Sicherheit: Gefahr durch Schiffsschrauben – Gesetz verlangt Propellerschutz für Coachboote

Ryan’s Law

Der 12-jährige Segelschüler Ryan Weiss kam vor einem Jahr in New York beim Kentertraining ums Leben. Seine Eltern haben nun ein Gesetz erwirkt, das solch ein Unglück verhindern soll. Könnte es auch hierzulande Sinn machen?

Das Trainerboot mit dem der Unfall passierte. © CYC

Es passierte beim Segeltraining. Zwei Schüler bekamen die Anweisung, ihr Boot zu kentern, ein dritter befand sich schwimmend im Wasser. Der 18-jährige Coach überwachte die Übung im Gummi-Motorboot. Er fuhr zum schwimmenden Schüler, Ryan Weiss, barg ihn aus dem Wasser und setzte ihn seitlich auf den Gummischlauch.

Als er Gas gab, fiel Weiss über Bord. Der Propeller traf ihn. Und offenbar verfing sich die Schwimmweste in der Schraube. Die rotierenden Flügel fügten ihm schwere Verletzungen zu. Der Coach holte den Jungen aus dem Wasser und versuchte  Wiederbelebungsmaßnahmen. Aber es war zu spät.

Es ist eine Szene, die sich vor einem Jahr beim Centerport Yacht Club im Bundesstaat New York auf dem Long Island Sound abspielte. Sie könnte überall auf der Welt passieren glauben Kellie und Kevin Reiss, die Eltern des Opfers. Sie meinen, dass auch andere Kinder vor der Gefahr geschützt werden müssen.

Deshalb haben sie sich seit dem Tod ihres Jungen für ein Gesetz stark gemacht, das  jetzt in Suffolk County, einem Landkreis auf der Halbinsel Long Island, in Kraft gesetzt wird. Es verlangt, dass Motorboote, die zur Ausbildung von Minderjährigen eingesetzt werden, mit einem Propellerschutz ausgestattet sind.

“Mit gebrochenem Herzen”

Die Eltern sagen der Zeitung Newsday: “Wir stehen hier für immer mit gebrochenem Herzen, und obwohl uns die neue Regelung Ryan nicht zu uns zurückbringen kann, hoffen wir, dadurch jemand anderen zu beschützen, ein anderes Kind da draußen.”

“Ryans’ Gesetz” besagt konkret, dass jedes Boot auf den Wasserstraßen von Suffolk County, das benutzt wird, um Menschen unter 18 Jahren in einem formalen Rahmen, wie einem Lehrgang über die Navigation oder  Sicherheit auf See zu unterrichten, einen Käfig oder eine Hülle um die Schraube aufweisen muss, “um die Sicherheit der Schüler zu gewährleisten und um sie vor möglichen Verletzungen zu schützen”.

Propeller-Schutz

Propeller-Schutz bei Compass für 169 Euro. © Compass

Die Kosten für die Installation der Propellerwächter, sollen in den USA rund 100 Dollar betragen. Hierzulande bewegen sich die Schutzkäfig zwischen 160 und 250 Euro. Das County-Gesetz mach mächtig Druck. In den USA geht nichts ohne Bußgeld. Erstmalige Verstöße kosten zwischen 250 und 500 Dollar. Sie steigen dann auf 750 bis 1.500 Dollar.

Lektion aus der Tragödie

Ian Milligan, Kommodore des Greater Huntington Council of Yacht and Boating Clubs – der mehr als 4.000 Wassersportler vertritt – sagt bei Newsday, dass sein Club das Gesetz voll unterstützt und seine Mitglieder sich freiwillig bereit erklärt hätten, solche Propellerwächter selbst zu installieren.

Er hofft, daß das Gesetz Vorbild für andere sein kann. “Es ist bedauerlich, dass dieser Unfall passiert ist. Aber wir hoffen, dass dieses Gesetz beitragen wird, andere zu ermutigen, diese Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Es wäre eine Lektion, damit andere keine ähnliche Tragödie erleben müssen.”

Könnte es auch hierzulande Sinn machen? Oder übertreiben die Amerikaner mal wieder?

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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7 Kommentare zu „Sicherheit: Gefahr durch Schiffsschrauben – Gesetz verlangt Propellerschutz für Coachboote“

  1. avatar Yo sagt:

    Das macht total Sinn !
    ich habe leider einmal live in einer Segelschule miterlebt wie eine Personsn von einem Schlauchboot schwer verletzt wurde. Das war bei einem Rettungsmanöver in einer unerwarteten Sturmfront, für die Segllehrer sicher ein Ausnahmezustand und schwierige Situation, da sich mehrere Segler + Boote gleichzeitig in ‘Seenot’ befanden.
    Zum Glück war die Verletzung damals nicht tötlich, aber hatte doch erhebliche Folgen. Mit einem Propellerschutz wäre wahrscheinlich (fast) nichts passiert, vielleicht nur eine Prellung statt riesige Schnittwunden…
    Ich persönlich wäre dafür das sogar nicht nur auf Kinder- + Jugend-Trainings zu beschränken, sondern auch für sonstige Trainings oder Segelschulen als Masstab zu nehmen.
    Bin gespannt was ihr darüber denkt.
    Grüsse, Yo

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  2. avatar Axl sagt:

    Ich persönlich würde das für JEDE Schiffschraube empfehlen. Der Käfig schützt nicht nur vor Verletzungen, sondern auch die Schraube selbst. Aufklärungsarbeit ist dann aber nötig, ob oder inwieweit der Schutz das Bootshandling beeinträchtigt.

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  3. avatar Fastnerwinner sagt:

    Haben wir auf 3 von 4 Optigruppen-Ribs seit langem. Man verliert 3-4 Knoten Speed und gewinnt “1000 Knoten” Sicherheit.

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  4. avatar Detlef sagt:

    Klingt absolut sinnvoll, oder zweiter Blick von mir geht immer nervös nach hinten und zu den Seiten und öfter als auf jede Segelfrage schärfen wir auch das Bewusstsein der Kids zu dieser Gefahr. Lokal könnte bei uns das Problem entstehen, dass man ab Sommer angesichts der Wasser-Verkrautung möglicherweise kaum noch vorwärts kommt (Speed ist uns eh egal)

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  5. avatar Peter K. sagt:

    Darf man auch ganz ohne Gesetz montieren! Haben wir im Verein am Begleitboot auch schon gemacht. Keine negative Beeinflussung des Fahrverhaltens. Aber sehr beruhigend für alle Verantwortlichen.

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  6. avatar Manfred sagt:

    Der Propellerschutz ist, wie schon das Wort sagt, ein Propellerschutz. Versuche in England haben ergeben, dass durch den Propellerschutz auch Tampen oder Körperteile angesaugt werden können.
    Zitat:
    In the UK nearly all training organizations have removed these guards, as if alongside someone in the water and they are hit by a moving propeller with no guard, they will in all likelihood suffer a very nasty injury, but the forces involved will actually throw the bit of body struck, away from the propeller.

    However, if there is a guard fitted there is a high possibility that arm or leg/foot will get dragged between the guard and the propeller, this will then continue to draw in the limb, with no way of escape from the thrashing blades, causing vicious probably fatal injuries – rather like a meat mincer!

    If safety is the major concern, then only a water jet drive will guarantee no propeller injuries!
    – David Evans
    Zitatende.

    Ein zusätzlicher Schutz dagegen, vor dem Propeller angebracht verschlechtert das Fahrverhalten so sehr, dass im Notfall das RIB nicht schnell genug an die zu rettende Person gefahren werden kann. Ich will hiermit nicht grundsätzlich gegen “Propguards” sprechen, es gibt ja auch, wie oben zu lesen, sehr positive Erfahrungen, vielleicht auch rein psychologische Beruhigung.

    Das WICHTIGSTE ist und bleibt die Schulung der RIB Fahrer. Aller im Club autorisierten RIB Fahrer. Bei Annäherung Notstop ziehen oder verbindlich den Leerlauf einlegen, der in keinem Fall, bei Berührung, selbst rausspringen darf. (Schaltung hin-und wieder überprüfen). Bei Personen, auf dem Schlauch sitzend oder im Stand befindlich, immer sanft anfahren, bzw. Warnung aussprechen.

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    • avatar Andreas Borrink sagt:

      Besser ein Propellerschutz, der noch einen Arm durchlässt, als gar keiner. Der Schutz an unseren MoBos würde einen massiven Schaden verhindern; klar, irgendwie schafft man auch damit schwere Verletzungen. Aber ein katastrophaler Vollkontakt mit Kopf oder Rumpf ist ausgeschlossen. Den Vergleich mit einem Fleischwolf (“meat mincer”) finde ich übrigens ausgesprochen geschmacklos.

      Und klar, Schulung ist unerläßlich. Nur wirklich qualifizierte Fahrer sollten Motorboote an die Hand bekommen. Da hilft unser SpoBo übrigens nun so gar nicht….den kriegt jeder Hirsel.

      Zum Thema Leistung: Alle mir bekannten Rettungs- und Trainingsboote sind tendenziell übermotorisiert. Was muss ich auf einem Binnenrevier 30kn fahren oder so beschleunigen, dass einer hinten rausfällt? Ich glaube, diese Diskussion ist von “Hebel-auf-denTisch” Fans bestimmt, die am Mobofahren irgendwie Spaß haben…..

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