Shit happens: 90 Fuß Motoryacht kentert und sinkt bei Stapellauf

„Uuups“-Moment

Es immer ein großer Moment, wenn eine jungfräuliche Yacht erstmals mit ihrem Element in Berührung kommt. Da kann sie schon mal aus dem Gleichgewicht geraten…

Um ehrlich zu sein, es klingt doch ziemlich dämlich, wenn vor der Wasserung von Booten und Yachten – ob beim Frühjahrskranen oder tatsächlich mal zu einer Jungfernfahrt – immer aufs Neue dieser Spruch fällt: „Hoffentlich schwimmt sie auch!“

Ja warum sollte sie denn nicht schwimmen? Erst recht beim Stapellauf einer nagelneuen Luxus-Motoryacht, an der gestandene Bootsbauer einer renommierten Werft zweieinhalb Jahre gebaut haben. Eine Yacht, an der vom Feinsten verarbeitet, bei der alles, bloß nicht gekleckert wurde… warum sollte sie denn nicht schwimmen, wenn sie ins Wasser geschubst wird?

(Noch) stolzes Schiff © yachtvid

(Noch) stolzes Schiff © yachtvid

Doch bei der 90-Fuß-Motoryacht, ausgerechnet aus der Serie „Expedition“ der Werft „Northern Marine Industries“ im US-Bundesstaat Washington wurde aus dem lapidaren Sprüchlein schlicht ein mieses Omen…

Das Video der Kollegen von „yachtvid“ (keine Angst vor dem Hund auf dem Schoß des Erzählers, der will nur spielen!) zeigt ein (nach Seglers Verständnis) unförmiges Etwas in geschätzter Hochhaushöhe, das zunächst aus der Halle, dann auf die Slipstraße gezogen und geschoben wird. Es wird getauft, dann geht’s mit der gebotenen Contenance im würdevollen Tempo runter ins Nass.

So weit, so gut. Doch kaum im Wasser senkt sich das Monstrum ein wenig zur Backbordseite. „Das wird schon, muss sich gleich wieder aufrichten,“ könnte man meinen. Denkste: Der blaue Luxuskasten kentert vollständig, sofort läuft seitlich Wasser ein. Da das Werftbecken nicht allzu tief war, sinkt die Yacht nicht vollständig, sondern legt sich in bester „Costa C.-Manier“ auf die Seite.

So schnell kann's gehen © yachtvid

So schnell kann’s gehen © yachtvid

Jetzt könnte man so wunderbar darüber lästern, von wegen „es muss schon annähernd wie ein Schiff aussehen, was schwimmen soll“ und so… nur: auch hier waren in diesem „Uuups“-Moment Menschen in Gefahr: Unter Deck befanden sich mehrere Arbeiter, die sich angeblich um den Ballasttrimm des Schiffes kümmern sollten.

Zwar wurde niemand verletzt, zwei Herren flüchteten über die Hecksalontür, zwei weitere durch ein eingeschlagenes Seitenfenster… doch wäre das Becken nur zwei Meter tiefer gewesen, wäre der ganze Akt zur Tragödie geworden.

Jetzt wird das Hafenbecken wieder vollgepumpt © yachtvid

Jetzt wird das Hafenbecken wieder vollgepumpt © yachtvid

Warum die Motoryacht nun tatsächlich sank, ist unklar. US-amerikanische Motoryacht-Websites und -Magazine spekulieren, dass hier ganz offensichtlich der stabilisierende Ballast falsch berechnet worden sei. Andere behaupten, es sei Usus, Teile des Ballastes (etwa Wasser) erst nach der Wasserung aufzunehmen.

Wie auch immer: Das Schiff wurde in der Nacht nach der Kenterung wieder aufgerichtet und leergepumpt. Über die Schadenshöhe wurden noch keine Schätzungen bekannt. Der Eigner soll übrigens nur noch wenig Vertrauen in Schiff und Werft haben…

Tipp: SR-Leser Jan van der Bank

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Shit happens: 90 Fuß Motoryacht kentert und sinkt bei Stapellauf“

  1. avatar chenninge sagt:

    Scheint so, als wären die Designer langsam an den physikalischen Grenzen der Hochbordigkeit angekommen.
    Funktioniert das Konzept nur mit vollem Innenausbau und befüllten Tanks als Kontergewicht? In jedem Fall sehr beruhigend damit rauszufahren…

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  2. avatar kristof sagt:

    Uuh, wer ist denn dieser schmierige Honk, der da die ganze Zeit seinen Hund tätschelt? Grauenhaft.

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  3. avatar sebwilcke sagt:

    Naja, “Schwimmen” ist das eine. Wäre das Boot wasserdicht gewesen wäre es geschwommen, nur halt nicht aufrecht. Die Hydrostatik wollte was anderes…

    Die Hochbordigkeit bzw. das Verhältnis Über- zu Unterwasserschiff hat erstmal nicht viel zu sagen. Kreuzfahrer fahren hier fast mit dem Verhältnis 1:10 durch die Gegend.

    Hier hat ein Vollprofi die Hydrostatik verpeilt. Zumindest passte sie offensichtlich für den Stapellauf nicht. Vermutlich war die Gewichtsrechnung falsch. Die ist manchmal garnicht so einfach… Zuviel Goodies auf dem Sonnendeck und zuwenig im Keller, GM_0 < 0 ?!…

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