Segelpflege unterwegs: So behalten die Segel ihr Profil und leben länger

Tuchpflege auf Törn

Damit die weißen Tücher auch möglichst lange Zeit weiß bleiben und ihr Profil bewahren, gehört auch während des Törns Pflege dazu. Wir sprachen mit Segelmachern über die richtige Pflege.

Auf See lässt sich das Segel nicht vor UV-Strahlung schützen, im Hafen allerdings schon © Kai Köckeritz

Eine leichte Brise streicht durch den Hafen, in der Ferne klappern ganz leicht die Fallen an den Masten, während die Sonne tief am Horizont steht und den Hafen in ein goldgelbes Licht taucht. Unvergessliche Abende, die jeder Fahrtensegler kennt. Doch so sehr uns das gute Wetter mit Sonne und Wind auch erfreut, schadet die UV-Strahlung nicht nur unserer Haut, sondern auch den Segeln. „Die größte Bedrohung für die Segel im Sommer ist ohne Frage die Sonne“, sagt Jens Nickel von der Segelwerkstatt Stade. Auch abends sei die UV-Belastung noch sehr hoch und kann das Gewebe, sowie den Kleber im Segeltuch zersetzen, fährt er fort. Die UV-Strahlung lässt ein Segel wesentlich schneller altern, sodass es schnell passieren kann, dass das Tuch delaminiert oder gar unter Belastung reißt.

Das Anschlagen der Persenning im Hafen stellt also keineswegs nur eine Tradition der Seemannschaft dar, sondern erfüllt einen Zweck: den Schutz des Segeltuches! Daher sollten die Segel im Zuge des Aufklarens an Deck noch vor dem Öffnen des ersten Bieres entsprechend eingepackt werden. Und zwar nach jedem Einlaufen in den Hafen. Das Großsegel verschwindet unter der Großbaumpersenning und das Vorsegel – so es sich um eine Rollfock handelt – wird ebenfalls eingetütet.

Da das Vorsegel in der Regel meist mehr Arbeit verursacht, bleibt das Segel bei vielen Booten eingerollt der Sonne ausgesetzt. Unter- und Achterliek werden in diesem Fall besonders hart von der Sonne in Mitleidenschaft gezogen. Daher nehmen Roll Segel meist am Achterliek den meisten Schaden und gehen an dieser Stelle kaputt. Wer nicht jeden Nachmittag die Vorsegelpersenning über das Vorstag stülpen möchte, kann sich einen UV-Schutzstreifen an die Lieken nähen lassen. Solch ein UV-Schutz schützt die exponierten Stellen des aufgerollten Tuches vor der Sonneneinstrahlung. Die Schutzstreifen stören nur etwas die Optik des Tuches – der Stand des Segels wird kaum beeinflusst.

Unterwegs sollte zudem regelmäßig kontrolliert werden, ob Splinte am Relingszaun herausragen oder sonstige scharfkantigen Teile das Segel beschädigen könnten. Vor der Saison sollte daher auch kurz das Rigg kontrolliert werden. Vorsegel scheuern auch oft an den Salingen. Falls die Reibung mechanische Belastung zu groß wird, lässt sich an diesen Stellen auch ein Schutz aufnähen.

Falls sich Schmutz wie beispielsweise Vogelkot in den Segeln befindet, lässt er sich in der Regel recht einfach ausbürsten und mit Süßwasser ausspülen. Auch die in Holland lästigen Fliegen, die in die Segel mit eingerollt werden, lassen sich so entfernen. Schwieriger wird es beispielsweise bei Blut. Bei solchen Verunreinigungen sollte schnell gehandelt werden und die Stelle mit Süßwasser gespült werden, bevor Blut (oder Rotwein usw.) in das Gewebe einziehen können. Im Handel gibt es für diese Zwecke auch entsprechende Reiniger wie beispielsweise von Yachticon oder der Niemeyer-Hausmarke. Das regelmäßige Spülen mit Süßwasser sollte auch während des Sommertörns eingehalten werden, um Salzwasser beziehungsweise Salzkristalle aus dem Segel gespült werden.

„Ein weit verbreiteter Irrtum ist es, dass der Großbaum samt Kicker und Großsegel zunächst trockenen müssen, bevor das Segelkleid angebracht werden kann. Die meisten Stoffe der Baumkleider sind atmungsaktiv und somit kann direkt nach dem Abspülen die Persenning aufgezogen werden“, sagt Jens Nickel von der Segelwerkstatt Stade. Und wer gleich schon das Segel spült kann auch das laufende Gut kurz auswaschen, damit es nicht hart und brüchig wird. Aber auch die Blöcke und die Trommel der Rollanlage sollten hin und weder vom Salz befreit werden. Die Segelwerkstatt Stade empfiehlt dann noch zusätzlich die Behandlung mit einem Gleitmittel, um die Blöcke und die Trommel leichtgängig zu halten und hohen Verschleiß zu vermeiden.

Falls das Segel unterwegs dann doch reißen sollte und sich kein Segelmacher vor Ort befindet, lässt sich das Segel auch mit Bordmitteln flicken. Im Handel ist beispielsweise ein Produkt unter dem Namen „Dr Sails“ erhältlich, das sich gut für Reparaturen von Laminatsegeln eignet. Beim Aufbringen eines Flickens oder Dr Sail-Patches darf keine „Lose“ in die Verbindung geschoben werden. Dies bedeutet, beide Seiten der Naht müssen ganz flach liegen. Ergibt sich hier eine Falte wird es später zu hohen Belastungen an den Übergängen kommen und das Segel wird in diesem Bereich kein sauberes Profil mehr entwickeln.

Ein Kommentar „Segelpflege unterwegs: So behalten die Segel ihr Profil und leben länger“

  1. avatar Harrie Jasses sagt:

    Moin Segelreporter Team,

    gibt es eine anerkannte Regel, wie wichtig das Trocknen und Entsalzen (Abspülen) für die Segel ist?

    Vielen Grüße

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