Segler vs Motorboot: Raser im Regattafeld – Gefährliche Begegnung in den Schären

Hebel auf den Tisch

In der schwedischen Segel-Community sorgt ein Video für Entrüstung, das Segler und Motorbootfahrer nicht gerade zu Freunden werden lässt. Es soll auch ein Hammerwurf im Spiel sein.

“Erst dachte ich an einen bizarren Witz”, schreibt Peter Gustafsson, wohl als er sich auf seinem Video lachen hört. Er konzentriert sich darauf, bei der jährlichen Regatta Hermanö Runt nordwestlich von Göteborg eine gute Platzierung zu erreichen und steuert unter Gennaker das Nadelöhr bei Gullholmen an, als ein schwer motorisiertes Rennboot von vorne auf ihn zu rast. Es passiert knapp zwischen ihm und einer gegnerischen Yacht, die sich ebenfalls durch die Enge quetscht.

An Bord fällt das Wort “Idiot”.  Gustafsson lacht aufgeregt. Er kann nicht glauben, was da passiert ist. Dann folgt ein zweites Boot in Höchstgeschwindigkeit – ein drittes. Als das vierte Mobo vorbeiprescht, wird auch der Großsegeltrimmer etwas ungehalten. Das ist jetzt alles nicht mehr lustig.

“Jemand hätte sterben können”, sagt der Schwede gegenüber der Zeitung SVT. “Das war lebensbedrohlich.” Der Skipper schickt das Video an lokale Medien, und auch das Fernsehen steigt in die Berichterstattung ein.

Nun ist der Trimmer etwas ungehalten…

Was ist passiert? Wer waren diese irren Motorboot-Fahrer?

Das Rätsel ist schnell gelöst. Es handelt sich um ein Wettrennen, den Smögen Poker Run. Und offenbar fand es parallel zur Hermanö Runt Regatta statt.  Normalerweise werden die jährlichen Rennen an verschiedenen Wochenenden abgehalten, aber diesmal hat es offenbar bei der Terminabstimmung gehakt.

Und wenn jemand die Kontrolle verliert?

Andererseits waren nicht nur Regattasegler unterwegs. Das Revier ist in dieser Ferienzeit auch beliebt bei Fahrtenskippern. Es gilt als überfüllt. “Was, wenn jemand die Kontrolle verloren hätte”, fragt Gustafsson. Oder wenn plötzlich versteckt hinter einer Yacht eines der vielen Kajaks afgetaucht wäre. “Die Folgen sind nicht auszudenken.”

Ein Rennboot rast zwischen zwei Segelyachten durch. © Gustafsson

Dem Skipper zufolge sei der Terminabstimmungsversuch von Seiten der Regatta-Organisatoren erfolglos geblieben. Die Mobo-Wettkampf-Ausrichter waren auch für die recherchierenden Journalisten nicht zu erreichen. Sie sprachen aber mit einem ehemaligen Veranstalter des Poker Runs. Der verweist deutlich darauf, dass auch jeder Motorbootfahrer in einem solchen Wettkampf verantwortlich für sein Boot ist und die Schiffahrtsregeln einhalten muss. Da hätten sich offensichtlich einige Menschen falsch verhalten.

Es gibt aber auch einen anonymen Mobo-Fahrer und Poker-Run-Teilnehmer, der gegenüber SVT sagt, er halte das Thema für aufgebauscht. Schließlich sei ja nichts passiert. “Und wir haben diese Boote besser im Griff, als manche auf den Segelbooten glauben.”

Hammer geworfen?

Er führt außerdem an, dass einer der Segler einen Hammer auf eines der passierenden Motorboote geworfen haben soll. Wenn einem etwas Angst bereiten könne, dann durch eine solche Aktion. Tatsächlich soll der Vorfall in einem Video-Clip bestätigt worden sein. Bei dem Werfer handele es sich nicht um einen Regatta-Teilnehmer. – Auch nicht die feine Art.

Nach Anzeigen bei der Polizei untersucht diese nun die genaueren Umstände der ziemlich unheimlichen Begegnung.

Vielleicht kommen sie zu dem Schluss, dass es abgesehen davon, dass es in schwedischen Gewässern zu dieser Zeit doch vielleicht etwas zu beengt zugeht, um ein Motorboot-Rennen stattfinden zu lassen, doch einen gewissen Sinn ergeben könnte, über solche Vernastaltungstermine zu kommunizieren.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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