Sommertörn: Schwestern segeln mit ihrem IF-Boot rund Fünen

Jenseits der Regattabahnen

Tag 4 – Flaute und Badespaß

Es ist heiß auf dem kleinen Belt, die Schweinswale prusten, kein Lufthauch ist zu spüren, der Spinnaker hängt lustlos herunter. Motorboote und motorende Segler fahren an uns vorbei, bis wir die letzten weit und breit sind. Warum die Eile? Warum nicht einfach mal Segel bergen, ausziehen und – platsch – über Bord springen? Völlig egal, ob du heute morgen geduscht hast – salzig wirst du so oder so.

...was baut sich denn da auf? © MC

…was baut sich denn da auf? © MC

Irgendwann setzt dann auch wieder der Wind mit lauschigen fünf Knoten ein, und wir kämpfen uns langsam weiter voran in Richtung Kleine-Belt-Brücke. Bis Strib wollen wir es noch schaffen. Strib ist zwar nicht der schönste Hafen der Welt, hat aber einen unschätzbaren Vorteil: Die besten Croissants nördlich von Hamburg und südlich von Kopenhagen.

 

Tag 5 – Am nördlichsten Ende (der Seekarte)

Nach einem wie erwartet oberleckeren Frühstück (hab ich schon die Croissants erwähnt?) im Hafen von Strib und einer ausgiebigen Nutzung des kostenlosen W-LANs legen wir gegen ein Uhr bei leichtem Wind und einer Sonne, welche sich hinter dem Dunst verbirgt, ab. Es ist immer noch so warm wie die Tage davor, kurze Hose und T-Shirt reichen als Bekleidung vollkommen aus. Das Ölzeug haben wir noch nicht rausgeholt, seit wir losgefahren sind.

Frühstück vor der Kleinen-Belt-Brücke © MC

Frühstück vor der Kleinen-Belt-Brücke © MC

Während wir uns langsam über das Kattegat in Richtung Nordosten bewegen, beginnen wir etwas, was wir die ganzen restlichen Tage auch machen werden: Boxen raus und „Die drei Fragezeichen“ an. Dabei lernt man viele nützliche Dinge: Jemand, der Leute niederschlägt und in Kofferräume sperrt, ist gefährlich, Spanier können nicht durchhalten und Vegetarier essen nur Gemüse, iiiiiiiih. Es sind wenig andere Boote unterwegs, wahrscheinlich liegen sie alle bereits im Hafen und feuern ihren Grill an. Das gibt einem aber das großartige Gefühl, ganz allein auf der Welt zu sein, nichts als man selbst, das Boot und das Meer. Und Justus, Peter und Bob.

Um neun Uhr abends kommen wir schließlich in Endelave an. Geschickt haben wir uns mal wieder den Zeitpunkt zum Einfahren in den Hafen ausgesucht, als auch die Fähre gerade anlegt. Diesmal funktioniert aber der Motor, und wir finden ein lauschiges Plätzchen am überfüllten Steg („da hat kein anderer reingepasst, probiert es da mal“). Müde kochen wir uns schnell etwas, dann gehts ab in die Koje.

Tag 6 – Rauschefahrt und Farbexplosionen

Wind, es ist Wind! Aus der perfekten Richtung! Kribbeln im Bauch, während Janthina die Wellen hinuntersurft. Die Sonne scheint, das Wasser spritzt, wir rasen nur so den Großen Belt entlang. „Einmal um den Globus, 2 oder 3 oder 5 mal um die Welt, und wenn einer auf Klo muss, dann gibts n Klo im Boot, kein Grund dass man anhält!“ singen wir leicht abgeändert das Lied von den Ohrbooten, und weiter gehts, die Wellen hoch und runter, vorbei an Kerteminde und weiter in Richtung Storebæltsbrœn, ist doch so geiles Segeln gerade.

Sonnenuntergang in Nyborg © MC

Sonnenuntergang in Nyborg © MC

Nachdem wir die Große-Belt-Brücke passiert haben, biegen wir ab in Richtung Nyborg. Auf diesen letzten Meilen schläft der Wind immer mehr ein, sodass wir schließlich perfekt bei Sonnenuntergang anlegen. Und was für ein Sonnenuntergang! Während Svenja unser Boot festhält, schnappe ich mir meine Kamera und fotografiere das Farbfeuerwerk, welches uns der Himmel bietet. Es beginnt in Zartrosa, wird zu Kupfer, dann sieht es aus, als würde der Himmel brennen. Das Feuer wird von einem kräftigen Pink abgelöst, welches schließlich dem Blau der Nacht Platz macht. Ein großartiges Naturschauspiel.

Der schöne Sonnenuntergang ist aber nicht ganz billig: 140 Kronen beträgt das Hafengeld, ich glaub, ich spinne. Für eine versiffte Toilette, Autolärm und Mücken. Die Dusche guck ich mir lieber gar nicht erst an.

10 Kommentare zu „Sommertörn: Schwestern segeln mit ihrem IF-Boot rund Fünen“

  1. avatar Digger sagt:

    Ha ha. Schöne Parallelen zwischen uns. “Wir Ertrunkenen” – seit dem großartigen Buch ist Marstal ein anderes Marstal. Und ihr müsst allein deshalb auf jeden Fall nochmal ins Søfartsmuseet gehen.

    Beim Lesen hatte ich auch ne Idee: Man sollte einen neuen Wettbewerb ins Leben rufen: Cobb Slalom. Wer am schnellsten durch die Massen an Cobbs gelaufen ist, bekommt einen Einweggrill.

    Schreibt weiter, macht Spaß zu lesen!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 25 Daumen runter 4

  2. avatar Sven sagt:

    Digger hat Recht! Sehr kurzweilig zu lesen und tolle Fotos.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 23 Daumen runter 1

  3. avatar Schnellschuss sagt:

    Das macht echt Lust sich wieder den kleinen Ostsee-Klassiker vorzunehmen.
    Vor 20 Jahren wurde der einmal pro Jahr abgesegelt und es war genauso wie Maike es beschreibt.
    Immer wieder ein Erlebnis der besonderen Art. Vielen Dank für die wundervollen Erinnerungs-Flashes.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 1

  4. avatar Ballbreaker sagt:

    Cooler Trip!

    Sogar das Essen sieht essbar aus 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 2

  5. avatar 12er Enthusiast sagt:

    einfach schön zu lesen…danke für die schönen Momente.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 2

  6. avatar Peter sagt:

    Können wir dislikes nicht nur noch mit Erklärung zulassen? Das verstehe ich nun wirklich nicht….

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 7

  7. avatar 23421 sagt:

    Rasmus ist reinster Alkoholiker. Der mag nur Sherry und Rum.
    Wie kommt man überhaupt auf die doofe Idee dem was ohne Alkohol andrehen zu wollen.

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 5

  8. avatar Segler sagt:

    Ein IF-Boot in surf zu bringen?
    Fast unmöglich. Ich wette ihr seit nicht die Wellen runter gesurft. Die Wellen sind von achtern durchgelaufen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 6

  9. avatar Fabian sagt:

    Das ist ja jetzt mal witzig, denn den Törn haben wir Jungs 14-15 Jahre alt auch mit einem if in diesem Sommer gemacht und genau die gleiche Strecke!

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  10. super Beitrag, es hat sehr viel Spaß gemacht ihn zu lesen.

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *