So entstehen an der Müritz die markanten formverleimten Boote vom Typ LA 28

Eine runde Sache

Seit fünf Jahren entstehen bei LA Yacht- und Bootsbau in Waren an der Müritz außergewöhnlich formschöne Holzboote. Historische Parallelen sind gewollt.

Stück für Stück senkt der Kran das Kajütdach ab. Auf dem Deck abgesetzt, hält ein Bleigewicht das Bauteil in Position. Die Bootsbauer zeichnen die Konturen an, um die Verbindung vorzubereiten. Noch ist dem Kajütdach anzumerken, wie es entstanden ist: Deutlich sind im Querschnitt die fünf dünnen Furnierlagen zu erkennen, aus denen es verleimt wurde. Die Außenlage besteht aus Khaya, die Innenlagen aus Zedernholz beziehungsweise Sipo, genau wie beim Rumpf.

Die formverleimte Yacht von Typ LA 28, die in der neuen Halle von LA Yacht- und Bootsbau in Waren an der Müritz entsteht, ist in mancher Hinsicht außergewöhnlich. Besonders die Form fällt ins Auge: Es gibt keine Kante zwischen Rumpf und Deck, sondern eine Rundung. Zum Bug hin fällt das Deck außerdem leicht ab. Mit dieser Form erinnert die LA 28 an die windschnittigen Jollen Aero und Aero II, die Manfred Curry in den 1930er-Jahren zeichnete.

Seit Baunummer 1 im Jahr 2015 sind acht Einheiten ausgeliefert worden

Diese Anleihe ist bewusst gewählt, sagt Konstrukteur Martin Menzner von Berckemeyer Yacht Design: „Die LA 28 vereint in ihrer Bauweise Klassik und Moderne. Mein Ziel war es, dies auch im Design zu zeigen. Am Anfang stand die Absicht, die Bootsbaukunst in Form eines formverleimten Bootskörpers nach oben zu holen. Von oben betrachtet, verdeckt ein gerades Deck letztlich die schönen, runden Linien eines Rumpfkörpers. Mein Ansatz war es, diese Rundungen auch an Deck sichtbar werden zu lassen.“

Auch Details wie etwa der Durchbruch für den Gennakerbaum folgen dieser Philosophie. Ein moderner leichter Werkstoff – in Form eines Kohlefaserrohrs – wird in den Rumpf eingesetzt, zum Schluss aber bündig mit der Außenhaut abgeschnitten. Bis auf einen schwarzen ovalen Rahmen um das Loch erinnert dann nichts mehr an das Innenleben und nichts stört mehr den Strak, wie die Bootsbauer den harmonischen Verlauf der Kurven eines Bootskörpers nennen.

Akribisch überwachen die Bootsbauer das Zusammenfügen des Rumpfes und Aufbaus

Um die besondere Form zu erzielen, wird die LA 28 aus zwei Halbschalen zusammengesetzt, in welche die Rundung integriert ist. „Die Rumpf-Deck Verbindung entfällt, und trotzdem ist das Boot dank seiner Form genau in diesem Bereich extrem steif“, meint Menzner. Obwohl dieses Verfahren auch im Serienbootsbau zum Einsatz kommt, ist die spezielle Formgebung in diesem Segment selten. Erst 2018 kam mit der Club Swan 36 ein Boot mit ähnlichen Konturen auf dem Markt.

Die Werft LA Yacht- und Bootsbau dagegen feiert in diesem Jahr bereits ihren fünften Geburtstag. Ihre Entstehungsgeschichte ist ähnlich außergewöhnlich wie ihre Boote. Gründer und Geschäftsführer Lothar Fichtner segelt zwar seit seinem 15. Lebensjahr, hat aber eine Karriere als Verfahrenstechniker und Betriebswirt hinter sich – und nicht als Werftchef. Nachdem er 2013 seine Firma verkauft hatte, wollte er sich ein Boot für einen Liegeplatz auf Mallorca bauen lassen.

Mit Bleigewichten wird der Aufbau fixiert, bis der Kleber durchgehärtet ist

Der Bootsbauer seines Vertrauens war jedoch kurz zuvor arbeitslos geworden. Fichtner entschied sich, selbst eine Werft zu gründen und den Bootsbauer anzustellen. Als Jollenkreuzerfan gingen die ersten Überlegungen in die Richtung, für Mallorca ein Ballastschwert einzusetzen oder einen Festkiel unterzubolzen. Ohne passende Konstruktion erschien ihm das jedoch zu gewagt. So erging schließlich der Auftrag für einen neuen gewichtsstabilen Riss im Geist eines Jollenkreuzers an Berckemeyer.
Dabei war von vornherein klar, dass Fichtners eigenes Engagement in der Werft zeitlich begrenzt sein würde. Der Betrieb sollte sich so schnell wie möglich selber tragen, damit ihn jemand Jüngeres einmal ohne große Probleme weiterführen könnte. Zur finanziellen Entlastung zahlte sich der Geschäftsführer selbst kein Gehalt aus. Dennoch trieb ihn bei der Werftgründung nicht nur der Wunsch nach einem eigenen maßgeschneiderten Boot an.

Dazu kam zum einem der Wunsch nach einer neuen Aufgabe. „Ich glaube, der beste Weg, sich geistig fit zu halten, ist möglichst lange zu arbeiten“, sagt Fichtner. Zum anderen sorgte er sich auch darum, das Fachwissen des besagten Bootsbauers weiter produktiv zu machen. „Es wäre eine Schande, wenn dieses handwerkliche Können nicht genutzt werden würde.“ Der Werftchef meint, durch die Ähnlichkeit vieler moderner Serienyachten ginge die Vielfalt und Schönheit des Segelns verloren.

„Modernes Design und traditionelles Handwerk können diesen Anspruch noch erfüllen“, findet Fichtner. Zu seinem Konzept gehört, dass die LA 28 genau wie ein Jollenkreuzer als Daysailer oder Weekender tauglich sein soll. Stehhöhe gehört nicht zu den Anforderungen. „Das Boot ist in erster Linie zum Segeln da“, sagt der Geschäftsführer dazu. Außerdem sollte die LA 28 auch mit kleinster Crew einfach zu segeln sein. Trotzdem können bis zu vier Schlafplätze untergebracht werden.

Maßgeschneidert für Fichtners Liegeplatz auf Mallorca ist die LA 28 8,50 Meter lang und mit 2,50 Metern Breite und 1,5 Tonnen Gewicht auch noch trailerbar. Für den Tiefgang gibt es verschiedene Varianten mit Hub- oder Festkiel. Die Doppelruderanlage begrenzt den minimalen Tiefgang des Hubkiels auf wenigstens 80 Zentimeter. Ruder, Kielfinne und Mast bestehen wie der versenkbare Bugspriet aus Carbon. Die Semi-Custom-Bauweise erlaubt den Kunden größtmögliche Freiheit in der Gestaltung unter Deck.

Die Aufnahme für den Gennakerbaum ist in den Rumpf integriert

Die Schottpositionen am Mast und an den Püttingen sind unveränderbar. Wie die Räume dazwischen gefüllt werden, ist offen. Schränke, Schapps, Pantry, Bar, Kühlbox, WC – der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Selbst der Niedergang kann verlegt werden, womit der Aufbau entsprechend länger oder kürzer wird. Das exklusive Boot hat seine Abnehmer gefunden: Seit Vorstellung der Baunummer eins in Friedrichshafen 2015 sind acht Einheiten ausgeliefert worden. Die Baunummern neun bis elf werden derzeit ausgebaut.
Aufgrund von Kundenanfragen hat Martin Menzner inzwischen auch ein Konzept für eine LA 35 erarbeitet. Selbst eine Variante für eine LA 33 existiert – um unter der Grenze von zehn Metern bleiben zu können. Doch das nächste Projekt nach der Auslieferung der drei im Bau befindlichen Boote ist ein Motorboot im LA-Stil. Der typische Leichtbau lässt sich gut mit einem Elektroantrieb verbinden. Lother Fichtner sieht auch im Motorbootmarkt eine Nische für seine Produkte.

„Viele Gleiter auf dem Markt können ihre Stärken gar nicht mehr ausspielen, weil inzwischen es so viele Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt. Wir wollen einen Gleiter anbieten, der sich auch bei 6, 9 oder 12 km/h gut steuern lässt“, sagt er. Das Ziel ist ein leichtes, ästhetisches E-Boot, das bei ansprechender Fahrt 100 Kilometer Reichweite hat. Vorgestellt werden soll es auf der nächsten Bootsmesse in Düsseldorf. Mit dem neuen Produkt strebt Fichtner Zukunftsfähigkeit an.

Inzwischen arbeitet bereits die nächste Generation Bootsbauer auf der Werft. Junge Leute haben sich das Know-How angeeignet und kombinieren es mit neuen Wegen, die Produktion zu verbessern. Mit zwei bis drei Leuten sind über die letzten Jahre zwei bis drei Boote pro Jahr gebaut worden. Das hält Lothar Fichtner auch weiterhin für möglich. In den nächsten paar Jahren möchte der Werftchef den Betrieb Schritt für Schritt übergabefähig machen.

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