Segelschulschiff: „Gorch Fock“ wird erst in einem Jahr segeln – Mehr Arbeit ohne Mehrkosten?

Sanierung zieht sich

Gorch Fock, Marine, Sanierung

Die Gorch Fock unter Vollzeug © Ricarda Schoenbrodt/Marine

Nach eingehenden Untersuchungen sind neue Mängel und Schäden am deutschen Vorzeigesegler festgestellt worden. Offiziere werden nicht vor 2019 ausgebildet.

Es wird wohl noch ein Jahr dauern, bis auf der „Gorch Fock“ wieder die Rahen geentert und die Segel fallen werden. Denn an dem Deutschen Segelschulschiff sind im Rahmen der Sanierungsarbeiten weitere Schäden und Mängel aufgedeckt worden, deren Reparatur und Instandsetzung offenbar als zeitintensiver eingeschätzt wird, als bisher angenommen.

So sind nach Angaben der Marine 80 Prozent der „Außenhaut“ der „Gorch Fock“ so schadhaft, dass der Großsegler damit nicht mehr einsatzfähig wäre. Zudem müssten das Oberdeck (u.a. aus Teakholz), das Zwischendeck und das Deckshaus grundlegend saniert und neu aufgebaut werden.

75 Millionen Euro

Seit Januar 2017 wird die Dreimastbark in Bremerhaven im Schwimmdock der Bredo Werft überholt. 75 Millionen Euro hat das Verteidigungsministerium dafür zur Verfügung gestellt – eine Summe, die unter der Bevölkerung und in Politikerkreisen zunächst heftig diskutiert wurde. Nicht zuletzt, weil mit dem zur Verfügung stehenden Geld ein Schiffsneubau durchaus realistisch wäre und man die Ausbildung der Marineoffiziersanwärter auf dem Traditionssegler als veraltet und nicht mehr zeitgerecht kritisierte. 

Gorch Fock, Marine, Sanierung

In kühleren Gefilden © marine

Dennoch gab Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zum Jahresbeginn grünes Licht für die Instandsetzung der „Gorch Fock“ und entschied zudem, dass die Dreimastbark über das Jahr 2030 hinaus als Ausbildungsschiff dienen soll. 

Dass nun mit den neu entdeckten Schäden am Schiff jedoch die Sanierungskosten nicht steigen sollen, gibt zu denken. Wurden die zunächst aufgetretenen Sanierungsarbeiten etwa allzu großzügig veranschlagt? Auch dass Schäden an den Decks erst im Laufe der Sanierung „entdeckt“ werden, erscheint seltsam. Werden solche an sich „sensiblen“ Bereiche nicht sowieso turnusmäßig überprüft?

Ausbildung auf “fremden” Schulschiffen

Der Offiziersnachwuchs der Marine wird jedenfalls seine Ausbildungen unter Segeln erst 2019 wieder auf der „Gorch Fock“ aufnehmen können. Denn nach Wasserung des dann sanierten Großseglers „nicht vor Ende drittes Quartal 2018“, wird sich zunächst die Stammbesetzung mit der Dreimastbark wieder vertraut machen müssen, bevor erste Offiziersanwärter an Bord kommen. 

Gorch Fock, Marine, Sanierung

Die vielleicht schönste Dreimastbark der Welt – wenn sie denn segelt © marine

In der Zwischenzeit sucht die Marine für ihre Ausbildung nach einem Ersatz für die „Gorch Fock“. In diesem Jahr waren 110 deutsche Marineoffiziersanwärter auf dem „Gorch-Fock I“-Schwesterschiff „Mircea“ der rumänischen Marine unterwegs, um einen (obligatorischen) Teil ihrer Ausbildung unter Segeln zu verbringen. Welches Schiff im kommenden Jahr als „Trainingsstätte“ für die angehenden Offiziere dienen wird, ist offenbar noch nicht entschieden. Man werte noch die diesjährigen Ausbildungsfahrten aus.

Tipp: André Mayer

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Michael Kunst

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4 Kommentare zu „Segelschulschiff: „Gorch Fock“ wird erst in einem Jahr segeln – Mehr Arbeit ohne Mehrkosten?“

  1. avatar Backe sagt:

    Ein hübsches Beispiel dafür, dass in Sachen Verteidigungshaushalt in Deutschland null komma gar keine Kostenkontrolle stattfindet.
    75 Mio. für eine Sanierung? Na klar, liebes Marineoberkommando, kriegst du! Wir wissen ja, wie sehr du an dem Schiffchen hängst …
    Mensch, Usula, der Neubau der Alexander von Humbold 2 hat ganze 15 Mio. gekostet.
    Das sind – lass mich kurz rechnen – 5 (in Worten fünf!) komplette niegelnagelneue Dreimastbarken von 65 m Länge, die man für die (im Wesentlichen) Rost-Sanierung eines 76 m-Schiffes bekäme, das seine theoretische Lebenserwartung ohnehin längst übererfüllt hat.

    Von der Frage nach der Notwendigkeit eines aus dem 19. Jahrhundert datierenden Ausbildungskonzeptes für Kadetten wollen wir jetzt gar nicht erst wieder anfangen.

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  2. avatar Yachtie sagt:

    Backe hat leider vergessen:

    – dass die Alex II mit einer Verdrängung von knapp 1000 t nur halb so gross wie die Gorch Fock mit 2000 t ist.

    – dass Planung und Bau einer Gorch-Fock-Nachfolgerin fast 10 Jahre in Anspruch nehmen und aus Sicherheitsgründen nicht jedes x-beliebige Ersatzschiff gechartert werden kann.
    Die rumänische Mircea (Bj 1938 !!!) wird sicher nur vorübergehend deutsche Kadetten aufnehmen können.

    – Bei einem sofortigen acht Jahre dauernden Neubau wären inklusive Chartern eines Segelschiffes als Übergangslösung rund 200 Millionen Euro fällig geworden. – Quelle: http://www.mopo.de/25633458 ©2017

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  3. avatar Yachtie sagt:

    Wie ich zwischenzeitlich erfahren habe, hat Backe aufgrund seiner Kadettenzeit ein persönliches Problem mit der Gorch Fock.

    Dass er das Ansehen unserer Gorch Fock, die als Botschafter Deutschlands auf den Weltmeeren und in den Häfen der Welt viel international Sympathie gefunden, durch den Roman “Hundewache”, in dem es um Vergewaltigung, Mord uns Totschlag geht, besudelt, ist mehr als gechmacklos.

    Vermutlich hat der Roman auch dazu beigetragen, dass die Eltern der 2008 mutmasslich verunglückten Jenny Böken nicht zur Ruhe kommen konnten und – wie in dem Schund-Roman – davon sprachen, ihre Tochter könne vergewaltigt, ermordet und über Bord geworfen worden sein.

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    • avatar Jörg sagt:

      Bevor ich mich jetzt in irgendeine Richtung aufrege, hätte ich noch eine Verständnisfrage: Ist der Beitrag jetzt Satire oder ernst gemeint?

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