Sexueller Übergriff: Olympiasiegerin Sofia Bekatorou klagt an – Funktionär tritt zurück

"Die Stimme erheben"

Die Welt-Seglerin Sofia Bekatorou (43) soll 1998 sexuell missbraucht worden sein. Nun, 22 Jahre später, geht sie an die Öffentlichkeit. Die griechische Staatspräsidentin bekundet Unterstützung.

Das dominierende 470er Duo 2002 und 2004 auch als Weltseglerinnen des Jahres. © World Sailing

Für den griechischen Segelverband beginnt das neue Jahr rabenschwarz. Nachdem der mehrfache Olympia-Teilnehmer Leonidas Pelekanakis (58) am 14. Januar an Covid-19 verstorben war, erschüttert die Griechen nun der Missbrauchsfall eines ihrer größten Stars.

Im Rahmen einer Online-Veranstaltung zum Schutz von Kindern im Sport hat Sofia Bekatorou (43), Olympia-Siegerin (2004, 470er) und -Bronze-Gewinnerin (2008, Yngling), einem Sportfunktionär sexuellen Übergriff vorgeworfen. 1998 soll die damals 21-Jährige von einem Mitglied der Hellenic Sailing Federation (HSF) sexuell missbraucht worden sein. Die beschuldigte Person habe in einem Hotelzimmer ohne Einvernehmen einen “unzüchtigen Akt” vollzogen. “Ich sagte nein, ich wiederholte, dass ich nicht weitermachen wolle. Er sagte, es sei doch nichts.” Das Ereignis beschäme sie, so Bekatorou.

Einen Namen nannte sie nicht, aber griechische Medien wollen Aristeidis Adamopoulos, den Vizepräsidenten des griechischen Seglerverbandes, als Täter ausgemacht haben. Der Verband, der zunächst verlangt hatte, dass Bekatorou mehr Details zu ihren Anschuldigungen liefert, bevor er Maßnahmen ergreift, sagte in einer Erklärung, dass er den sofortigen Rücktritt des Funktionärs gefordert habe. Adamopoulos ist dem inzwischen nachgekommen, bestritt aber jegliches Fehlverhalten. Er wolle nur den Verband vor der “negativen Publicity”schützen.

Die Olympiasieger 2004 im 470er Sofia Bekatorou und Emilia Tsoulfa. © World Sailing

Den späten Schritt in die Öffentlichkeit erklärt die zweifache Weltseglerin mit ihrer damaligen Angst um ihrer sportliche Karriere. Sie habe all die Jahre geschwiegen, um weiter an Wettkämpfen teilnehmen zu können. “Wir hatten damals keine Unterstützung durch einen Sportpsychologen und ich wollte nicht mit meinen Eltern sprechen, weil sie mir verboten hätten, weiter zu segeln”, sagt sie in einem ersten Interview. Ihr Ziel sei es nun, junge SportlerInnen zu ermutigen, eigene Erfahrungen zu teilen.

“Alt genug, mein Großvater zu sein”

Auf Facebook schrieb Bekatorou: “Ich möchte betonen, dass es mir nicht nur um meine persönliche Erfahrung und diesen Einzelfall geht. Es geht um den Machtmissbrauch und das Versagen des Verbandes. Ich möchte Betroffene ermutigen, ihre Stimme zu erheben.” Tatsächlich folgten ihrem Vorbild weitere Athletinnen, die sexuellen Übergriffen von Sportfunktionären ausgesetzt gewesen sein sollen.

Inzwischen bekannte mit Marina Psichogiou eine weiter ehemalige Seglerin, dass auch sie 1993 im Alter von 20 Jahren Opfer eines ähnlichen Missbrauchs wurde. Er sei ein Mitglied des griechischen Verbandes gewesen und war “alt genug, mein Großvater zu sein”.

Am Montag traf sich Griechenlands Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou mit der Segel-Olympiasiegerin, um ihre Betroffenheit auszudrücken. “Es war das Mindeste, was ich in Anerkennung ihres Muts und ihrer Würde tun konnte”, sagt sie in einem Statement. “Mit ihr traf ich all jene Frauen, die verbal oder körperlich missbraucht worden sind und durch die moralische Grausamkeit sexueller Übergriffe für ihr Leben verletzt wurden.” Auch andere prominente Politiker haben öffentlich ihre Unterstützung bekundet.

4 Kommentare zu „Sexueller Übergriff: Olympiasiegerin Sofia Bekatorou klagt an – Funktionär tritt zurück“

  1. avatar Thoralf sagt:

    Eine Verurteilung eines Menschen durch die Medien ist ein absolutes NoGo gegen das der Presserat sofort aktiv werden muss. Nach wie vor gilt jemand erst als schuldig, wenn seine Schuld nachgewiesen wurde und wenn er von einem staatlichen Gericht nach einem ordnungsgemäßen Verfahren verurteilt wurde.
    Anschuldigungen erst nach sehr langen Zeiträumen hervorzubringen, wo eine Beweisaufnahme praktisch garnicht mehr möglich ist hat schon ein bestimmtes Geschmäckle. Man kann ja häufiger beobachten, dass sollche meetoo-Anzeigen nur bei Leuten gemacht werden, nachdem sie Karriere machten, prominent wurden und bei ihnen was zu holen ist. In einem mit persönlich bekannten Fall gab es einen Erpressungsversuch. Als der Erpresste nicht auf die Erpressung einging erfolgte dann die Anzeige.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 15

    • avatar simmerl sagt:

      Wer diesen Standpunkt vertritt hat nicht verstanden, was die öffentliche Anklage eines Verbandsfunktionärs in den 90er Jahren für Konsequenzen nach sich gezogen hätte. Im Gegensatz zum Showgeschäft ist es im Segelsport recht schwierig sich Erfolg zu erschlafen.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

  2. avatar PL_heinz sagt:

    @Thoralf

    es geht schon mal gar nicht, einen sexuellen Übergriff als mediale Belästigung des Täters zu bezeichnen.

    Egal wie viel Zeit inzwischen vergangen ist, die Opfer leiden lebenslang.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 2

  3. avatar alech2468 sagt:

    Das Schweigen muss einmal durchbrochen werden, ich halte Aussagen (Bekenntnisse .. sorry, finde nicht das richtige Wort) wie jene von Frau Bekatorou für sehr, sehr mutig, für sehr richtig und für sehr notwendig! Der konkrete Verband und der Täter (wer immer das war) hatte fast 23 Jahre Zeit, das Unrecht selbst zu richten und zu helfen … ! Er tat es offensichtlich nicht. 23 Jahre Schweigen (zumindest nach außen) … das ist mehr als zu lange! Das ist nicht zu rechtfertigen und ist nicht zu entschuldigen!

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

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