habe alles im Griff…! Banane, Coka Cola (natürlich keine light), Süßigkeiten helfen gut und vor allem schnell. Hohe BZ-Werte sind zwar auch nicht schön, aber diese können nur auf lange Sicht Spätschäden (die nicht zu unterschätzen sind und auch schneller akut werden könnten, als man sich vorstellt) hervorrufen. Bitte, auch dagegen etwas tun – nämlich Insulin eingeben, und das wird der Betroffenen am besten selbst wissen.
    Ich will hier keine Abhandlung über diese Krankheit geben, die eigentlich keine ist; denn: Mit Diabetes ist man NICHT krank (siehe dieser Titel des Artikels, der mir nicht gefällt), sondern wenn, dann nur bedingt gesund! Man kann – wie dieser ungarische Junge beweißt – völlig “normal” damit leben – man muß nicht bedauert werden, und es fällt auch niemandem auf. Den Verlauf der Krankheit bestimmt man größtenteils selbst – eben durch Disziplin oder eben ohne Disziplin. Man muß und will ja selbst damit alt werden….
    Wichtig ist mir mit diesem Kommentar nur, daß Leute notfalls eingreifen oder Verständnis für Unterzuckerungen haben, wenn der Betroffene eben plötzlich “anders” ist als sonst…. Es ist nicht immer eine Kreislaufschwäche oder Betrunkenheit, was sogar von Sanitätern oder manchen unerfahrenen Ärzten übersehen werden kann….
    UND: Ein Stück Zucker in den Mund zu schieben, schadet keinesfalls!
    Ihr Lieben, die das hier tatsächlich bis zuende gelesen haben – DANKE für Euer Interesse! Wer weiß, wem dies einmal nützen kann… Es gibt 7 Mio Diabetiker in Deutschland – und davon sind 10% Typ-1-Diabetiker. Das sind die, deren Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produzieren, die folglich Insulin per Injektion zu sich führen müssen. Diejenigen Diabetiker, die Abhilfe schaffen können durch Diät, Tabletten oder auch wenige Insulingaben, nennt man Typ-2-Diabetiker; das ist der sogenannte “Altersdiabetes”, den aber auch schon relativ junge Leute haben können…
    http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 29 Daumen runter 0

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